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Familienstreit oder Salafisten-Angriff?

Zwischenfall bei Jesiden-Mahnwache Familienstreit oder Salafisten-Angriff?

War es ein Familienstreit oder doch die Attacke eines Salafisten auf eine junge Frau? Am Donnerstagabend kam es zu einem Zwischenfall am Rande einer Jesiden-Mahnwache am Steintor. Die Nerven lagen blank: Zwischenzeitlich sollte eine Polizeiwache gestürmt werden.

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Vor der Polizeiinspektion Mitte versammelten sich alle verfügbaren Kräfte.

Quelle: Elsner

Hannover. Etwa 80 Jesiden haben sich am Donnerstagabend vor der Polizeiinspektion Mitte versammelt und gedroht, diese zu stürmen, um eine dort festgehaltenes jesidisches Paar zu „befreien“. Sowohl die beiden in Gewahrsam genommenen Personen als auch die anderen Jesiden hatten zuvor an einer Mahnwache am Steintor teilgenommen.

Zu den vorangegangenen Ereignissen gehen die Darstellungen auseinander: Laut Aussage der Jesiden gerieten sie mit einem vermeintlichen Salafisten aneinander, der die besagte Frau im Zuge einer Auseinandersetzung am Arm festgehalten und geschubst haben soll. Als die Lage zu eskalieren drohte, sollen Polizeibeamte eingeschritten sein und die 22-Jährige in einen Streifenwagen gesetzt haben, um sie in Sicherheit zu bringen.

Nach Darstellung der Polizei handele es sich bei dem vermeintlichen Salafisten um eine Erfindung. So heißt es von offizieller Seite, dass es nach der Auflösung der Mahnwache am Steintor gegen 19 Uhr zu einem Familienstreit innerhalb einer Gruppe von etwa 20 Personen gekommen sei. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung sollen die 22-jährige Jesidin und ihr 23-jähriger Freund gestanden haben. In der besagten Gruppe sei es am Nachmittag bereits zu Streitigkeiten gekommen. Am Abend kam es dann zu einer Rangelei und Handgreiflichkeiten gegen den 23-Jährigen. Die Beamten schritten ein, nahmen sowohl die Frau als auch ihren Freund in Gewahrsam, um sie zu schützen und den Sachverhalt aufzuklären, und setzten sie in den Streifenwagen.

Etwa 80 bis 120 Jesiden haben am Rande einer Mahnwache in Hannover eine Polizeiwache belagert.

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Die Jesiden attackierten den Streifenwagen, der daraufhin mit der 22-Jährigen und 23-Jährigen zur Polizeiinspektion Mitte fuhr. Dort wurden beide dann mit auf die Wache genommen. Laut Polizei zog eine Gruppe von etwa 80 aufgebrachte Jesiden, größtenteils junge Männer, daraufhin vom Steintor zur Polizeiwache. Sie forderten lautstark die Freilassung und drohten, das Gebäude notfalls zu stürmen.

Die Polizei reagierte, indem sie alle verfügbaren Kräfte in kürzester Zeit vor das Gebäude schickte, da befürchtet wurde, dass ein Versuch unternommen wird, die Wache zu überrennen. Allerdings soll laut Darstellung der Polizei zu keiner Zeit eine ernsthafte Gefahr der Stürmung bestanden haben. Es waren außerdem Polizeihunde im Einsatz.

Nach einigen Rangeleien konnten die Beamten jedoch die Situation ohne eine Eskalation entschärfen. Der Versammlungsleiter der Mahnwache forderte seine Mitstreiter mit einem Megafon dazu auf, sich friedlich zu verhalten. Der größte Teil der versammelten Jesiden zog gegen 20 Uhr über die Kurt-Schumacher-Straße wieder zurück zum Steintor und zerstreute sich daraufhin. Lediglich einige Kleingruppen blieben vor der Polizeiinspektion stehen und diskutierten mit den Beamten.

Die Lage entspannte sich sehr zügig. Außer der 22-Jährigen und ihres 23-jährigen Freundes soll es keine Festnahmen gegeben haben. Die Polizei ermittelt allerdings in zwei Fällen gegen Unbekannt wegen Landsfriedensbruch – wegen der Attacke auf den Streifenwagen sowie wegen der Belagerung der Polizeiwache.

Seit Montag halten die Jesiden täglich Mahnwachen am Steintor ab, um auf das Leiden ihrer Familien in der Heimat aufmerksam zu machen, die sich auf der Flucht vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) befinden. Die islamistische Isis hat in den vergangenen Tagen weite Gebiete zwischen der nordirakischen Stadt Mossul und der Grenze zu Syrien erobert. Rund 200.000 Menschen sind dort nach Angaben der Uno auf der Flucht. Mehr als 60.000 Jesiden haben sich in die Berge gerettet, haben aber kaum Wasser und Nahrung.

Die Aktionen am Steintor verliefen in den vergangenen Tagen größtenteils friedlich mit wenigen Ausnahmen. So sperrten rund 1200 jesidische Demonstranten am Mittwochnachmittag eine Straße, da sie bislang keine direkten Reaktionen auf ihre Kundgebungen erhalten hatten. Der Verkehr rund um das Steintor wurde vorübergehend lahmgelegt. Erst nach mehreren Aufforderungen der Polizei und der Ankündigung, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok auf dem Weg zum Steintor sei, räumten die Demonstranten die Fahrbahn.

Die Mahnwache am Donnerstag zog sich erneut bereits über den gesamten Nachmittag. Einige Stunden zuvor war es zu einem weiteren kleineren Zwischenfall gekommen, als einige der Demonstranten erneut versucht hatten, eine Straße zu blockieren. Der Versuch konnte jedoch von der Bereitschaftspolizei vor Ort vereitelt werden.

Von Joss Doebler und Jörn Kießler

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Demo gegen Terrorgruppe ISIS
Foto: Die Demonstranten protestierten mit einer Fahrbahnblockade gegen den Vormrasch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in ihrer Heimat.

Rund 1200 jesidische Demonstranten haben am Mittwochnachmittag den Verkehr rund um das Steintor lahmgelegt. Die aus dem Irak stammenden jesidischen Kurden wollten mit der Aktion auf das Leiden ihre Familien in der Heimat aufmerksam machen, die sich auf der Flucht vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (Isis) befinden.

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