Sybilla Schüppling hat einen sonderbaren Beruf. Sie ist Professorin für angewandte experimentelle Rundumforschung. Ihr Auftrag am Sonntag in der City: Menschen mit fröhlichen Gesichtern entdecken. „Da ist schon wieder eins“, ruft ihr Assistent Max und zeigt auf eine düster dreinblickende Frau mit Schirm und Hund. Die muss beim Anblick der beiden schräg kostümierten Vorzeigeentdecker lachen. „Das geht so schnell“, sagt Max und freut sich.
Prof. Schüppling und Max heißen eigentlich Susanne Nülle und Pedro Prüser und haben schon bei mehreren Entdeckertagen der Region für die kleinen, lustigen Momente gesorgt. So auch am Sonntag beim zentralen Fest des 22. Entdeckertages auf der Georgstraße, die mit fünf Bühnen und zahlreichen Ständen und Aktionen zu einer Erlebnismeile gestaltet worden war.
Nach Schätzungen der Region bummelten dort bis zum Abend gut 70. 000 Menschen in der für Autos gesperrten Flanierzone zwischen Kröpcke und Aegi. Etwa 50 .000 weitere Besucher entdeckten die Ausflugsziele im Umland. Das waren insgesamt rund 50. 000 Besucher weniger als noch im vergangenen Jahr. „Das durchwachsene Wetter hat uns die Bilanz etwas vernieselt. Aber der Stimmung hat das keinen Abbruch getan“, versichert Behördensprecherin Christina Kreutz.
Durchwachsen war eigentlich der ganze Entdeckertag, was aber durchaus wörtlich zu verstehen ist: Denn weil die diesjährige Veranstaltung unter dem Motto „Ausflug in die Gartenregion“ stand, spielten Blumen, Bäume und Büsche die Hauptrollen. So hatten sich Vereine, Kommunen und Unternehmen an ihren Ständen in der Innenstadt viel Mühe gegeben, um Grünes, und alles was damit zu tun hat, in Szene zu setzen.
Das Entsorgungsunternehmen aha versteigerte unter dem Titel „Der Zwerg ruft“ die Zipfelmützenträger, ein Gartencafé lud zum Entspannen ein, die Firma Pelikan ließ Plastikschafe grasen, Kleinkünstler wandelten als Gärtner und blumige Gestalten durch die Menge. Auch die Entdecker Prof. Sybilla Schüppling und Max haben ihre Schmetterlingsnetze mit Blumengirlanden und ihre Forscherhüte mit seltsamem Kraut dekoriert. Wenn sie mal nicht nach fröhlichen Gesichtern suchten, dann nach Rasenkanten. „Doch scho viele schehe ich hier nicht“, sagt Prof. Schüppling, die die richtige Aussprache des Buchstabens „S“ noch nicht für sich entdeckt hat.
Wenn sie über das „Liebeschleben der Schumpfmeische“ ins Vortragen gerät, hält sie einem ihr Bestimmerbuch mit dem passenden Vogel unter die Nase: „Schüß, nicht?“ Auch auf den Bühnen gab es viel zu hören. Höhepunkte des Musikprogramms waren die karibische Gruppe Labiba und die Popband „Right Said Fred“, die 17 Jahre nach ihrem Hit „I’m too sexy for my shirt“ noch viele Fans zum Opernplatz lockten. Zu den Konzerten kamen auch viele, bevor oder nachdem sie einen der 36 Orte des Entdeckertages in der Region ansteuerten.
Mehrere Tausend Menschen machten etwa einen Ausflug zum KulturGut Poggenhagen, um dort Kunst und Pferde zu sehen. Andere schlenderten durch die „Gartenwelten“ der Stadt Hemmingen. Aber auch fernere Ziele wie Rinteln im Landkreis Schaumburg zählten allein 2000 Besucher, die mit dem Tagesticket des Großraum-Verkehrs Hannover (GVH) aus der Landeshauptstadt angereist waren. „Ich finde es großartig, dass sich so viele Menschen trotz des wackeligen Wetters auf den Weg gemacht haben, um die Gartenregion und ihre Attraktionen kennenzulernen“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau.
Auch die Entdecker Prof. Sybilla Schüppling und Max zogen eine positive Bilanz: „Hannover weist eine überdurchschnittlich hohe Dichte an fröhlichen Gesichtern auf“, stellt die Professorin für angewandte experimentelle Rundumforschung abschließend fest. Während sie dies in ihren Forschungsbericht schreibt, ruft Max: „Da sind schon wieder welche“. Und dann lachen die Leute.
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