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„Musik ist alles für mich“

13-jährige Geigerin tritt bei „Jugend musiziert“ an „Musik ist alles für mich“

Für die junge Geigerin Katharina Molleker soll der Wettbewerb „Jugend musiziert“ zum Sprungbrett werden – Dirigent Cornelius Meister hat diesen Weg beschritten. 

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Geigentalent Katharina Molleker bereitet sich auf „Jugend musiziert“ vor. 

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. „Musik ist alles für mich. Es ist das, was ich jeden Tag mache, seit ich klein bin. Es ist für mich im Grunde wie atmen.“ Wenn man Katharina Molleker nach ihrer Einstellung zur Musik befragt, merkt man schnell, wie viel ihr das bedeutet. Gerade einmal 13 Jahre alt ist die hannoversche Geigerin, die an diesem Sonntag am Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in Hannover teilnimmt. Die für ihr Alter typische Begeisterungsfähigkeit schwingt deutlich hörbar mit, wenn sie davon spricht, dass „ihre Geige“ ihr „unter allen Dingen am meisten Spaß macht: „deutlich mehr als zum Beispiel Mathe“. Aber es liegt auch eine Ernsthaftigkeit in ihrer Stimme, die für ihr Alter ungewöhnlich ist. Und wenn das Mädchen mit dem Pferdeschwanz und den kindlichen Gesichtszügen die Geige in die Hand nimmt und ein paar Takte aus einem Stück des Barockkomponisten Francesco Antonio Bonporti anstimmt, erfüllt plötzlich ein überraschend großer, reifer Ton den Raum.

Man merkt: Hier steht ein großes Talent. Da verwundert es nicht, dass die junge Geigerin Schülerin am hannoverschen Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF) ist. Die Chancen, dass sie bei dem bevorstehenden Wettbewerb gut abschneidet, stehen nicht schlecht. Seit Katharina Molleker 2010 erstmals bei „Jugend musiziert“ antrat, hat sie einige erste Preise gesammelt. Dazu kommen Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben, im italienischen Padua oder im russischen Workuta.

Warum nimmt die 13-Jährige teil? Will sie gewinnen? „Ich will mich messen, und es macht natürlich Spaß, vorzuspielen“, sagt sie diplomatisch: „Aber gewinnen will ich natürlich auch. Das will doch jeder.“

Und wie wichtig ist es, dass sie gewinnt? Wie wichtig ist „Jugend musiziert“ für eine musikalische Karriere? „Unter den deutschen Profimusikern findet man wohl kaum einen, der nicht irgendwann einmal teilgenommen hat“, sagt der aus Hannover stammende Dirigent Cornelius Meister. Für 16- bis 18-Jährige sei der Wettbewerb ein wichtiger Türöffner: Konzertveranstalter werden oft auch über Wettbewerbe auf junge, talentierte Musiker aufmerksam.

Der 35-Jährige weiß, wovon er redet. Er hat erreicht, wovon viele „Jugend musiziert“-Teilnehmer träumen. Er hat als Musiker Karriere gemacht. 2005 wird er – mit 25 – Generalmusikdirektor (GMD) am Theater der Stadt Heidelberg als jüngster GMD Deutschlands. Seit 2010 ist er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des ORF Radio Symphonieorchesters Wien. Der 35-Jährige sitzt an diesem Tag in einem Hotelzimmer im verschneiten Helsinki und erzählt zwischen den Proben für ein Konzert mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra von seinen Erfahrungen bei „Jugend musiziert“. Zum Beispiel von seiner ersten Teilnahme 1986. Der Sohn des hannoverschen Klavierprofessors Konrad Meister ist fünf Jahre alt – und als er im Großen Saal in der Hohenzollernstraße zu spielen anfangen will, fällt plötzlich der Strom aus. Stille habe geherrscht, und er habe gefragt, ob er trotzdem anfangen solle. „Ich hatte die Stücke auswendig gelernt“, erinnert Cornelius Meister sich: „Ich hätte sie auch im Dunkeln vortragen können.“

So weit kommt es nicht. Der Fünfjährige darf warten, bis es wieder hell ist, und gewinnt dann den ersten Preis in der Kategorie Klavier solo. Auch später nimmt er noch viele Male erfolgreich am Wettbewerb teil. Und bewahrt sich dennoch eine gesunde Einstellung dazu. Man dürfe „Jugend musiziert“ nicht überbewerten, sagt er. Jemand, der es bis in den Bundeswettbewerb schaffe, müsse über Monate hinweg immer dieselben Stücke üben. Dabei sei die elementare musikalische Ausbildung genauso wichtig: Vom-Blatt-Spielen, Improvisieren, Harmonielehre. Teilnahme an „Jugend musiziert“ bedeute immer auch, ein 15 bis 20 Minuten langes Programm monatelang zu perfektionieren: „Dabei ist es genauso wichtig, sich einmal an einem etwas zu schweren Brocken die Zähne auszubeißen, den man noch gar nicht perfekt hinkriegen kann.“

Auch Katharina Mollekers Ausbildung am hannoverschen Institut zur musikalischen Frühförderung Hochbegabter ist von dieser Haltung geprägt. „,Jugend musiziert’ strukturiert bei Talenten wie Katharina einfach den Jahresrhythmus“, sagt Ina Kertscher, Geigenprofessorin an der Musikhochschule Hannover und Lehrerin von Katharina. Der Wettbewerb gebe ein Ziel vor, an dem sich die Schüler orientieren könnten – mehr nicht. Er sei ein Unterrichtselement neben vielen anderen und stehe „so selbstverständlich im Kalender wie Ostern und Weihnachten“.

Kertscher hat viel Erfahrung mit talentierten Kindern und Jugendlichen, unterrichtet sie seit vielen Jahren. Es sei wichtig, dass man sie nicht allein auf Musik fixiere, sagt die Frau, die selbst neben ihrem Violinstudium Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte studiert hat. „Wir müssen ihnen zeigen, dass es auch andere offene Türen gibt.“

Das gilt wohl umso mehr, weil viele musikalisch Hochbegabte schon als Kinder einen großen Teil ihres Lebens der Musik widmen. Katharina Molleker beispielsweise ist für den Unterricht im IFF mitsamt Familie von Wiesbaden nach Hannover gezogen. Ihre Mutter ist Pianistin, der Vater spielt Trompete, der Bruder Geige. „Für den Unterricht jede Woche 400 Kilometer mit dem Zug zu fahren, war einfach irgendwann zu schwer“, sagt die 13-Jährige. Zwei bis drei Stunden übt sie täglich. Was sagen ihre Mitschüler zu dem Pensum? „Es haben doch viele ein Hobby, das ihnen wichtig ist“, sagt die Schülerin am Sophiengymnasium leichthin. „Der eine tanzt, der nächste macht Parkour, der nächste ist gut in Mathe.“

Und: Unabhängig davon, wie sie am Sonntag bei „Jugend musiziert“ abschneidet – Ende Februar wartet schon der nächste große Auftritt auf sie. Mit dem Göttinger Symphonie Orchester wird sie in der Stadthalle Göttingen Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in g-moll op. 26 spielen.

Teilnehmerrekord bei Jugend musiziert

„Jugend musiziert“ verzeichnet nach Angaben von Geschäftsführerin Daniela Aßmus auch 2016 beim Regionalwettbewerb in Hannover mit 108 Teilnehmern einen neuen Rekord. In acht Kategorien treten die jungen Musiker diesmal an: In der Solowertung sind es Geige, Bratsche Cello, Akkordeon und Schlagzeug, in der Ensemblewertung Harfe, Klavierkammermusik und Alte Musik.

Der letzte Wettbewerb für diese Besetzungen fand vor drei Jahren statt, damals kamen 99 Teilnehmer. 2001 waren es 56.

Auch in den Bewertungen der anderen Instrumentengruppen, die sich jeweils im Dreijahresabstand wiederholen, könne man in Hannover in den vergangenen zehn Jahren eine stetig ansteigende Teilnahme beobachten, sagt Aßmus. Dies sei umso erfreulicher, als in anderen Regionen von stark zurückgehenden Zahlen berichtet werde.

Warum dies so sei, könne man nur schwer beantworten, sagt Bernd-Christian Schulze, Vorsitzender des Regionalausschusses „Jugend musiziert“ der Stadt Hannover. Eine Ursache könne sein, dass Familien wieder stärker in die Stadt zurückzögen. Dass die Musikhochschule und das Institut zur Frühförderung Hochbegabter in Hannover angesiedelt seien, spiele eine Rolle. Zudem gebe es sehr viele sehr engagierte Privatlehrer in der Stadt.

Spitzentalente wie Katharina Molleker machten durchschnittlich nur etwa 10 bis 15 Prozent des Teilnehmerfeldes aus. „Jugend musiziert“ sei ganz bewusst auch auf Breitenförderung hin ausgerichtet.

 jr

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