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Aus der Stadt 14-jähriger Flüchtling begrapscht Erzieherin
Hannover Aus der Stadt 14-jähriger Flüchtling begrapscht Erzieherin
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00:17 18.09.2016
Von Michael Zgoll
Der Jugendliche musste sich wegen des Übergriffs vor dem Amtsgericht verantworten. Quelle: Archiv
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Hannover

Der Jugendliche war vor knapp zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Syrien nach Hannover gekommen. Jugendrichterin Jutta Glahn verurteilte ihn in nicht öffentlicher Sitzung wegen Körperverletzung und Nötigung. Der Angriff sei massiv gewesen, das Opfer habe erheblich unter den Folgen zu leiden. Der Jugendliche müsse lernen, so die Richterin, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen zu akzeptieren.

Der Übergriff ereignete sich in einer Novembernacht 2015 kurz vor 1 Uhr. Der Jugendliche beugte sich unvermittelt über die 24-jährige Erzieherin, die während ihrer Nachtschicht am Schreibtisch saß, und küsste sie ins Gesicht. Dann schlang er seine Arme um sie und küsste sie erneut. Kurzzeitig gelang es der angehenden Sozialarbeiterin, den Jugendlichen wegzudrücken, doch als sie den Raum verlassen wollte, packte er sie von hinten und befingerte ihre Brüste.

Obwohl das Opfer mehrmals laut „Nein“ schrie, kam der 14-Jährige immer wieder auf die Erzieherin zu und versuchte, sie festzuhalten. Erst als sie den Jugendlichen kratzte und zu weinen begann, ließ er von ihr ab. „Er war völlig fixiert auf mich“, sagte die junge Frau bei ihrer Zeugenvernehmung. Bis heute habe sie die Attacke im Kinderheim nicht verarbeitet.

Es gibt Zweifel, ob der Flüchtling wirklich erst 14 Jahre alt ist, möglicherweise ist er auch schon zwei Jahre älter. Bei seiner Einreise aus Syrien wartete er jedenfalls mit Alias-Identitäten auf. Im November 2015 wurde dem Asylbewerber in Deutschland eine Duldung zugestanden. Dass er aufgrund des sexuellen Übergriffs nach Syrien zurückgeschickt wird – was eine Angelegenheit der Ausländerbehörde wäre –, hält Gerichtssprecher Jens Buck für unwahrscheinlich: „So lange dort Krieg herrscht, wird man ihn nicht abschieben können.“

Nach Einschätzung von Buck werden Frauen in der arabischen Welt noch wesentlich stärker als in westlichen Ländern als Sexualobjekte gesehen, dort hätten viele Männer noch ein völlig anderes Weltbild als in Deutschland. „Der junge Mann muss sicher noch eine Menge lernen über die Regeln in unserem Land“, meint der Richter.

Neuen Versuchungen gegenüber der Sozialarbeiterin wird der Jugendliche, der nicht vorbestraft war, nicht ausgesetzt sein. Unabhängig von seiner Zwei-Wochen-Strafe, die er in der Jugendarrestanstalt in Neustadt am Rübenberge absitzen muss, wurde er in eine andere Wohneinrichtung gesteckt. Und auch sein 24-jähriges Opfer arbeitet nicht mehr in dem Kinderheim in Bothfeld.     

Für die Flüchtlingsunterkunft am Waterlooplatz findet sich kein Betreiber. Die Unterkunft ist bezugsfertig, doch aus Angst vor Übergriffen auf die Bewohner will keiner der vier potenziellen Betreiber sie übernehmen. Wann sie eröffnet wird, ist unklar.

Conrad von Meding 18.09.2016

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