Bill Gates wäre es gewesen. Einen besseren Werbeträger als den reichsten Mann der Welt hätten sich die Veranstalter des Deutschen Stiftungstages nicht wünschen können. Doch leider habe der Microsoft-Gründer keine Zeit für eine Reise nach Hannover gehabt, sagt Jörg F. Maas. Statt Gates ist er aus Seattle gekommen – als Koordinator des Europa-Ressorts der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Die niedersächsische Landeshauptstadt sei seinem Chef durchaus ein Begriff, betont Maas: „Er kennt natürlich die CeBIT.“ Außerdem fördert die 36 Milliarden Dollar schwere US-Stiftung die in Hannover ansässige Deutsche Stiftung Weltbevölkerung jedes Jahr mit rund einer Million Dollar.
Maas ist einer der rund 1400 Teilnehmer, die sich seit Mittwoch beim Stiftungstag im Congress Centrum austauschen. Dass Hannover den Zuschlag für das dreitägige Gipfeltreffen der deutschen Stiftungen – die europaweit größte Veranstaltung ihrer Art – erhalten hat, liegt vor allem an der aktiven Stiftungslandschaft. Mehr als 300 Stiftungen gibt es in der Region, gemessen an der Stiftungsdichte pro 100.000 Einwohner belegt Hannover im Ranking von 81 deutschen Großstädten den neunten Platz.
Hinzu kommt die Vielfalt – das Spektrum reicht von der Volkswagenstiftung, des bundesweit größten privaten Wissenschaftsförderers mit einem Kapital von 2,4 Milliarden Euro, bis zur Rockmusikstiftung, die mit einem Euro gestartet ist und heute ein Vermögen von 1,5 Millionen Euro verwaltet. Trotz bester Voraussetzungen musste die Stadt noch lange warten: 2004 wurde die Bewerbung für die begehrte Großveranstaltung eingereicht, die Vorbereitungen laufen seit zwei Jahren.
Viel dazu beigetragen hat Theda Minthe. Die Mitarbeiterin von Oberbürgermeister Stephan Weil ist Koordinatorin der Stiftungsinitiative Hannover, in der sich unter Regie der Stadt 150 Stiftungen zusammengeschlossen haben. Am Mittwoch wirkte die Fachfrau nicht im Hintergrund, sondern diskutierte auf dem Podium mit Kollegen aus Stuttgart, Frankfurt, Braunschweig und Ahrensburg.
Fazit: Die hannoverschen Stiftungen sind extrem gut vernetzt. Und sie können auf einen prominenten Fürsprecher zählen: Zum zweiten Mal binnen drei Wochen war Alfred Biolek in Hannover, um für die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zu werben. Seit zehn Jahren unterstützt der Fernsehmoderator die vom hannoverschen Unternehmer Dirk Roßmann gegründete Institution, die sich vor allem für Hilfsprojekte in Afrika einsetzt. Am Mittwoch moderierte Biolek ein Forum mit 200 Stiftungsvertretern aus Hannover – der „Keksstadt“, wie er anmerkte.
Im Publikum saß Ingrid Falkenreck. Die 77-Jährige und ihr Mann Horst haben 2001 eine Stiftung mit dem Schwerpunkt Denkmalpflege gegründet. „Wir haben keine Kinder und wollten unser Geld nicht einfach verschleudern“, sagt sie. Mit einem Kapital von 100.000 Euro gehört die Stiftung zu den kleineren. Was sie damit bewirken könne, mache sie glücklich, sagt Ingrid Falkenreck – und zeigt Fotos vom restaurierten Bödeker-Engel auf dem Stöckener Friedhof.
Christian Buhmann, langjähriger Leiter der Buhmann-Schule Hannover, hat nach dem Ruhestand einen Teil seines Vermögens in eine Stiftung für christlich-islamische Verständigung eingebracht, die etwa Seminare für Lehrer und Pfleger finanziert. Bis zu 15.000 Euro stünden pro Jahr bereit, erklärt der zweifache Großvater. „Es macht mir Freude, mit dem Geld, etwas Sinnvolles zu tun.“
Das ist auch das Credo von Michael Otto, einer der prominenten Gäste beim Stiftungstag. Der 66-Jährige, der bis vor eineinhalb Jahren Chef des Otto-Konzerns war und jetzt in den Aufsichtsrat gewechselt ist, hat bereits 1993 die nach ihm benannte Stiftung für Umweltschutz gegründet. Für seinen Einsatz im Stiftungswesen erhielt er viele Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz.
Dass es laut Studien zu wenig Firmenstiftungen gibt, dafür hat Otto eine eigene Erklärung: „Man braucht als Unternehmer beide Gehirnhälften.“ Die „emotionale Intelligenz“ sei wichtig, um sein Geld für die Gesellschaft einzusetzen. Wie man mit einer Briefmarkensammlung zum Stifter werden kann, verriet Jakob von Uexküll. Er verkaufte das wertvolle Erbe und stiftete mit dem Erlös den „Alternativen Nobelpreis“.
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