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1500 Korane in Hannover verteilt

Radikale Salafisten 1500 Korane in Hannover verteilt

Neugierig, aber mit Distanz, haben die meisten Passanten am Sonnabend in der Innenstadt von Hannover auf die umstrittene Verteilung von kostenlosen Koran-Exemplaren reagiert. Die Aktion sorgte schon im Vorfeld für Diskussionen.

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Dennis R. und seine Glaubensbrüder verteilen kostenlose Übersetzungen des Koran.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Dass es so gut laufen würde, damit hat Dennis R. nicht gerechnet. Es ist erst 12 Uhr, und doch haben er und einige seiner Glaubensbrüder schon 800 Koranexemplare in der hannoverschen Fußgängerzone verteilt – in nur zwei Stunden.

Dennis R. war einmal Christ. Jetzt ist er Muslim, nennt sich Abdul Malik und beteiligt sich an einer umstrittenen Aktion: Ziel ist es, 25 Millionen Koranexemplare in deutscher Übersetzung in Umlauf zu bringen. Ihm sei wichtig, dass seine Mitmenschen mehr über seine Religion erfahren, sagt R. Doch der Verfassungsschutz bezweifelt, dass es allein darum geht. Der Kölner Prediger Ibrahim Abou-Nagie, der die Verteilung des Korans koordiniert, wird als gefährlicher Islamist eingestuft. Der Landesverband der Muslime in Niedersachsen hat sich deutlich von der Aktion distanziert.

Für die laute Kritik, auf die das Vorhaben stößt, hat Dennis R. kein Verständnis. Von den Medien fühlt er sich ungerecht behandelt, missverstanden. Doch die Berichterstattung hat die Menschen neugierig gemacht. Nun stehen sie vor ihm und greifen nach den Koranausgaben, die da in klare Plastikfolie verpackt auf dem Tisch liegen. Nachschub muss her.

Islamisten haben am Sonnabend in der Innenstadt von Hannover kostenlose Koran-Exemplare an Passanten verteilt.

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Sie wolle „mal reingucken“, sagt eine Mittsechzigerin mit Hornbrille. Wie so viele andere auch. Eine 44-jährige Frau aber kann nicht so gelassen umgehen mit dem, was sich da vor ihren Augen am Schillerdenkmal in der Georgstraße abspielt. Dort haben Dennis R. und seine Glaubensbrüder ihren Pavillon aufgebaut, wie schon in den vergangenen Wochen. Der Andrang ist groß. Die 44-Jährige, Christin, wie sie betont, sucht nach einer Erklärung dafür. „Die Menschen in unserer Gesellschaft sind verwirrt. Sie haben geistigen Hunger. Sie wissen gar nicht, wohin mit ihrem Hunger“, sagt sie.

In der Nähe des Schillerdenkmals steht an diesem Morgen noch ein weiterer Klapptisch. Die Initiative „Bürger für Wahrheit und Dialog Hannover“ hat sich dort postiert und verteilt unter anderem das deutsche Grundgesetz. Initiator Jörg Haller hält das für eine sinnvolle Ergänzung zu dem, was sich vis-à-vis in wenigen Metern Entfernung abspielt. „Da steht alles drin. In Deutschland herrscht Glaubens- und Meinungsfreiheit“, sagt er. Das erst ermögliche es den Muslimen, ihre Glaubensschrift zu verteilen, bedeute aber auch, dass in diesem Land kein Platz für Extremismus sei. Auch eine Übersetzung des Neuen Testaments in arabischer Sprache liegt auf Hallers Tisch. Einige hätten Interesse gezeigt und das blaue Büchlein eingesteckt, sagt er.

Seit knapp einer Stunde wartet der 42-jährige Mohammad A. darauf, dass eine weitere Lieferung der kostenlosen Koranexemplare eintrifft. Er ist nicht der Einzige, etwa 20 andere warten auch. In seinem Bekanntenkreis hat Mohammad A., der aus dem Libanon stammt, in den vergangenen Tagen über die Verteilaktion gesprochen und über die Salafisten, jene Anhänger einer fundamentalistischen Koranauslegung, die hinter der Aktion stehen. „Die sind gefährlich“, sagt A. Nun will er sehen, was in dem Buch steht, das da bundesweit verteilt wird. „Ich will wissen, was sie in Deutschland über meine Religion erzählen.“ Auch andere, die hier warten, sind sich sicher, dass die Koranausgabe geschönt ist. Andere winken ab: „Das wird sicherlich eine bemüht gute Übersetzung sein“, sagt einer.

Die Gespräche, die Dennis R. und seine Glaubensbrüder mit den Menschen an ihrem Stand führen, sind meist kurz: „Ist das wirklich kostenlos?“, fragt eine Frau. „Ja“, sagt ein junger Mann mit Kopfbedeckung. Die jungen muslimischen Männer sind zurückhaltend, lassen sich nicht auf Grundsatzdebatten ein. „Ihr dürft ja nicht mal Schweinefleisch fressen“, pöbelt ein Passant. Keine Reaktion.

Gegen 14 Uhr trifft die zweite Ladung Bücher ein. Innerhalb weniger Minuten sind die Koranausgaben erneut vergriffen. Eigenen Angaben zufolge hat Dennis R. an diesem Sonnabend in Hannover rund 1500 Bücher verteilt. Nächste Woche will er wiederkommen.

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