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Staatsschutz holt Schüler aus dem Unterricht

16-Jähriger unter Islamismus-Verdacht Staatsschutz holt Schüler aus dem Unterricht

Auch Wochen nach dem Terroranschlag in Paris sind die Behörden noch immer in Alarmbereitschaft. Das bekam jetzt ein 16-Jähriger in Hannover zu spüren: Er hatte über Snapchat ein Foto veröffentlicht, mit dem er über die Anteilnahme für die Opfer spottete. Daraufhin stattete ihm die Polizei einen Besuch in der Tellkampfschule ab.

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Die Tellkampfschule in Hannover.

Quelle: Schwarzenberger/Archiv

Hannover. Nach den Attentaten in Paris, bei denen mehr als 130 Menschen ums Leben kamen, hatten viele Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook ihre Profilbilder mit einer französischen Flagge hinterlegt, um ihr Mitgefühl auszudrücken. „Zudem tauchten überall wieder die typischen Anschuldigungen gegenüber dem Islam auf“, sagt der 16-jährige Halbtunesier, der selbst Moslem ist. „Während aber jeder nur noch um Paris trauerte, starben und sterben noch immer Unmengen von Menschen in den arabischen Ländern in Nordafrika und Asien.“ Das ärgerte ihn so sehr, dass er ein Foto von sich machte, auf dem er dem Betrachter beide Mittelfinger entgegenstreckte. Dieses Bild postete er im Smartphone-Messenger-Dienst Snapchat. Darunter schrieb er nach eigenen Angaben, dass „alle die Lage nicht übertreiben“ sollten.

Jetzt erschienen plötzlich Beamte des Staatsschutzes in der Tellkampfschule. „Ich wurde von einem Tutor aus dem Unterricht geholt und von zwei Polizisten befragt, ohne dass ich meine Eltern anrufen durfte“, sagt der Schüler. Die Polizei bestätigt den Vorgang. Bei der Behörde war eine Anzeige von einer Person eingegangen, die die Nachricht des 16-jährigen Halbtunesiers gesehen hatte und offensichtlich als bedenklich einstufte. Ebenfalls wenig vertrauenerweckend ist das Profilbild des Teenagers, das ihn mit einem Palästinensertuch vermummt zeigt. Alles zusammen, fand die Polizei, war Grund genug, sich den 16-Jährigen und sein Umfeld genauer anzusehen.

Zwei Ermittler des Staatsschutzes fuhren daraufhin in die Schule, um dort mit Lehrern und dem Schüler zu sprechen. Bereits nach einem kurzen Gespräch wurde jedoch klar, dass von dem jungen Moslem keine Gefahr ausgeht. Da es sich nicht um eine Vernehmung handelte, seien auch dessen Eltern nicht informiert worden, teilt die Polizei mit.

„Das finde ich unmöglich“, sagt jedoch die Mutter des 16-Jährigen. „Die Polizisten hätten genauso gut bei uns zu Hause vorbeikommen und ihn hier befragen können.“ Durch den Besuch in der Schule könne ihr Sohn gebrandmarkt werden. Der 16-Jährige sowie sein vier Jahre älterer Bruder haben den Eindruck, er stehe unter Generalverdacht. „Sie fragten ihn, ob er religiös sei, und setzten meinen Bruder unter Druck“, sagt der 20-Jährige. „Ich verstehe, dass die Polizei auf eine Anzeige reagieren muss – aber doch nicht in der Schule.“

Das Facebook-Profil des Schülers ist auch für die Polizei nicht das eines islamischen Extremisten. Dort signalisiert er mit unzähligen „Gefällt mir“-Angaben unter anderem seine Vorliebe für westliche Stars.

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