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Aus der Stadt 1676 Euro für zwei Tage Internet?
Hannover Aus der Stadt 1676 Euro für zwei Tage Internet?
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00:15 30.06.2016
Von Michael Zgoll
 Wer im Urlaub das Internet nutzt, sollte vorher die Kosten prüfen. Quelle: dpa
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Hannover

Dass Kunden versuchen, bei Reiseveranstaltern für vermeintliche oder tatsächliche Urlaubsmängel eine Reisepreisminderung oder Schadensersatz einzufordern, ist nicht ungewöhnlich. Doch gelegentlich treiben diese Begehrlichkeiten bunte Blüten - wie jetzt im Fall einer Mexiko-Urlauberin. Die Frau verklagte den Reisekonzern Tui auf die Erstattung von 1676 Euro. Diese Datennutzungskosten seien bei ihrem Mobilfunkanbieter aufgelaufen, weil sie einen mehrtägigen Ausflug per Handy und Google Maps begleitet habe. Die Argumentation der Klägerin: Die Tui habe ihr versprochene Reiseunterlagen vorenthalten, deshalb sei sie auf den mobilen Kartendienst im Internet angewiesen gewesen.

Doch Amtsrichterin Martina Vinson erteilte der Urlauberin jetzt eine glatte Abfuhr. 100 Euro Entschädigung, die der Reisekonzern für die entstandenen Unannehmlichkeiten bereits gezahlt hatte, seien allemal ausreichend.

Die Urlauberin aus einem Örtchen nahe Ludwigslust hatte mit ihrem Mann eine Flugpauschalreise nach Mexiko gebucht, vom 29. August bis 13. September 2015. Geordert hatte das Paar auch eine fünftägige „Selbstfahrerreise Haciendas in Yucatan“ mit Übernachtungen in Mittelklassehotels.

Einen Tag vor der geplanten Abfahrt, also am 29. August, sollte den Urlaubern ein „Booklet“ mit Angaben zu Unterkünften, Sehenswürdigkeiten und Wegbeschreibungen ausgehändigt werden. Ob diese Unterlagen auch detaillierte Straßenkarten enthalten sollten, ist strittig. Fest steht nur: Das Booklet war nicht hinterlegt, Ersatz konnte die Reiseleitung kurzfristig nicht beschaffen.

Also machte sich das Paar ohne schriftliche Unterlagen auf den Weg - und suchte per Mobiltelefon nach Orientierung. Weder im Start-Hotel, an Tankstellen und Sehenswürdigkeiten noch in der ersten Hacienda seien Straßenkarten oder günstige Datenpakete für das Handy angeboten worden, bekundete die Urlauberin. Deshalb sei die Nutzung von Google Maps „alternativlos“ gewesen. Erst am Abend des 31. August, also nach zwei Tagen Fahrt, bekamen die Touristen ihr ersehntes Booklet ausgehändigt.

Die Antwort der Tui ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: Es sei „absurd“ anzunehmen, dass das Paar weit und breit keine Straßenkarten habe kaufen können. Richterin Vinson hieb in die gleiche Kerbe. Es sei „völlig lebensfremd, dass in einem derart erschlossenen Gebiet, das jährlich von Millionen Touristen aufgesucht wird und in welchem auch Selbstfahrerreisen vielfach angeboten werden, nirgendwo Kartenmaterial angeboten werden soll“. Auch hätte das Paar seine Route per Bildschirm-Screenshots im Hotel planen oder um ein Navigationsgerät für den Mietwagen bitten können. Die geltend gemachten Aufwendungen für die Nutzung des Internetdienstes Google Maps in Höhe von 1676 Euro, so das Urteil, würden demnach „jeden Rahmen des Erforderlichen“ sprengen.

Zum Schluss hatte die Richterin für die Tui-Kundin noch einen Tipp parat. Möglicherweise habe das Paar die Kosten, die die Nutzung des Kartendienstes im Ausland verursacht, schlichtweg unterschätzt und sich vor Reiseantritt nicht vernünftig informiert. Vinsons Rat für die Mexiko-Urlauber: Kontakt zum Mobilfunkbetreiber aufnehmen und um eine Reduzierung der Kosten bitten.

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