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Aus der Stadt Ohne Holz geht beim Tiergartenfest nichts
Hannover Aus der Stadt Ohne Holz geht beim Tiergartenfest nichts
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17:47 11.10.2015
Von Michael Zgoll
Beim Tiergartenfest in Kirchrode erleben die Besucher, wie Bäume fachmännisch zersägt werden. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Kirchrode

Ohne ihn wäre das Tiergartenfest gar nicht denkbar. Ohne den Stoff, aus dem die Bäume sind: Holz. Das beginnt schon am Eingangstor. Wo sonst in der Welt kann man mit Baumscheiben bezahlen, bekommt dafür sogar noch Kuchen und Kaffee obendrauf? Nun gut, dafür hat sich Greta aus Bothfeld auch krumm gelegt. Hat die Früchte von drei stattlichen Kastanien am Klein-Buchholzer Kirchweg aufgesammelt, einen Sack und eine Kiste voll. Und nun ist die Neunjährige da, wo es die Belohnung gibt, bei der 38. Auflage des Tiergartenfestes.

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Zur 38. Auflage des Tiergartenfestes in Kirchrode sind rund 20.000 Besucher gekommen. Sie konnten an vielen Mitmachstationen ihr handwerkliches Geschick zeigen.

Der Wind steht still, die Sonne strahlt und die Blätter treiben’s bunt – die Natur erweist sich als perfekter Gastgeber. Wahrscheinlich sind es wieder an die 20 000 Besucher, die es sich in dem prominenten Kirchröder Park gut gehen lassen. Bei diesem Fest ist die Zahl der Gäste naturgemäß schwer zu ermitteln; sicher ist nur, dass die Mitarbeiter des Forstamts 11 000 Baumscheiben geschnitten haben.

Na klar: Nicht jede Attraktion beim Tiergartenfest baut auf Holz. Hüpfburg und Riesenlaufball, Ponyritt und Zirkusnummer haben auch ihren Reiz. Doch das Spezielle im Tiergarten sind halt die Mitmachstationen, die in Bäumen wurzeln. Greta ist gerade dabei, ein Loch in das Halbrund eines Birkenstammstücks zu fräsen. Hinein kommt ein Teelicht – und fertig ist der Kerzenständer. Patrick Neumann vom Forstrevier Süd kann ängstliche Naturen beruhigen: Nein, da kann nichts anbrennen. Ein Loch kostet einen Euro, die komplette Adventsbirke also vier.

Voll behämmert geht es an der riesigen Werkbank zu, wo Jung und Alt vorgefertigte Holzelemente zu Vogelhäuschen zusammenfügen. Tack, tack, tack mal tausend, hier hat das Handwerk hohe Zeit. Der Bausatz Halbhöhle soll Amsel und Rotkehlchen Unterschlupf bieten, das Modell Nisthöhle ist für Meise und Sperling bestimmt. „Das Schöne an diesem Fest ist, dass die Kinder was Handwerkliches machen können“, sagt Silke Müller. Ihre Tochter Amelie und Freundin Paula, beide neun Jahre alt, sehen das genauso. Und was ist mit krummen Nägeln? Die biegen die Mädels schon wieder hin.

Beim Wald- und Wildquiz muss man wissen, welches die häufigste Baumart im Tiergarten ist: Kiefer, Rotbuche oder Stieleiche? Mit Kastanienhälften, Spänen und Moos verbunden werden Birkenstämmchen am Stand gegenüber. Damit aus diesem Mix ein echtes Wichtelmännchen wird, braucht man Heißklebepistolen. Die Haftung übernehmen freiwillige Helfer des städtischen Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün. Das Brüderpaar Max (6) und Anton (4) aus Kirchrode versucht sich, wie Hunderte andere Kinder an diesem Festtag, am Finishing. Denn erst mithilfe von Pinsel und Farbe werden die Wichtel zu wahrhaft fröhlichen Gesellen.

Holz von ganz anderem Kaliber bearbeiten die kräftigen Kerle vom Forstrevier Süd, die im Zwei-Stunden-Takt zur Holzfäller-Show „Forsttechnik ganz nah“ bitten. Mit wuchtigen Axthieben fällen sie eingebuddelte Kiefernstämme, im wiegenden Rhythmus schneiden sie einem Koloss mit ihrer Zwei-Mann-Schrotsäge ein paar Scheiben ab. Vorarbeiter Steffen Ahlbrecht füllt die Entertainer-Rolle wunderbar aus, hat auch zum Holztransport per Pferd und Ladewagen eine Menge zu erzählen. Der Stolz der Truppe ist eine Zwei-Mann-Motorsäge aus den fünfziger Jahren. 250 Kubik, ein Zentner schwer – selbst mit maschineller Unterstützung war das Bäumefällen damals noch wahre Schwerstarbeit.

Ein Tisch mit historischen Baumscheiben gewährt einen Blick in die Vergangenheit. „Eichelaktion 1977“ ist in die allerersten Rundhölzer gebrannt, 2000 taucht einmal und nie wieder ein „Eichelfest“ auf. Im Folgejahr schreibt die Stadt erstmals „Tiergartenfest“ auf die Belohnungsscheiben, doch endgültig durchsetzen kann sich dieser Name erst ab 2004 – zuvor probierte man es zwei Jahre nochmals mit der „Eichelaktion“.

Aktion hin, Fest her: den 200 Hirschen und neun Rehen im Tiergarten kann’s egal sein. Sie dürfen sich auch in diesem Jahr wieder auf eine Winterfütterung mit 30 Tonnen Kastanien und Eicheln freuen – mit Liebe gesammelt und eine willkommene Abwechslung zu Kraftfutter und Heu. Das Gros der Ernte haben natürlich die Kinder beigesteuert, doch Revierleiter Thomas Giese weiß auch von älteren Tierfreunden zu berichten. So hat eine Seniorin, mit Rollator unterwegs, einen Riesenberg Kastanien abgeliefert – stolze drei Zentner.

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