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Aus der Stadt Das war der Tag des offenen Hofes in der Region Hannover
Hannover Aus der Stadt Das war der Tag des offenen Hofes in der Region Hannover
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00:37 20.06.2018
Landwirt Eckhart Pribbernow aus Arpke kämpft um seine Kartoffelernte. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Bei großen Ereignissen im Freien ist es ja meist so: Die Veranstalter hoffen lange im Voraus auf gutes Wetter und je näher der Tag heranrückt, desto häufiger blicken sie auf Regenradar und Wetter-App im Handy. Am Sonntag, beim Tag des offenen Hofes, war das nicht anders. Zehn Landwirte aus der Region Hannover wünschten natürlich, dass dieser Tag von Regen verschont würde, damit wieder Tausende Besucher kommen. Aber manche von ihnen hätten andererseits grundsätzlich gegen Feuchtigkeit von oben nichts einzuwenden. Das sind diejenigen Bauern, die dem guten Wetter der vergangenen Wochen beruflich nichts abgewinnen mochten.

Eckhart Pribbernow aus Arpke, einem Ortsteil von Lehrte, kann lange davon erzählen. Er bewirtschaftet in vierter Generation 120 Hektar. Der Familienbetrieb holt aus Ackerflächen Getreide, Rüben und Mais. Doch in diesen Tagen machen Kartoffeln Probleme. „Wir leiden unter der Trockenheit“, sagt Pribbernow, „unsere wirtschaftlichen Erträge sinken.“ Er sitzt in weißem Hemd mit Namensschild vor seinem Hof auf einer langen Holzbank, an der Besucher Pause machen und essen und trinken können. Das Problem: Ohne ausreichend Regen wachsen Kartoffeln schlechter, sie bilden weniger Knollen. Der Landwirt schätzt, dass die bevorstehende Ernte deshalb 20 Prozent weniger Kartoffeln ans Tageslicht fördern dürfte, „das wird ordentlich werden“.

Eindrücke vom Tag des offenen Hofes 2018

Mit Beregnungsmaschinen auf Äckern rund um das landwirtschaftlich geprägte Arpke versuchen Bauern, den erwarteten Schaden mit großem Aufwand zu begrenzen. Sie machen sich ihr Wetter selbst, so weit es möglich ist. Eckhart Pribbernow beschreibt das so: „Maschinen aufbauen, Leitungen legen, wässern, Maschinen umsetzen, weil jedes Feld Wasser braucht. Das dauert jedesmal Stunden und kostet Sprit und Strom.“ Aber nach dieser Geschichte mussten Besucher schon gezielt fragen an diesem Sonntag, kein Landwirt hängt ja Plakate mit aktuellen Problemen des Berufsstandes aus.

Beim Tag des offenen Hofes soll aber dennoch natürlich für die Landwirtschaft geworben werden. Zeigen, wie sie wirklich ist, nennen Landwirte das. Dabei schwingen oft Klagen darüber mit, wie unverstanden man sich fühlt von Kritikern, denen ebenso oft Unkenntnis unterstellt wird. Politiker, die nicht wüssten, wie Schweine zusammen leben, sich aber in Talkshows über deren angeblich artfremde Haltung mokierten. Das ist Pribbernows Beispiel, jeder Landwirt könnte eigene Geschichten erzählen.

Auf den Höfen sind also pickende Hühner mit reichlich Auslauf zu sehen. In einem großen Stall stehen die Milchkühe Henriette und Lotta, bestaunt und gefüttert von Kindern und geplagt von sirrenden Kleintieren. Eine Mutter erklärt das ihrem Sohn: „Guck, die sind genervt von den vielen Fliegen.“ Ein Stück weiter die in Arpke gesperrte Straße runter reiten Kinder auf Ponys, stolz mit aufgesetztem Reiterkäppi und gesichert an Vaters Hand. Dazwischen Bratwurst, Kaffee und Kuchen, Eiswagen und Traktoren mit Reifen so hoch wie Haustüren. Die Landwirte wollen zeigen, dass Lebensmittel, von denen es überall immer genug und noch viel mehr gibt, nicht von selbst auf Teller und in Supermärkte kommen. Auch Strom kommt aus der Steckdose und Benzin aus dem Tank, aber das ist nur die Oberfläche. Dahinter steckt Arbeit.

Dreissig Kilometer weiter südlich bewirtschaftet Klaus Hahne in Gleidingen 30 Hektar Obstplantagen. Hier wachsen Äpfel, Kirschen, Mirabellen und einige Früchte mehr. Nur Erdbeeren und Heidelbeeren gibt es bei ihm nicht, die bietet ein Unternehmer am gleichen Ort und mit identischem Familiennamen an. Der Tag des offenen Hofes war für Klaus Hahne Gelegenheit, einem interessierten Publikum halbstündige Filme zu zeigen, die er selbst über seinen Obstanbau gedreht hat.

Er ließ eine Drohne über seinen 30 Hektar intensiv bewirtschafteten Plantagen kreisen. Hahne will demonstrieren, dass dieser Obstanbau der Natur nicht schade. „Das sind keine ausgeräumten Landschaften. Wer das von oben sieht, kann davon nicht mehr sprechen.“ Er nutzt Plastikplanen, aber dieselben schon seit 14 Jahren. Manches Obst wird mit Netzen geschützt, aber ohne die Netze müsse er Chemie nehmen. Auf drei Treckern waren am Sonntag Besucher unterwegs, um sich Hahnes Art der Landwirtschaft auf seinen Plantagen erklären zu lassen. „Es ist alles sehr komplex. Es gibt sicherlich schwarze Schafe, aber der Bauer ist immer nur schuld, das finde ich ganz schade.“ Mit einem in der Branche verbreiteten Problem muss sich der Gleidinger Klaus Hahne nicht herumschlagen. Die Zukunft des Betriebs ist gesichert, im Gegensatz zu vielen Kollegen hat er Nachfolger gefunden. Seine beiden Töchter wollen den Obstanbau weiter betreiben.

20.000 Menschen erwartet

Der Tag des offenen Hofes wird vom Landvolk organisiert und findet alle zwei Jahre in ganz Niedersachsen statt. An diesem Sonntag beteiligten sich im Bundesland rund 80 Betriebe. In der Region Hannover machten zehn Landwirte mit, darunter allein sechs aus Lehrte-Arpke. Nach einer Schätzung von Landvolk-Sprecherin Lisa Johannes erwarteten die Veranstalter in der Region rund 20.000 Besucher, etwa 2000 pro Hof, „so ganz genau zählt das keiner“. gum

Von Gunnar Menkens

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