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Aus der Stadt 200.000 Besucher beim Schützenausmarsch in Hannover
Hannover Aus der Stadt 200.000 Besucher beim Schützenausmarsch in Hannover
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22:32 05.07.2009
Von Stefanie Kaune
Die Schützen sind los. Quelle: Michael Thomas

Es klang, als spreche der Anführer einer geheimen Gemeinschaft zu seinen Getreuen. „Wir sind wieder hier – wie jedes Jahr um diese Zeit kurz vor 10  Uhr“, rief da am Sonntagmorgen ein Mann mit schwerer Metallkette um den Hals von der Rathaustreppe. Doch von Geheimnistuerei konnte keine Rede sein: Vor Oberbürgermeister Stephan Weil, zur Feier des Tages mit Amtskette, hatten auf dem Trammplatz gerade die ersten Gruppen des Schützenausmarsches Aufstellung genommen – und wenn Hannovers Schützen und ihre Freunde durch die Straßen ziehen, dürfte das in der Stadt so gut wie keinem entgehen. Die Verabredung für nächste Jahr steht auch bereits wieder: Gleiche Zeit, gleicher Ort, dann kann es losgehen mit dem Schützenausmarsch 2010.

Jetzt aber freute man sich erst einmal über den Ausmarsch 2009. Dazu gab es schließlich jede Menge Anlass, vom Wetter bis zu Festlaune. Rund 200 000 Zuschauer am Straßenrand jubelten den 12 000 Marschierern zu und waren bester Stimmung. Die Sonne schien während der rund vier Stunden Ausmarsch auf die vier Kilometer lange Strecke, ohne dass Aktive und Zuschauer unter einer Hitze wie in den vergangenen Tagen stöhnen musste. Entsprechend meldeten Polizei und Rettungsdienste keine wetterbedingten Sondereinsätze. Auch allgemein gab es nach Auskunft der Polizei seit Festbeginn am Freitag „keine nennenswerten Zwischenfälle“. Erwähnenswert dagegen: die Begleitung, die Schützenpräsident Paul-Eric Stolle auf dem Weg vom Rathaus zum Schützenplatz hatte. Sein fünfjähriger Sohn Mattis marschierte das erste Mal mit und hielt sich tapfer. „Er wollte unbedingt dabei sein“, meinte der stolze Vater. Zwar musste Mattis zweieinhalb Schritte machen, wo Papa einen tat, doch nur einmal kurz wollte er auf den Arm. Auch später, auf der Ehrentribüne in der Bruchmeisterallee, hielt er es lange aus, ehe er mit Oma einen Abstecher auf den Platz machte.

Hannover feiert seine Könige: 12.000 Schützen und andere Teilnehmer waren beim vier Kilometer langen Ausmarsch dabei. 61 Festwagen und Pferdegespanne sind an dem Schützenausmarsch beteiligt.

Politprominenz aus Rat, Land und Bund marschierte hinter Mattis und seinem Vater, die zusammen mit Weil und Repräsentanten des Schützenwesens den Zug anführten. Ministerpräsident Christian Wulff war nicht gekommen, dafür erlebte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ihren ersten Ausmarsch. Sie entschied sich für eine Fahrt in der Pferdekutsche mit Stadtkönigin Karin Alt. Bequemlichkeit sei aber nicht der Grund dafür, versicherte die Ministerin. Sie sei eben eine absolute Pferdefreundin.

Insgesamt waren rund 60 Gefährte auf vier Rädern – Pferdegespanne und Festwagen – im zwölf Kilometer langen Zug unterwegs, dessen erste Teilnehmer immer bereits am Schützenplatz angekommen sind, bevor die letzten am Rathaus losziehen. Da waren Hannover 96 und die Eishockey-Scorpions ebenso mit einem Wagen vertreten wie die Lindener Narren oder die Tischlerinnung, die einen großen Hobel spazieren fuhr. Doch nicht nur die Wagen schafften optische Abwechslung im Schützengrün, sondern auch viele der Gruppen, die zu Fuß unterwegs waren. Zu entdecken waren etwa historische Kostümen vom Mittelalter bis zur Zeit der Welfenkönige. Dazu brachten fröhliche Mariachi-Mexikaner ebenso Stimmung auf den Asphalt wie niederländische Volkstänzer oder die Mitglieder der Tanzsportgruppe des SV Gehrden, die immer mal wieder zwei gelenkige junge Frauen im Spagat mit vereinten Kräften nach oben stemmten. Und selbst ein Schützenausmarsch kommt dieser Tage nicht ohne Michael-Jackson-Double aus.


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All das bekam wie gewohnt den meisten Beifall im Altstadtviertel, wo die Atmosphäre in den Fachwerkgassen am dichtesten ist. Und weil auch die Fernsehleute wissen, wie schön es beim Ausmarsch in der Altstadt ist, übertragen sie immer vom Ballhof aus – was dieses Mal allerdings für eine Zwangspause des Zuges kurz vor der Knochenhauerstraße sorgte.

Um 10.30 Uhr sollte die Übertragung starten, doch die Marschierer waren so schnell, dass die Spitze des Zuges bereits fünf Minuten vor der Zeit dort gewesen wäre. Also wurde gewartet. Damit der Oberbürgermeister anschließend auch im NDR mit Blumensträußen winken konnte.

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