Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Schüler fordern Klassenfahrten zurück
Hannover Aus der Stadt Schüler fordern Klassenfahrten zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:32 21.01.2015
2000 Schüler gehen heute in Hannover auf die Straße: Sie wollen ihre Klassenfahrten zurück. Quelle: Sarah Schumacher
Hannover

„Wir sind hier, wir sind laut - weil man uns die Fahrten klaut“: Gegen 10 Uhr hatten sich bereits etwa 3000 Schüler zu einer Kundgebung auf dem Opernplatz eingefunden - gegen 11 Uhr startete der Zug in Richtung Hauptbahnhof und zum Philologenverband in der Sophienstraße. Auf Plakaten und mit Sprechchören („Boykott ist Schrott“) fordern sie den Stopp des Klassenfahrtboykotts.

Ausgerüstet mit Protestschildern zogen sie von der Innenstadt zum niedersächsischen Kultusministerium. "Lehrer und Politik müssen Lösungen finden, die nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden", sagte Tjark Melchert vom Landesschülerrat. Wegen der Erhöhung der Unterrichtszeit zum Schuljahresbeginn haben viele Gymnasiallehrer aus Protest Klassenfahrten ausfallen lassen. Unter den Demonstranten in Hannover waren auch einige Lehrer, die sich gegen den Boykott ihrer Kollegen aussprechen.

Rund 3000 Schüler haben in Hannover demonstriert. Ausgerüstet mit Protestschildern zogen sie durch die Innenstadt. Wir wollten wissen, warum sie auf die Straße gegangen sind.

Kultusministerin versichert Schülern Unterstützung

Am Kultusministerium sprach eine Delegation des Landesschülerrates mit der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Sie versicherte den Schülern ihre Unterstüztung: „Die Schüler wissen mich an ihrer Seite, wenn es um die Bitte geht, die Klassenfahrten wieder stattfinden zu lassen.“ Es sei bedauerlich, dass diese eingestellt worden seien.  Der Vorsitzende des Landesschülerrates, Helge Feußahrens, fasste die Stimmung unter den Schüler so zusammen: „Jede Generation ohne Klassenfahrten, ist eine verlorene Generation.“

Anschließend überreichten die Schüler eine Unterschriftenliste gegen den Klassenfahrt-Boykott. In der Online-Petition wurden bereits 5400 Stimmen gesammelt, 300 weitere kamen während des Umzugs dazu.

Demonstration nähert sich dem Ende

Der noch um die 2700 Demonstranten starke Zug ist gegen 13 Uhr an der Marktkirche angekommen. Dort waren bis 13.30 Uhr Wortbeiträge zu hören. Einer der Redner, Christian Postl vom Landeselternrat, forderte Land und Lehrer dazu auf, sich zu Verhandlungen an einen runden Tisch zu setzen. „Das Arbeitsverhalten von Land und Lehrern entspricht nicht den Erwartungen“, stellte Postl sein Zeugnis aus. Dazu forderte er eine bessere Vergütung für Lehrer während einer Klassenfahrt. Autofahrer mussten noch bis 14 Uhr mit erheblichen Beeinträchtungungen in der City rechnen.

Schüler demonstrieren in Hannover für Klassenfahrten

Hintergrund für den Protest ist ein Konflikt zwischen dem Kultusministerium und den Gymnasiallehrern. Seit die rot-grüne Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer um eine Stunde auf 24,5 Wochenstunden erhöht hat, weigert sich die Mehrheit der Lehrer, Klassenfahrten durchzuführen.

Streit um Unterrichtserhöhung: Eltern fordern Runden Tisch

Unterdessen fordern Eltern einen Runden Tisch im  Streit um Klassenfahrt-Boykotts und mehr Unterrichtsstunden für Gymnasiallehrer. „Aufgrund der aktuell verfahrenen Lage sehen wir nur die Möglichkeit, über eine Schlichtung zu einer Problemlösung zu kommen“, erklärte der Verband der Elternräte der Gymnasien am Mittwoch.
Lehrer dürften nicht weiter überlastet werden und Klassenfahrten müssten im vollen Umfang stattfinden. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sei aufgefordert, einen von Lehrern und Eltern akzeptierten Schlichter zu bestellen.

Die Erhöhung der Unterrichtszeit für Gymnasiallehrkräfte in Niedersachsen erregt seit Monaten jede Menge Unmut unter Pädagogen und Schülern. Seit Beginn des Schuljahres müssen Gymnasiallehrer 24,5 statt 23,5 Stunden pro Woche unterrichten. Im Vergleich der Länder liegen sie damit im Mittelfeld.

„Direktoren arbeiten mehr als 50 Stunden“

Eine 50- bis 60-Stunden-Woche ist für die Direktoren an niedersächsischen Gymnasien die Regel. Zu diesem Ergebnis kommt der Göttinger Staatsrechtler Alexander Thiele in einem Gutachten, das er für die Direktorenvereinigung erarbeitet und vorgestellt hat. Der Staat habe seinen Beamten gegenüber eine Fürsorgepflicht und könne ihnen nicht immer neue Aufgaben übertragen wie die Auflösung der Orientierungsstufe, die Führung eines Schulgirokontos im Zuge des Ganztagsbetriebs, die Umsetzung der Inklusion, die Organisation diverser zentraler Prüfungen und Tests, Schulinspektion, neue Stundentafeln, eigenverantwortliche Schule, Förder- und Gesundheitskonzepte, die allein seit 2000 hinzugekommen seien.

Andererseits sei das Assistenzpersonal nicht aufgestockt worden. Die Koordinatoren, die den Schulleiter unterstützen, erhielten seit 1992 unverändert fünf Anrechungsstunden für ihre Leitungsaufgaben. Durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer habe sich die Belastung für die Direktoren noch mal verschärft. „Man kann nicht immer noch mehr draufpacken und hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird.“ Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der Direktorenvereinigung und selbst Schulleiter in Göttingen, sagt: „Dauerhafte Selbstausbeutung ist ein Dienstvergehen.“ Zahlreiche Schulleiter hätten bereits beim Land Einspruch eingelegt, wobei dies bislang ohne Reaktion geblieben sei. Der Verband droht mit Überlastungsanzeigen und notfalls auch mit einer Verfassungsklage. Wenn die Direktoren die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche einhielten, drohte der Zusammenbruch der Schule, sagt Thiele.

Direktoren werden nach der Besoldungsstufe A 16 (zwischen 4600 und 5900 Euro pro Monat) bezahlt. Die Arbeitszeit für Beamte liege bei 40 Wochenstunden, sagte Thiele, der jeweilige Verdienst spiele dabei keine Rolle.

sas/dö/ska/no/dpa

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Aus der Stadt Schüler-Demo für Klassenfahrten - Hier wird es heute in der City eng

Autofahrer müssen heute Vormittag und in den Mittagsstunden in der Innenstadt mit erheblichen Verkehrsbehinderungen rechnen. Grund dafür ist ein Protestzug von Schülern, zu dem die Veranstalter vom Landesschülerrat bis zu 5000 Teilnehmer aus ganz Niedersachsen erwarten.

Mathias Klein 14.01.2015
Nachrichten Barsinghausen/Gehrden/Ronnenberg/Wennigsen - Protest: Schüler fordern Klassenfahrten

Etliche Schüler aus Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg und Wennigsen machen am Mittwoch, 14. Januar, in Hannover bei der Demonstration des Landesschülerrats gegen die Absage von Klassen- und Studienfahrten mit. Sie fordern einen Kompromiss zwischen Lehrern und Landesregierung.

13.01.2015

Rund 5000 Schüler wollen am Mittwoch gegen den Klassenfahrtenboykott in Hannover demonstrieren. Tjark Melchert vom Landesschülerrat, erläutert, weshalb die Schüler demonstrieren und warum sie sich jetzt gegen ihre Lehrer wenden.

Saskia Döhner 16.01.2015

Ein Sohn, der seine betagte Mutter aus einem Pflegeheim nach Hause holte und sie dort so stark vernachlässigte, dass sie fast verhungert und verdurstet wäre, hat sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Hannover verantworten müssen.

Michael Zgoll 14.01.2015
Aus der Stadt NDR-2-Plaza-Festival im Mai - Jan Delay näselt auf der Expo-Plaza

Es wird genäselt auf dem NDR-2-Plaza-Festival: Nach den Fantastischen Vier und Revolverheld haben nun auch Jan Delay und Olly Murs für die Open-Air-Party am Freitag, 29. Mai, zugesagt. Damit ist das Programm für den ersten Festivaltag komplett, teilt Veranstalter Hannover Concerts mit.

Rüdiger Meise 14.01.2015

Am Sonnabend schließt die Lehmanns-Filiale in der Georgstraße. Da wird nicht nur ein Ladenlokal abgewickelt: Die Buchhandlung im Drachentöterhaus spiegelt auch die Entwicklung des deutschen Buchhandels. Dennoch geht es Hannovers Buchhandel vergleichsweise gut.

Martina Sulner 16.01.2015