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Aus der Stadt 21 neue Stolpersteine für Hannover
Hannover Aus der Stadt 21 neue Stolpersteine für Hannover
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18:24 26.11.2012
Von Veronika Thomas
Der Bildhauer Gunter Demnig verlegt im Juni neue Stolpersteine in Hamburg. Auch in Hannover wird der Künstler am 4. Dezember 21 weitere Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegen. Quelle: dpa
Hannover

Ruth Gröne erinnert sich noch gut an Michael Umansky und seine Frau Wilma. Neun Jahre alt war die heute 79-Jährige, als sie 1942 mit ihren Eltern denselben Flur mit dem Schauspielerehepaar Umansky im damaligen Judenhaus in der Herschelstraße 31 teilte. „Wir lebten in völlig beengten Verhältnissen, Umanskys hatten ein Zimmer, wir hatten zwei“, erzählte Ruth Gröne, geborene Kleeberg, am Montag im Neuen Rathaus bei der Vorstellung der nächsten 21 Stolpersteine, die am 4. Dezember in Hannover verlegt werden. Lebhaft in Erinnerung ist ihr auch Urmanskys schwarzer Kater Murzi, mit dem sie auf dem langen Flur im Judengetto häufig gespielt habe. „Juden war es strengstens untersagt, überhaupt Haustiere zu halten“, berichtete die 79-Jährige Hannoveranerin.

Bis zur Bombennacht vom 9. auf den 10.  Oktober 1943 lebten das Ehepaar Umansky und Familie Kleeberg Tür an Tür in der Herschelstraße, nach der Zerstörung des Hauses wurden beide Familien in das Ahlemer Judenhaus eingewiesen. „Umanskys wurden in der Scheune auf dem Gelände der ehemaligen jüdischen Gartenbauschule einquartiert, wo es kalt und feucht war“, erinnert sich Ruth Gröne, „Michael Umansky wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet.“ Am 6. Juli 1944 wird er gemeinsam mit Gustav Kahn verhaftet und inhaftiert. Sein Vergehen: Gustav Kahn, ebenfalls Jude, hatte einen Witz erzählt, den Michael Umansky einem Ukrainer übersetzt hatte, der die beiden jüdischen Zwangsarbeiter offenbar denunzierte. Über Stationen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Stutthof bei Danzig stirbt Michael Umansky am 23. November 1944 im Außenlager Hailfingen des KZ Natzweiler im Elsass an Entkräftung – mit 47 Jahren. Vier Monate hatte er das System „Vernichtung durch Arbeit“ ertragen.

Ruth Gröne übernimmt die Patenschaft für Michael Umanskys Stolperstein, der vor dem Wohnhaus in der Podbielskistraße 274 verlegt wird, dem letzten selbst gewählten Wohnort des Mannes, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und durch sie zu Tode kam. Auch Ruth Grönes Vater überlebte seine Deportation nicht. Er starb krank und entkräftet Anfang 1945 im KZ Bremerförde. Nach dem Krieg lebten Ruth Gröne und ihre Mutter mit Michael Umanskys Witwe Wilma noch zehn Jahre im ehemaligen Judenhaus in Ahlem. „Wir hatten viel Kontakt zu Wilma. Auch Kater Murzi hat die Kriegsjahre überlebt“, erzählt die 79-Jährige, die das Künstlerpaar immer bewunderte. „Das waren zwei sehr interessante Menschen.“

Seit 2007 wurden im Stadtgebiet Hannovers 201 Stolpersteine verlegt – von dem Kölner Künstler Gunter Demnig. Die kleinen, zehn mal zehn Zentimeter großen Denkmale – Messingplatten auf einem Betonquader – erinnern an die Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung unterschiedlicher Volksgruppen: Juden, Sinti, Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle und Opfer sogenannter Krankenmorde, darunter psychisch Kranke, die in Todeslagern getötet wurden.

Außer für Michael Umansky werden am 4. Dezember Stolpersteine für die ermordeten jüdischen Mitbürger Ida Danziger (Podbielskistraße 92), Max und Frieda Michelsohn (Podbielskistraße 43) und Klaus Becher (Engelbosteler Damm 2–2A) verlegt. Mit dem Stolperstein für Walter Krämer (Heiliger Straße 16) wird an den politisch verfolgten Kommunisten erinnert. Adam Sewenig (Alte Döhrener Straße 27) wurde nicht nur aufgrund seiner Zugehörigkeit bei den Zeugen Jehovas, sondern als psychisch Kranker ermordet.

Gleich 14 Stolpersteine werden am 4.  Dezember ab 16.25 Uhr in der Röselerstraße 5/7 verlegt – für die Opfer der Sintifamilie Fischer, die bis 1943 in dem ehemaligen Fachwerkhaus in Hannovers Altstadt lebte. „Das wird eine ganz besondere Aktion“, verspricht Karljosef Kreter, Leiter des städtischen Projekts Erinnerungskultur. „Mit Vertretern des Verbandes Deutscher Sinti und einer Musikkapelle.“ Fünf Familienmitglieder, darunter Albert „Dänemann“ Fischer, und Rosa „Kesche“ Fischer überlebten ihre Deportation in die KZs Bergen-Belsen und Auschwitz. Die vierjährige Gisela Fischer und ihre sechsjährige Schwester Dina wurden Opfer von Menschenversuchen in Auschwitz, ihr einjähriger Bruder Werner verhungerte dort.

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