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Aus der Stadt 42-Jähriger gesteht, Jana W. erwürgt zu haben
Hannover Aus der Stadt 42-Jähriger gesteht, Jana W. erwürgt zu haben
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14:25 08.08.2017
Von Michael Zgoll
Am 3. April war die 29-Jährige tot in einem Waldstück bei Seelze-Dedensen gefunden worden. Nun wird der Fall vor Gericht verhandelt.  Quelle: Elsner/Archiv
Hannover

Demnach brachte der gelernte Krankenpfleger die junge Frau aus Bad Nenndorf in seiner Wohnung in der Fridastraße (Oststadt) um, weil sie sich seinen sexuellen Annäherungsversuchen widersetzte. "Es ist ihm unbegreiflich, dass er sie umgebracht hat", erklärte Nitz. I. sei zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen.

Angeklagt ist der in Hilden geborene Mann wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Seit 2010 lebt I. in Hannover, arbeitete sechs Jahre am Nordstadtkrankenhaus und war zum Schluss über eine Zeitarbeitsfirma im Vinzenzkrankenhaus beschäftigt. Möglicherweise war er bei der Tat vermindert schuldfähig.

Einen grausigen Fund hat eine 49-Jährige in Seelze gemacht: Sie entdeckte eine Leiche in einem Wald bei Dedensen.

Wie der Verteidiger sagte, kannten sich Täter und Opfer seit Februar 2015. Es sei seither zu rund einem Dutzend Treffen gekommen, bei denen das Paar jedes Mal miteinander geschlafen habe. Jana W. habe sich eine feste Beziehung gewünscht, was der 42-Jährige jedoch abgelehnt habe.

Am Vorabend des Verbrechens besuchte Christian I. mit Freunden das Fußballspiel Hannover 96 gegen Union Berlin, anschließend trank man etliche Biere. Irgendwann in der Nacht suchte Jana W. den Krankenpfleger in seiner Wohnung auf. Die beiden tranken Wein sowie Tee mit Rum. Irgendwann kurz vor dem Morgengrauen kam es zwischen dem nackten Paar zu Intimitäten, die der Frau aber keinen Spaß machten. Auf ihre Ablehnung, so Verteidiger Nitz, habe sein Mandant mit einem "unerklärlichen Gewaltausbruch" reagiert, habe W. nach eigenem Bekunden mehrfach ins Gesicht geschlagen und dann nur noch "gedrückt, gedrückt, gedrückt". Mit sexueller Lust sei das Erwürgen der Frau in keiner Weise verbunden gewesen.

Opfer in Laken eingewickelt und nach Dedensen gebracht

Laut dem Verteidiger fuhr I. nach einer mehrstündigen "Schockstarre" mit dem Zug nach Bad Nenndorf. Er setzte sich in den gelben Seat der 29-Jährigen, den sie am Bahnhof abgestellt hatte, fuhr in ihre Wohnung und nahm dort ihre Kreditkarte nebst PIN an sich. Er hob 500 Euro von ihrem Konto ab und fuhr zurück nach Hannover. In seiner Wohnung zog er die Tote an, wickelte sie in ein Bettlaken und schleppte sie in das Auto. Auf der Suche nach einem Platz, wo er die Leiche ablegen konnte, landete er schließlich im Seelzer Ortsteil Dedensen. Dort legte er sein Opfer an einem Feldweg nahe dem Mittellandkanal ab, nur notdürftig mit einem Zweig bedeckt.

Das Auto stellte der Mörder nahe der Ludwigstraße am Raschplatz ab. Er fuhr mit dem Zug nach Frankfurt/Main, anschließend mit Zug und Fähre nach England. Laut Anwalt Nitz kaufte er sich ein Zelt und übernachtete an verschiedenen Stellen in Südengland. Am 14. April sei I. bei einer Polizeidienststelle in London vorstellig geworden und habe sich stellen wollen; allerdings sei er fortgeschickt worden, da er gar nicht gesucht werde. Erst nachdem sich sein Mandant am Folgetag telefonisch bei der hannoverschen Polizei gemeldet hatte, hätten ihn die englischen Beamten nach dem erneuten Aufsuchen einer Dienststelle festgenommen. Seit dem 25. April sitzt Christian I. in Deutschland in Untersuchungshaft.

Wer ist Christian I.?

Wie der Verteidiger sagte, hatte I. eine schwere Kindheit. Seine Mutter war bei seiner Geburt 16 Jahre alt, die ersten Lebensjahre verbrachte der Junge in einem Heim. Im Kleinkindalter wurde er adoptiert, doch seine neuen Eltern wurden nach ein paar Jahren geschieden. Anschließend lebte I. in einer anderen Pflegefamilie. Nach dem Abitur in Bad Wildungen absolvierte er seinen Zivildienst und eine Ausbildung zum Krankenpfleger. "Bei Schwierigkeiten neigte mein Mandant schon immer zur Flucht", begründete Nitz einige Auszeiten von I., bei denen dieser oft monatelang an seinem Arbeitsplatz fehlte, sowie seine Reise nach England im April. Den Mord an Jana W. können diese Verhaltensweisen aber sicher nicht erklären.

"Ich kann bei Christian I. keine Persönlichkeitsstörung feststellen, höchstens akzentuierte Persönlichkeitszüge." Das erklärte der psychiatrische Sachverständige Christian Riedemann gestern vor Gericht. Der Angeklagte habe generell Schwierigkeiten gehabt, längere Beziehungen zu führen, habe immer "etwas Besseres" gesucht. Die Zurückweisung durch Jana W. in der Aprilnacht habe er offenbar als "narzisstische Kränkung" empfunden. Doch habe I. nach der Tat sehr überlegt und strukturiert gehandelt, spätestens hier habe sicher kein Affekt mehr vorgelegen. Wie Riedemann erläuterte, könne er nicht ausschließen, dass der Krankenpfleger aufgrund von Alkoholkonsum und Kränkung bei der Tat vermindert schuldfähig war - doch basiere dieses Urteil zum Gutteil auf Angaben des Angeklagten. Aufgefallen sei ihm bei der Befragung von I. auf jeden Fall eine gewisse Gefühllosigkeit und fehlendes Einfühlungsvermögen in Bezug auf Tat und Opfer.

Laut einem Polizeibeamten, der I. nach seiner Festnahme im April vernommen hatte, antwortete  I. auf alle Fragen sehr ausführlich und verschwieg nichts. Allerdings habe ihn gewundert, so der Zeuge, wie "emotionslos" und mit welcher "menschlichen Kälte" der Täter nach der Tötung der jungen Frau agiert habe. So kochte sich der damals 41-Jährige in der Wohnung frühmorgens noch Kaffee, schlief später sogar in dem Bett, in dem er seine Geliebte erwürgt hatte.

Das Opfer Jana R.: Schüchtern und freundlich

Wer war Jana R., die junge Frau, die am 2. April 2017 in Hannover einen gewaltsamen Tod fand? Wie ihre Mutter im Zeugenstand sagte, sei ihre Tochter seit ihrer Kindheit eher schüchtern denn draufgängerisch gewesen. Das hänge wahrscheinlich auch damit zusammen, dass das Kind viele Jahre mit Allergien zu kämpfen hatte. Doch sei "meine Jana" auch immer ehrgeizig gewesen, habe mit guten Schulnoten geglänzt und die Realschule erfolgreich absolviert. Nach ihrer Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin arbeitete das spätere Mordopfer in einigen Apotheken und der Medizinischen Hochschule Hannover; bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen winkte der 29-Jährigen eine Festanstellung. Laut der Mutter, die während des gesamten Verhandlungstages sehr gefasst wirkte, trat ihre Tochter eher unauffällig, aber stets freundlich in Erscheinung. Auch wenn sie mit 16 Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen war, habe sie sich stets "familiär orientiert".

Die 51-Jährige wusste von einigen wenigen Freundschaften mit Männern zu berichten, die Jana geführt hatte. Christian I. habe sie persönlich nur von einem Foto gekannt. Als ihr die Tochter im Nachgang eines Streits mit ihrem Liebhaber einige hässliche Bemerkungen von I. wiedergab, so die Mutter, habe sie gesagt, dass dieser Mann ja wohl nicht der Richtige für Jana sei. Auf welch schreckliche Weise sich dies bewahrheiten sollte, konnte die Mutter damals natürlich nicht ahnen. 

miz

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