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Aus der Stadt Als die Pixel laufen lernten
Hannover Aus der Stadt Als die Pixel laufen lernten
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00:15 19.03.2016
Von Uwe Kranz
Ein Plasma-Minischirm ist einer der Renner auf der Cebit 1986. Boris Becker ist eher der Wegrenner, und die Jugendlichen entdecken in Hannover das Daddeln. Quelle: Archiv
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Hannover

28. Februar: Die Cebit-Macher präsentieren sich rekordlaunig. Hinter ihnen liegt das erfolgreichste Jahr der Hannover-Messe, die Aufteilung in die Sparten Industrie und Computer ist eine logische Konsequenz. Alle blicken auf die große Eröffnungsgala am 11. März.

7. März: Es gibt den ersten Ärger: Für die 1200 erwarteten Eröffnungsgäste im Opernhaus sperrt die Stadt drei Parkhäuser und weist mangels Internet unangekündigt mit Straßenschildern unter der Aegi-Hochbrücke und woanders darauf hin. Geschäftsleute der Innenstadt beschweren sich per Brief bei der Zeitung, sie seien „entsetzt über die Praktiken der Messe AG“. Die HAZ kommentiert: „Starker Tobak.“ Aber das hält die Cebit nicht auf. Die FAZ schwärmt: „Die ganze Welt wird digital.“

10. März: Einen Tag vor dem Start wird noch immer emsig geschraubt an der Messe der Superlative, die HAZ nennt sie das „Wunder von Hannover“ und schwärmt von zweigeschossigen Ständen, dem größten Bildtelefon der Welt und dem Angebot der Bundespost in Halle 6. Am Abend wird Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) die erste Cebit eröffnen.

11. März: Es geht los - mit dem offiziellen Teil: Die „Neue Presse“ titelt preisverdächtig „Die Cebit-Eröffnung - Reden, Rotwein, Damenprogramm“, wobei auch „Programm“ in diesem Fall analog gemeint ist und aus einem Kurt-Schwitters-Abend im Sprengel-Museum besteht, der spät verstanden, dann aber beklatscht wird und die Frau des Niedersächsischen Justizministers feststellen lässt: „So was habe ich noch nie gesehen.“ Beim Herrenprogramm im Opernhaus legt sich Festredner Bangemann nicht nur mit Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU), sondern auch mit Hannovers Über-Bürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) an. Bangemanns politischer Stern beginnt noch am Abend zu sinken, Schmalstieg bleibt locker weitere 20 Cebits im Amt.

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1986. Ein Plasma-Minischirm ist einer der Renner auf der Cebit 1986. Boris Becker ist eher der Wegrenner, und die Jugendlichen entdecken in Hannover das Daddeln.

12. März: Start auf dem Messegelände. 2100 Aussteller, 700 davon aus dem Ausland. Highlights: Ein Plasma-Bildschirm „für den Manager-Schreibtisch“ mit Platz für 24 Zeilen mit je 80 Zeichen Text, flimmerfrei, versteht sich, für ehrliche 6500 Mark. Die Stadt Hannover ist auf der Höhe der Zeit und präsentiert ihren Auto fahrenden Gästen ihre neuen Knöllchencomputer für Politessen, den „elektronischen Tausendsassa“, den die Mitarbeiterin kurz vor Dienstschluss an den Zentralrechner der Stadtverwaltung stöpseln muss, „und schon ist die städtische EDV-Anlage bereit, einen amtlichen Bußgeldbescheid auszuspucken“.

Am frühen Abend glänzt Deutschlands neuer Superstar, Fimpltn-Sieger Boris Becker - zunächst durch Abwesenheit, dann durch einen verspäteten Auftritt beim Unternehmen Philips, für das der Superstar ein total hippes Taschendiktiergerät bewerben soll. Nach handgestoppten 60 Sekunden lässt Becker rund 200 Fans stehen und verzieht sich ans Büfett. Abends moderiert Freddy Quinn in der Niedersachsenhalle die „Internationale Messeshow“ und verrät, dass sein erster Auftritt in diesem Saal 1956 war, einen Tag nach einer Ochsenversteigerung.

13. März: Wer braucht die Cebit? Der Mittelstand! Jeder dritte Betrieb nutzt zwar schon ein Kopiergerät, stellt eine aktuelle Studie fest, aber nur 6 Prozent haben einen Personal Computer. In der Kategorie mit dem schönen Namen Heimcomputer wird eine kleine Revolution vorgestellt: der Amiga 1000. 14-Zoll-Bildschirm, Zwei-Tasten-Maus, Diskettenlaufwerk, alles dran. Kostenpunkt: 3100 Mark. Die Nerd-Generation deutet sich an: Jüngster Aussteller auf der Cebit ist der 17-jährige Marco Börries aus Lüneburg, der mit seinem Textprogramm StarWriter nichts weiter will als Microsoft angreifen. Wer lacht, lacht zu früh: Der StarWriter bildet später die Grundlage für die weltweit geschätzte Microsoft-Alternative OpenOffice, Börries wird ein Star der Branche. Computerinteressierte Promi-Nerds der Cebit 1986 heißen Wim Thoelke, Gert Fröbe und Margot Werner. Beim Coolness-Faktor der Messe ist noch Luft nach oben.

14. März: Das Publikumsverhalten ist typisch deutsch: Die Gäste gehen vor allem in die Hallen, in denen die Cebit auch schon zuvor als Teil der Hannover-Messe war. Andere Hallen liegen laut HAZ „im Besucherschatten“. Birgit Breuel, von der „Neuen Presse“ in offizieller Anrede als „Wirtschaftsminister“ betitelt, bekennt im Interview, vor jeder Messe Lampenfieber zu haben. Apropos Lampe: In Halle 2 wird ein kabelloser Staubsauger mit durchsichtigem Beutel und Neonlampe für dunkle Ecken vorgestellt. Das Beste: „nur 9,4 Kilo“.

15. März: Die Cebit kommt auf Touren! Die HAZ meldet, noch vorsichtig, „teilweise Besucherandrang“ und erste Geschäftsabschlüsse. Das Wochenende der achttägigen Messe lässt die Verantwortlichen hoffen. Es fallen neue Wörter wie „Computer-Kids“, die „wie selbstverständlich mit der komplizierten Tastatur umgehen“. Commodore 64? Pffff! Ein Amiga muss es sein!

In Halle 4 stellen Designstudenten der Fachhochschule ein Fahrrad mit Elektroantrieb vor. Man könnte es E-Bike nennen. Aber wer braucht so was schon?

19. März: Der Andrang wird immer größer. Die 300 000-Besucher-Marke ist geknackt, die Verantwortlichen sind zufrieden, die HAZ konstatiert teileuphorisch: „Cebit-Messe gilt als Erfolg“. Die Anmeldungen für das nächste Jahr trudeln ein, Messechef Klaus Goehrmann favorisiert als Zeitpunkt den kühlen, aber frühen März, auch der warme Mai ist im Gespräch. Eins steht aber schon fest: „Cebit ’87 mit noch mehr Ausländern.“

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