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31 Grundschulleiter fehlen in der Region

Fehlende Bewerber 31 Grundschulleiter fehlen in der Region

Den Grundschulen in der Region Hannover fehlen die Rektoren: Dutzende Schulen haben nur eine kommissarische Leitung – und es gibt kaum Bewerber auf offene Stellen. Manche Standorte sind sogar seit Jahren ohne feste Leitung. Die FDP verdoppelt fordert eine Verdopplung der Funktionszulage als Anreiz.

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Die Grundschule Am Welfenplatz wurde 2014 eröffnet - der Rektorposten ist immer noch vakant.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Grundschulleiter verzweifelt gesucht - 31 Schulen in der Region haben in diesem Schuljahr nur eine kommissarische Führung, weil sich für den Führungsposten kein geeigneter Bewerber fand. Hinzu kommen sieben weitere Schulen, die aber demnächst aufgelöst werden. Manche Standorte sind sogar schon seit Jahren ohne feste Leitung.

Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Björn Försterling hervorgeht, ist dies vor allem ein Grundschulproblem. Landesweit fehlen an 147 Grundschulen die Rektoren. In Hannover suchen die Grundschule Am Welfenplatz, die Commenius- und die Egestorffschule seit mehr als einem Jahr einen neuen Leiter, im Umland sind es die Leinetalschule in Pattensen-Jeinsen, die Theodor-Heuss-Schule in Ronnenberg-Empelde und die Grundschulen Saturnring und Stelingen in Garbsen.

Mitunter gibt es auf Stellenausschreibungen nicht eine Bewerbung, auch nicht in zweiter oder dritter Runde wie bei einer Haupt- und Realschule in Emmerthal (Kreis Hameln-Pyrmont). Dort nutzte nicht einmal eine überregionale Anzeigenkampagne des Schulträgers etwas, auch in persönlichen Gesprächen konnte kein Lehrer überzeugt werden, sich auf die vakante Stelle zu bewerben. Hauptgrund ist für Björn Försterling die viel zu geringe Bezahlung der Schulleiter. An kleineren Grundschulen gebe es oft nur eine Zulage von rund 155 Euro brutto monatlich. Da oft Frauen diese Führungspositionen innehätten, die in der Steuerklasse V seien, blieben am Ende nur ein Plus von 50 Euro und acht oder - bei Ganztagsschulen - neun Anrechnungsstunden übrig. „Das ist und bleibt unattraktiv“, sagt FDP-Bildungsexperte Försterling. Wenn man für diese Gruppe die Besoldung von A 12 Z auf A 13 erhöhe, würde dies im Monat ein Plus von 270 bis 300 Euro brutto jeweils ausmachen und das Land nur 700.000 bis 800.000 Euro kosten.

Unattraktiver Job

Viele Aufgaben, wenig Unterstützung: Seit Jahren fordert der Schulleitungsverband für die Rektoren kleinerer Grundschulen nicht nur eine höhere Funktionszulage, sondern auch eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung. Mehr als zwei Stunden täglich, also zehn in der Woche, sollte ein Schulleiter nicht im Klassenzimmer stehen, weil sonst die Zeit für Leitungsaufgaben fehle. Der Rektor an kleinen Grundschulen ist nicht nur Schulleiter, sondern oft auch noch Sekretär und Hausmeister in einer Person. Einen Stellvertreter gibt es für den Rektor meist ohnehin nicht. Das Verteilen von Toilettenpapier kann genauso zum Aufgabenfeld des Schulleiters gehören wie die Begutachtung klemmender Fenster, Gespräche mit Eltern, Reinigungskräften und Praktikanten sowie Unterrichtsbesuche, Konferenzen und die Entwicklung von Konzepten aller Art. Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage sind keine Seltenheit, Burn-outs leider auch nicht. Ein fester Stellvertreter für jeden Rektor könne Abhilfe schaffen, meint der Schulleitungsverband.

Das Kultusministerium hält dagegen, dass man nicht nur die Besoldung für eine bestimmte Gruppe erhöhen dürfe, sondern das beamtenrechtliche Abstandsgebot beachten müsse. Demnach müsste es auch mehr Geld für andere Funktionsträger geben. Dafür müsste das Land jährlich 10,5 Millionen Euro aufwenden. „Das ist das traditionelle Standesdenken, mit dem wir hier nicht mehr weiterkommen“, kommentiert Försterling die Haltung des Landes, „stattdessen müssen wir schauen, wo Verantwortung übernommen und getragen wird und auch entsprechend honoriert werden muss.“

Warum eine Leitungsstelle unbesetzt bleibe, lasse sich nicht monokausal erklären, heißt es vonseiten des Kultusministeriums. Es gebe eine ganze Reihe von Gründen: Mal gehe ein Rektor ins Ausland oder vorzeitig in Rente, werde krank oder bewerbe sich auf eine andere Leitungsstelle. Manchmal sei einfach auch der Standort ungünstig.

Kultusministerium weist Kritik zurück

Das Land tue schon eine ganze Menge, um den Job attraktiver zu machen. An den kleinen Ganztagsschulen und Förderschulen sei die Unterrichtsverpflichtung für Rektoren gesenkt worden, die Schulleiter bekämen Hilfe und Unterstützung aus der Landesschulbehörde. Im Fachbereich Service seien dafür eigens 120 Stellen geschaffen worden. Diese seien nicht nur für die Grundschulen, sondern für alle 3300 Schulen im Land zuständig, bemängelt Försterling. „Rein rechnerisch ergeben sich bei 40 Arbeitsstunden pro Woche der 120 zusätzlichen Mitarbeiter also 1,45 Arbeitsstunden pro Schule. Da die Niedersächsische Landesschulebehörde aber sowieso schon landunter verzeichnete, kommen nicht mal diese Stunden in den Schulen an.“

Das Kultusministerium weist die Kritik zurück. Noch vor den Sommerferien werde man alle Lehrer, auch die Schulleiter, online danach befragen, welche Tätigkeiten sie besonders belasteten und welche Form der Entlastung sie sich vorstellten. Die FDP im Landtag erneuerte ihre Forderung nach einer echten wissenschaftlichen Arbeitzeiterhebung.

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In der Region Hannover sind zahlreiche Rektorenstellen an Grundschulen vakant. Der Schulleitungsverband fordert deshalb, dass kein Rektor unter A 14 verdienen sollte. „Wir wünschen uns, dass unsere Arbeit endlich wertgeschätzt wird“, sagt Verbandschef Frank Stöber.

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