Bei Heidi Bormann steht es noch unentschieden. Einerseits möchte sie liebend gern zum Kleinen Fest, zumal das 25-jährige Jubiläum des Kleinkunstspektakels mit üppigem Programm ansteht. Andrerseits möchte ihr Mann unbedingt das WM-Halbfinale Deutschland gegen Spanien gucken. Nun wollen beide die Entscheidung Dritten überlassen: Am Eingang des Großen Gartens versuchen sie, eine Stunde vor Festbeginn ihre Tickets zu verkaufen. Findet sich ein Abnehmer, geht es zurück nach Springe. Findet sich keiner, bleiben die Bormanns gemeinsam in Herrenhausen. Nicht nur sie sind am Premierenabend hin- und hergerissen. So manchem unter den 3300 Gästen ist die Entscheidung für das Fest und gegen den Fußball nicht leicht gefallen.
Nach den vielen Bollerwagen mit Proviant zu urteilen, die am Mittwoch auf den Kieswegen unterwegs sind, bleiben die überzeugten Fest-Fans, die sich auf einen längeren Abend mit den 145 Künstlern aus 15 Nationen einstellen, aber deutlich in der Überzahl. Wie Bernd Schröder: „Ich bin doch schon dreimal Weltmeister geworden, jetzt gibt es nur Wiederholungen“, scherzt der 58-Jährige in Anspielung auf die Titelgewinne der deutschen Elf 1954, 1974 und 1990. Über die Zwischenstände in Südafrika will er sich trotzdem an den Gastronomieständen im Garten informieren. Public Viewing wollte Festorganisator Harald Böhlmann nicht zulassen.
Familie Funke zieht daraus die Konsequenz – und tritt nach einem Schnelldurchlauf beim Kleinen Fest um 20 Uhr den Heimweg an, um pünktlich vor dem Fernsehgerät zu sitzen. Oberbürgermeister Stephan Weil und Regionspräsident Hauke Jagau, Ehrengäste des Festes, wollen nicht öffentlich preisgeben, wie sie sich beim Thema Fußball im weiteren Verlauf des Abends verhalten werden. „Es gibt ein Recht auf Schweigen“, meint der als Fußballfan bekannte Weil salomonisch. Wie auch immer – über einen besonders großen Ball können sich alle Festbesucher freuen: Zum Abschluss jedes Abends steigt im Jubiläumsjahr eine leuchtende Heliumkugel der Gruppe „Heliosphere“ in den Abendhimmel auf.
Das Kleine Fest läuft vom 8. bis 26. Juli. Für jede der 16 Aufführungen gibt es 200 Karten an der Abendkasse.
Juliane Kaune
HAZ.de Anmeldung
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Kommentare
Dumm gelaufen heinz1 – 08.07.10
Ich hätte wohl doch "Achtung Ironie" darüber schreiben sollen. (Ich hatte einen früheren Kommentar eines Herrenhausener Feuerwerksgegners zitiert).Nun ja, so ist es aber, wenn Diskussionen mit so viel Herzblut geführt werden...
@heinz1 wue – 08.07.10
Sie haben GENAU erfasst, worum es beim Kleinen Fest geht und was die Leute daran schätzen. Vielen Dank für diese pointierte Information. Und viel Spaß auf Schicht!Es gibt eben Menschen... Carsten – 08.07.10
die in punkto Freizeitgestaltung nicht differenzieren können. Und für einen Herrn heinz1 gibt es offenbar nur eine sinnvolle Beschäftigung: grantelnd vorm Fernseher sitzen und missmutig feststellen, dass man selbigen beim Feuerwerk zwei Stufen lauter stellen muss. Jede andere Form der Freizeitgestaltung ist in seiner beschränkten Welt offenbar mit saufen und gröhlen verbunden.Ganz nebenbei auch mal etwas positives: durch solche Artikel steigt die Vorfreude. :-) Bin am 16.7. dabei.
Kommentare auf haz.de Isi – 08.07.10
Ich bin immer wieder erstaunt über die Qualität der Kommentare auf haz.de. Gibt es nicht bei bild.de oder der Neuen Presse auch ein Kommentarfunktion? :-)Schön, dass sich die Anwohner über die gröhlenden Bollerwagenfahrer vom 'Kleinen Fest' aufregen. Dann kann es ja mit den vielen Feuerwerken in den Gärten nicht so ein Riesen-Problem sein, oder?
Neee, war eine schöne Veranstaltung (auch mit Rucksack statt Bollerwagen).
Vielleicht kam das Gröhlen von den heimkehrenden Fußballfans? :-)
*tröööt*
Bollerwagenterroristen heinz1 – 08.07.10
Da ziehen Sie wieder mit ihren Bollerwagen gröhlend und besoffen durch Herrenhausen und machen den Anwohnern, die alle am nächsten morgen früh 'raus zur Schicht müssen, die Nacht zur Hölle!