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Aus der Stadt 35.000 Zuhörer kommen zu "Swinging Hannover"
Hannover Aus der Stadt 35.000 Zuhörer kommen zu "Swinging Hannover"
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00:15 08.05.2016
Von Saskia Döhner
Jazz und Swing vom Feinsten auf dem Trammplatz. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Am Ende eines sonnigen Himmelfahrts-Jazztags lässt die Jazzkantine es noch einmal richtig krachen auf dem Trammplatz. Zehntausende Hände gehen hoch, Zehntausende Knie wippen – diese Musik geht in die Beine. Morgens hatte es „Oh happy day“ vom Gospelchor gegeben, jetzt zum Abschluss knallen fette Beats.

Eingängige Bläsermelodien und flüssig gereimte Raps sind seit 1994 das Markenzeichen der Braunschweiger Jazzkantine. „Wir sind noch lange nicht satt“, singen sie, und die Zuschauer nicken im Takt mit. Hauptsache, der Hut sitzt, und die schwaz-weiß-gemusterten Schuhe blitzen – die Musiker sind nicht nur gut, sie sind auch gut angezogen. „Schönen Vatertag, verehrte Gäste – und von allem nur das Beste“, rappen sie weiter. Das ist nicht zu viel versprochen. Da gibt’s auch reichlich Applaus für die Funk-Version von AC/DCs „Highway to Hell“. Hannover ist eben nicht nur Jazz-, sondern auch Hardrock-Hochburg. Musikstile mischt die Jazzkantine munter durcheinander, englische und deutsche Texte auch.

Himmelfahrt ist in Hannover der Tag des Jazz: Auch an diesem Feiertag werden wieder Zehntausende Zuhörer zum Jazzfest am Trammplatz erwartet.

35 000 Besucher hat „Swinging Hannover“ in diesem Jahr gelockt, schätzen die Veranstalter. Eingefleischte Jazzfans sind ebenso dabei wie Familienausflügler und Vatertagstourer. Was viele eint: Sonnencreme. Wer nicht vorgesorgt hat, bekam an diesem ungewöhnlich schönen Himmelfahrtstag zur Musikdröhnung einen Sonnenbrand dazu.

Der Auftritt des Gospelchors, der nach dem Gottesdienst in der Marktkirche zum Trammplatz zieht, gehört seit zehn Jahren zum festen Programm, begleitet werden die Sänger vom Pianisten Lutz Krajenski. Seit 50 Jahren gibt es den Jazzclub, seit 49 Jahren die musikalische Himmelfahrtssause vor dem Rathaus, seit zwölf Jahren sponsert Enercity „Swinging Hannover“ – und wird dies auch mindestens noch weitere drei Jahre tun, wie Bürgermeister und Jazzclub-Chef Thomas Hermann stolz verkündet.

„Wer einen Beweis dafür braucht, dass Hannover City of Music ist, der muss nur zum Trammplatz kommen“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok. Im vergangenen Jahr hat die Stadt als eine von neun Städten weltweit den Unesco-Titel verliehen bekommen. „Die Stadt ist voller Musik“, frohlockt Schostok. 

Einer der Stars ist an diesem Tag Trompeter Nils Wülker, der bereits um 11 Uhr am Trammplatz auftritt. Er staunt kurz über das schöne Ambiente, dann startet seine Band mit groovigen Sounds. Viele Stücke seines Albums „Up“ aus dem letzten Jahr sind dabei, aber auch ältere Songs.

Moderne europäische Musiker wollten die Organisatoren des Jazzclubs dieses Mal bieten, schließlich werde Jazz viel zu oft mit den USA verbunden. Das Konzept scheint aufzugehen. „Ist das zu funky für Hannover?“, ruft Jan Dettwyler, und promt schallt dem Sänger der Schweizer Jazzformation „Seven“ ein zehntausendfaches Nein entgegen. Der 37-Jährige bringt die Menge schon ab den ersten Tönen seines Auftritts in Stimmung. 

Links vor der Bühne hat sich Klein-Italien versammelt. Hier spricht man italienisch, kann auch perfekt Deutsch. Die 33-Jährige Raffaella ist Mario-Biondi-Fan „seit der ersten Stunde“, wie sie sagt. Sie ist zusammen mit ihrer Mutter Anna Maria und Schwester Maria Alessandra zu „Swinging Hannover“ gekommen. Biondi, der von Ray Charles inspirierte Sänger mit der rauchig-kehligen Stimme, der in seinem Jeans-Overall eher an einen Handwerksmeister als an einen Musiker erinnert, hat das Publikum schnell auf seiner Seite. Melodien zum Wegträumen wie zuvor schon beim Auftritt des Trompeters Nils Wülker – ein volles Programm für ein glückliches, zufriedenes Publikum in Hannover.

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