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Aus der Stadt 400 Schulkinder zappeln für die MHH
Hannover Aus der Stadt 400 Schulkinder zappeln für die MHH
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00:16 12.04.2017
Von Bärbel Hilbig
Laufen für die Wissenschaft: Grundschulkinder aus dem Groß-Buchholzer Kirchweg beim Bewegungsprogramm des Rebirth-Projekts. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Fast eine Viertelstunde mussten die Zweitklässler Isabelle und Marek noch still sitzen, bis Sabrina Baig ihren Blutdruck gemessen hat. Aber langweilig kam das den beiden Achtjährigen gar nicht vor - eher spannend und aufregend. Unmittelbar vor den Osterferien hat ein ganzes Team von Fachleuten die Zweitklässler an der Grundschule Groß-Buchholzer Kirchweg untersucht: Lungenfunktion, Ultraschall an Herz und Gefäßen, Fitness und sogar die Zähne. Die Tests sind Auftakt für eine Studie zu Gesundheit und Bewegung, die das stundenlange Stillsitzen im Unterricht ein für allemal beenden könnte.

Training verjüngt Muskelzellen

Längst ist wissenschaftlich belegt, dass Ausdauertraining die Fähigkeit zur Zellerneuerung unterstützt und damit Krankheiten vorbeugt. „In der Petrischale verjüngen sich Muskelzellen durch Training“, berichtet Herzspezialist Professor Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Eine Studie mit MMH-Mitarbeitern, die ein halbes Jahr lang täglich 30 Minuten Rad gefahren sind, hat die Beobachtung bestätigt. Im Alltag aber setzt sich dieses Wissen allzu selten durch.

Künftig eine Stunde Bewegung

Die Wissenschaftler wollen deshalb an mehreren Schulen ein Trainingsprogramm einführen und zwei Jahre lang die Wirkung auf die Gesundheit messen. „Wir wollen erreichen, dass die Kinder sich eine Stunde am Tag zusätzlich bewegen - verteilt auf Unterricht und Pausen“, sagt Professor Uwe Tegtbur, Leiter des MHH-Instituts für Sportmedizin. Die Sportwissenschaftler haben Bewegungsspiele ausgearbeitet und schulen die Lehrer darin. Sie kooperieren dabei mit dem Programm Bewegte Schule Niedersachsen.

Zum Beispiel dürfen die Schüler künftig mitten in der Stunde auf ein Zeichen der Lehrer plötzlich „Tollkirsche“ spielen. Sie zappeln, springen und bewegen sich so verrückt wie möglich. „Die Kinder dürfen total ausflippen, und auf ein Signal frieren sie in der Bewegung ein“, sagt Lena Grams. Dabei sollten die Schüler einen Puls über 170 erreichen. „Wenn wir das nicht schaffen, legen wir eine Minute drauf“, sagt Tegtbur. Bei den verschiedenen Übungen gehe es um Koordination, Ausdauer, Kraft oder Schnelligkeit. Auch die Lehrer bekommen - auf freiwilliger Basis - eine Untersuchung und ein eigenes Trainingsprogramm.

Forschung soll Früchte tragen

Alle zweiten Klassen der Grundschule Groß-Buchholzer Kirchweg, dazu der fünfte Jahrgang der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kronsberg sowie drei Schulen im Kreis Lippe machen bei dem Sportprogramm mit. Um die Wirkung zu messen, startet zunächst nur die Hälfte der Klassen mit dem Bewegungsprogramm. Die Vergleichsgruppe beginnt erst ein Jahr später. Getestet wird sogar, inwieweit Bewegung sich positiv auf die Zahngesundheit auswirkt.

An den Untersuchungen nehmen nur diejenigen der rund 400 Kinder teil, deren Eltern zugestimmt haben. „Bei uns sind die meisten Eltern begeistert und absolut von der Sache überzeugt“, berichtet Grundschulleiterin Nadine Dreyer.

Für Haverich steht die neue Studie in Zusammenhang mit dem Forschungsverbund Rebirth, den er koordiniert. In dem Exzellenzcluster werden Antworten in der regenerativen Medizin gesucht. „Wir haben zehn Jahre geforscht. Nun muss etwas in der Bevölkerung ankommen.“

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