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Stadt lässt 400 Straßennamen untersuchen

Mögliche Nazi-Verstrickung Stadt lässt 400 Straßennamen untersuchen

Hinrich Wilhelm Kopf? Karl Elkart? Heinrich Tramm? Arthur Menge? Paul von Hindenburg? Hannover lässt jetzt gezielt von Historikern überprüfen, ob Personen in Nazi-Machenschaften verstrickt waren, die auf Straßenschildern, mit Ehrengräbern oder Schulbenennungen geehrt wurden.  

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Die Stadt lässt 400 Straßennamen auf ihre Nazi-Verstrickung überprüfen. Hinrich-Wilhelm Kopf hatte die Öffentlichkeit lange über seine wahre Verstrickung in den Nationalsozialismus getäuscht.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Hannover lässt 400 Biografien gezielt von Historikern auf Nazi-Verstrickungen oder Verstöße gegen die Menschenwürde überprüfen. Es geht um die Namen all derer, denen in Hannover besondere Ehre zuteil wird – sei es auf Straßenschildern, mit Ehrengräbern oder Schulbenennungen. Kulturdezernentin Marlis Drevermann glaubt nicht, dass es zu einer Umbenennungswelle kommt. „Wir wollen aber differenzierte und wissenschaftlich fundierte Diskussionen führen“, sagt sie.

3497 Straßennamen gibt es in Hannover. 1372 Straßen sind nach Personen benannt, von denen wiederum etwa 400 in der Zeit des Nationalsozialismus volljährig waren. Die Stadt will sichergehen, dass sie nicht immer wieder von Nachrichten über Verstrickungen einzelner Personen in Unrechtshandlungen überrascht wird. Zuletzt war das bei Hinrich Wilhelm Kopf der Fall. Der ehemalige Landtagspräsident hatte die Öffentlichkeit lange über seine wahre Verstrickung in den Nationalsozialismus getäuscht. Nach ihm sind der Platz vor dem Landtag und eine Schule in Kleefeld benannt.

Verschwindet Kopf jetzt von den Schildern? Drevermann und Karljosef Kreter, Leiter des Projekts Erinnerungskultur, wiegeln ab. In diesem speziellen Fall wolle man die Entscheidungen der Historischen Kommission und des Landes abwarten. Und grundsätzlich wolle man differenziert vorgehen. „Bei Schulen finde ich schon, dass der Name eindeutig frei von Verstrickungen sein sollte“, sagt Drevermann. Bei Straßen hingegen sei es möglicherweise richtig, ein Zusatzschild zu montieren, das auf historische Problematiken hinweist.

Eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten im Rathaus begleitet die Arbeit der Historiker, ein Beirat steht ihr zur Seite. Es werde am Ende ein Kompendium an Empfehlungen geben, sagt Drevermann. Entscheiden kann die Stadt nur bei den Ehrengräbern, Stadtplakettenträgern oder etwa Namen von Freizeitheimen. Für Straßennamen sind die Bezirksräte zuständig, Schulen entscheiden autark.

Etwa ein Jahr lang wird die Überprüfung dauern, die Stadt rechnet mit Kosten von 100.000 Euro. Gezielt wird in Archiven nach Unterlagen gesucht. Während etwa im Fall von Hinrich Wilhelm Kopf die Ermittlungen dank einer aktuellen Dissertation abgeschlossen sind und es nun eher um eine Bewertung geht, müssen viele Biografien erstmals von Historikern untersucht werden. Man werde ein Raster entwickeln und zunächst Mitgliedschaften in NSDAP, SS oder SA abfragen, sagt Kreter. Wenn es keine weiteren Auffälligkeiten gebe, werde wohl nicht weiter nachgeforscht.

Der Verwaltungsausschuss des Rates muss entscheiden, 2014 soll das Projekt starten. Drevermann sagt, man dürfe nicht zu lange warten. Ob die Überprüfung später auch auf Namensgeber aus früheren Jahrhunderten ausgedehnt wird, ließ Drevermann am Freitag offen.

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Der Plan der Stadt, 400 Straßennamen auf mögliche Verstrickungen der Namensgeber in die Nazigräuel zu untersuchen, hat ein sehr unterschiedliches Echo ausgelöst. Während zahlreiche HAZ-Leser sich in Zuschriften eher ablehnend äußern, begrüßen die kulturpolitischen Sprecher der wichtigsten Ratsfraktionen den Vorstoß von Marlis Drevermann.

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