Am Freitag teilte die Vergabekammer in Lüneburg mit: „Die Ausschreibung verstieß gegen das Transparenzgebot." Bei der Üstra sieht man das nach Angaben von Sprecher Udo Iwannek anders, hat aber noch nicht entschieden, ob man der Anordnung aus Lüneburg Folge leistet oder vor dem Vergabesenat des Oberlandesgerichtes in Celle Einspruch erhebt.
In jedem Fall wird die Entscheidung vom Freitag dazu führen, dass die ersten neuen Stadtbahnen nicht wie geplant 2012 in Hannover anrollen, sondern erst im folgenden Jahr. Mit den Zügen des Typs TW 3000 will die Üstra nach und nach die grünen Stadtbahnen ersetzen, die nach 30 Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Sie sollen sich im Design an die Silberpfeile anlehnen, aber behindertengerechter sein und durchgängig mit Fahrgastfernsehen, Videoüberwachung und Klimaanlage ausgestattet werden.
Der Auftrag wurde europaweit ausgeschrieben und gilt innerhalb der überschaubaren Herstellerbranche als lukrativ: Wer den Zuschlag für die 50 Wagen erhält, dürfte auch beim Rennen um weitere 96 die Nase vorn behalten, die sukzessive von 2014 an gekauft werden sollen. Damit geht es um ein Gesamtvolumen von rund 400 Millionen Euro.
Über die Namen der Bieter und über Zahlen schwiegen sich die Beteiligten gestern aus. Nach Informationen der HAZ rangeln drei Kontrahenten. Der Auftrag sollte demnach an ein Konsortium unter Führung von Alstom gehen, das in Salzgitter produziert und gemeinsam mit Siemens schon die Silberpfeile produziert hat. Der Einspruch vor der Vergabekammer stammt angeblich vom weltweit aktiven kanadischen Konzern Bombardier. Dritter im Bunde ist angeblich ein zweites Konsortium unter Führung der Schweizer Firma Stadler.
Für die Auftragsvergabe will die Üstra nicht allein den Preis zum Maßstab machen, sondern auch Kriterien wie beispielsweise Energieverbrauch, Leergewicht und Zuverlässigkeit. Letzteres zielt auf die Wartungskosten ab. Alles zusammen fließt mit unterschiedlichen Gewichtungen in ein Punktsystem ein. „Den Bewerbern sind wesentliche Bewertungskriterien vorenthalten worden“, rügte die Vergabekammer.
Die Üstra bestreitet dies und lässt Details von ihren Juristen prüfen. Ob sie nun in die höhere Instanz zieht oder neu vergibt, ist von den zeitlichen Auswirkungen her gehupft wie gesprungen: „Beides nimmt etwa drei Monate in Anspruch“, sagt Iwannek. Kommt es zu einem neuerlichen Bieterwettstreit, erwarten Insider vor allem eines: Der Preiswettkampf zwischen den Kontrahenten dürfte sich noch verschärfen.