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Aus der Stadt 600 Jahre alte Nüsse faszinieren Forscher
Hannover Aus der Stadt 600 Jahre alte Nüsse faszinieren Forscher
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00:22 17.07.2014
Von Bernd Haase
Bezirksarchäologe Friedhelm Wulf mit einem mittelalterlichen Krug, dessen Inhalt ist noch nicht genau untersucht ist. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Wenn sich Außergewöhnliches tut, kann man auch mal starke Bilder wählen. „Wir haben das Tor zum Mittelalter durchschritten“, sagt Friedhelm Wulf, Bezirksarchäologe vom Landesamt für Denkmalschutz. Das Tor liegt in diesem Fall auf der von der Altstadt aus betrachtet anderen Leineseite. Wo sich früher die Flussinsel befand wird jetzt gegraben. Mittlerweile sind die Arbeiter in einer Tiefe von fünf Metern angelangt. „Die Siedlung auf der Leineinsel wird 1320 das erste Mal erwähnt. Vermutlich ist sie aber noch 100 Jahre älter“, sagt Wulf und berichtet, dass die Funde „alle Erwartungen übertroffen“ hätten. Die waren ohnehin nicht gering, denn nie zuvor ist an historischer Stelle in Hannover tiefer gegraben worden.

Was die Archäologen ins Schwärmen bringt, sieht von der Schlossbrücke aus zunächst einmal unspektakulär aus. Stumpen aus Eichenholz ragen aus lehmigem Boden. „Es ist die älteste Uferbefestigung, die es an dieser Stelle gab“, sagt Grabungsleiter Kai Gößner. Damit liegt der Wall mindestens 50 Zentimeter unter dem heutigen mittleren Wasserpegel der Leine, die sich früher auch im Stadtgebiet noch schlängeln durfte. Eine Spundwand schützt die heutige Baustelle vor den Flussfluten.

„Wir haben das Tor zum Mittelalter durchschritten“: Bei den Grabungen am Leineufer sind die Arbeiter in einer Tiefe von fünf Metern angelangt.

Durch sogenannte Feuchtkonservierung haben sich dort auch Materialien erhalten, die sonst längst verrottet wären - die Balken der früheren Uferbefestigung etwa. „Man hat eine Doppelreihe aus Pfählen gesetzt, dazwischen Weiden und Haselnussruten gesteckt und das Ganze mit Lehm und Kies aufgefüllt“, schildert Gößner. Die aufwendige Konstruktion deutet darauf hin, dass es in der eigentlichen Altstadt auf der Ostseite des Leineufers schon im Mittelalter Probleme gab, die Stadtbewohner noch heute kennen - Wohn- und Nutzraum sind knapp.

Bisher hatten die Handwerker auf der Baustelle schon einen Kellerraum aus dem 16. und einen Kachelofen aus dem 18. Jahrhundert im Untergrund freigelegt. Jetzt finden sie in den tieferen Schichten das, was dort zuvor war. „Wir sind mittlerweile sicher, dass sich dort im 14. Jahrhundert mindestens drei Handwerksbetriebe befanden“, berichtet Gößner. Die Schlacke, die seine Leute gefunden haben, zeigt, dass es dort Metallverarbeitung gab. In Feinarbeit wurden zudem Schuhsohlen und Riemen freigelegt; nebenan arbeitete also ein Ledermacher. Der dritte Handwerker hat Hörner und Geweihe verarbeitet, etwa zu Knöpfen oder Messergriffen.

Manchmal wirkt es für Laien putzig, was am Leineufer passiert - etwa dann, wenn Bezirksarchäologe Wulf profane Walnussschalen zeigt, verpackt in einen Plastikbeutel mit akribischer Aufschrift. „Die sind 600 Jahre alt“, sagt er. Füge man andere Funde wie etwa Eierschalen oder Beerenkerne hinzu, ergäben sich Aufschlüsse über Ernährungsgewohnheiten der Altvorderen. Rätsel gibt den Archäologen allerdings ein Lederstück mit Buntmetallapplikationen auf. „Wir haben bisher keine Ahnung, wozu das gut gewesen sein könnte“, sagt Wulf. Jetzt will man sich Bilder von Albrecht Dürer aus dieser Zeit näher ansehen. Vielleicht hat der Meister etwas gemalt, was Aufschluss bringt.

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