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63 Prozent der Pflegeheime haben Mängel

Prüfberichte für die Region Hannover 63 Prozent der Pflegeheime haben Mängel

Fast zwei Drittel der Pflegeheime in der Region Hannover weisen Mängel in entscheidenden Punkten wie Nahrung oder medizinischer Versorgung auf. Das hat das Recherchezentrum Correctiv anhand offizieller Prüfberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen ermittelt.

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63 Prozent der 237 Pflegeheime in der Region Hannover erreichen nicht die volle Punktzahl.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Die Pflegeheime in der Region Hannover sind nicht so gut, wie die offiziellen Noten glauben machen. Zu diesem Ergebnis kommt das Recherchezentrum Correctiv, das die Transparenzberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) analysiert hat. Correctiv bezeichnet sich selbst als erstes gemeinnütziges Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Das Portal wird unter anderem getragen von der Essener Brost-Stiftung, der Rudolf-Augstein-Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Prüfungen des MDK stehen seit Längerem in der Kritik, weil vor allem die Dokumentation der Pflege geprüft wird - und nicht deren Qualität. Sozialministerin Cornelia Rundt fordert, dass verschiedene Fragen endlich nach ihrer Bedeutung gewichtet werden müssten. Die Bundesregierung habe alle Beteiligten bereits aufgefordert, neue Vereinbarungen zur Darstellung der Qualität der Pflege zu schließen: für den stationären Bereich bis Ende 2017, für den ambulanten bis Ende 2018.

Die derzeitigen Noten des MDK sind Correctiv zufolge oft zu gut. In einer aufwendigen Recherche hat man nun das Datenmaterial neu ausgewertet und sich auf die wichtigsten der 77 Kriterien konzentriert: Nahrungs- und Flüssigkeitsversorgung, Behandlung von Schmerzen und Wunden, Inkontinenzversorgung, Umgang mit Medikamenten und ärztlichen Anordnungen.

Checkliste: Daran erkennt man ein schlechtes Heim

  • Das Gebäude ist in einem schlechten Zustand.
  • Die Einrichtung wirkt kalt, mehr Krankenhaus als Zuhause.
  • Das Heim sieht dreckig aus. Es riecht nach Urin oder Kot.
  • Die Betten oder Stühle sind ständig nass.
  • Das Essen schmeckt nicht und ist nicht ausgewogen. Es riecht trotz Essenszeit nicht nach Essen.
  • Das Essen steht kalt auf dem Tisch oder Nachttisch und wurde nicht angereicht.
  • Das Personal ist unfreundlich. Sie haben den Eindruck, dass die Pfleger unmotiviert oder gestresst sind. Und Sie haben keinen verbindlichen Ansprechpartner.
  • Bewohner müssen sehr lange warten, wenn sie Hilfe benötigen – zum Beispiel beim auf die Toilette gehen.
  • Es gibt kaum Beschäftigung für die Bewohner, die nicht aus ihren Zimmern kommen oder lustlos herumsitzen.
  • Es gibt keine oder nur wenige Betreuungskräfte oder ehrenamtliche Helfer.

Die Auswertung zeigt: 63 Prozent der 237 Pflegeheime in der Region Hannover erreichen in den fünf entscheidenden Kategorien in den Prüfungen des MDK nicht die volle Punktzahl. Heime in der Region fallen bei medizinischer Versorgung, Nahrungsversorgung und Schmerzversorgung auf, liegen mit den Werten aber im landes- und bundesweiten Vergleich im Mittelfeld. Bei der medizinischen Versorgung und der Befolgung ärztlicher Anordnungen hatten zwei von drei Heimen ein Problem, bei Nahrungsversorgung und dem Umgang mit Schmerzpatienten erreichte fast jedes dritte Heim nicht die volle Punktzahl.

Ein Platz in einem Pflegeheim im Raum Hannover ist im bundesweiten Vergleich relativ günstig. Im Schnitt zahlen Bewohner mit Pflegestufe drei pro Monat 2815 Euro. Das sind rund 150 Euro mehr als im Rest von Niedersachsen, aber fast 200 Euro weniger als im Bundesschnitt. In mehr als einem Dutzend Heime in der Region kostet ein Monat Pflege in der Pflegestufe 3 aber mehr als 3000 Euro.

Wer einen Heimplatz in der Region sucht, muss nicht lange warten. In Hannover waren bei der letzten Erfassung durch das statistische Landesamt vor gut zwei Jahren etwa 8 Prozent aller Betten frei, fast 1200. Das ist vergleichsweise viel, in Niedersachsen waren zum selben Zeitpunkt anteilig nur etwa halb so viele Betten frei. Im Schnitt sind die hannoverschen Heime 21 Jahre alt - auch das liegt im Bundes- und Landesschnitt. Im Schnitt verfügen sie über 76 belegte Betten.

Rund 40 Prozent der Betten standen zum Zeitpunkt der Erhebung 2013 in Mehrbettzimmern. In Baden-Württemberg soll es ab 2019 nur noch Einzelzimmer geben. In Niedersachsen steht man diesem Vorhaben skeptisch gegenüber. Hier enthalte bereits das neue Heimgesetz die Forderung, dass Betreiber wie Kostenträger dem Wunsch auf Einbettzimmer nachkommen sollten, sagt Uwe Schwarz (SPD). Zwingen könne das Land vor allem die Kostenträger aber nicht.

Von Sandhya Kambhampati, Stefan Wehrmeyer, Daniel Drepper und Jutta Rinas

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