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Ein Facelift für das Gästehaus der Landesregierung

720.000 Euro-Sanierung Ein Facelift für das Gästehaus der Landesregierung

Das Gästehaus der Landesregierung ist Niedersachsens gute Stube. Derzeit wird die imposante Villa in der Lüerstraße aufwendig saniert - für 720 000 Euro. Es ist ein großes Facelifting für einen Bau mit Geschichte: Kaum ein Ort in der Stadt kann mit einer so hohen Promi-Dichte prunken wie dieser.

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Das Gästehaus der Landesregierung wird renoviert - ein Rundgang mit Matthias Woiwode. 

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Die goldglänzende Wandbespannung ist aus feinster Seide. Edles Material. Mit einem langen, lauten „Raaatsch!“ reißt der Stoff, als Susan Jäger ihn von der Wand zieht: „Die Bespannung ist wirklich hochwertig“, sagt die Raumausstatterin anerkennend, „doch dahinter bröselt der Putz.“ Wie zur Bestätigung staubt eine kleine Sandwolke durch den Raum. An einigen Wänden hier lassen sich durch den Wandstoff hindurch gar dicke Putzbröselwülste ertasten.

Das Gästehaus der Landesregierung ist Niedersachsens gute Stube. Derzeit wird die imposante Villa in der Lüerstraße aufwendig saniert - für 720 000 Euro. Es ist ein großes Facelifting für einen Bau mit Geschichte: Kaum ein Ort in der Stadt kann mit einer so hohen Promi-Dichte prunken wie dieser. Showgrößen, Wirtschaftskapitäne und Kirchenfürsten gaben sich hier die Klinke in die Hand. Prinz Andrew war zum Mittagessen im Gästehaus, Angela Merkel traf sich hier mit Wladimir Putin, Christian Wulff empfing Arnold Schwarzenegger, und Sigmar Gabriel begrüßte Jacques Chirac. Als Ministerpräsident Wulff sich 2006 von seiner Frau Christiane trennte, zog er vorübergehend in jenes Mini-Appartement in der Villa ein, in dem schon Gerhard Schröder am Ende seiner Ehe Zuflucht gesucht hatte.

„Wir versuchen, den historischen Originalzustand des Hauses zu rekonstruieren“, sagt Matthias Woiwode, Protokollchef der Staatskanzlei. Denn um 1980 wurde das Gästehaus unter der Ägide des damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht saniert. Seinerzeit bekamen die hölzernen Wandvertäfelungen des Neorenaissancebaus einen schweren, düsteren Anstrich. Jetzt werden sie wieder heller gestaltet. Die damals eingesetzten Butzenglasscheiben verschwinden, ebenso wie die Holzdecke aus der Nachkriegszeit im Treppenhaus. Vor allem aber gibt es nach 36 Jahren neue Wandbespannungen. Wenn der Bröselputz erneuert ist.

„Während der Bauzeit finden die wöchentlichen Kabinettssitzungen in der Staatskanzlei statt“, sagt Woiwode. Er steht neben einem Berg abgerissenen Seidenstoffs, neben ihm erhebt sich ein Gerüst in der Halle, das Parkett ist abgedeckt. Wenn hier keine Baustelle ist, nutzt Ministerpräsident Stephan Weil die Villa auch für Empfänge verdienter Bürger und für die Verleihung von Orden. „Solche Termine müssen bis voraussichtlich Ende des Jahres anderswo stattfinden“, sagt Woiwode.

Für die Restaurierung hat die Staatskanzlei Firmen engagiert, die auf historische Bausubstanz spezialisiert sind. Die Villa stammt aus dem Jahr 1900; der Heizungsfabrikant Fritz Kaeferle ließ sie vom Architekten Emil Lorenz errichten. „Sie war eines der ersten Häuser im damaligen Neubaugebiet Zooviertel“, sagt Woiwode. Kaeferles Witwe verkaufte sie 1911. Der Prunkbau ging an den preußischen Staat. Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf erklärte die nur leicht beschädigte Villa nach dem Krieg zum „Haus der Landesregierung“ - und somit zum Ort, an dem Hoheiten und Exzellenzen sich die Ehre geben.

„Die Bundeskanzlerin nutzt das Haus gerne bei Messeeröffnungen“, sagt Woiwode: „Sie fragt dann freundlich nach, und die Landesregierung sagt nicht Nein.“ Fragt man den Protokollchef allerdings nach Vorlieben und Marotten der Politprominenz, gibt er sich sehr diskret: „Da gibt es eigentlich nichts zu berichten.“

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