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77-Jähriger in Altenheim verführt und ausgenommen

Staatsanwaltschaft ermittelt 77-Jähriger in Altenheim verführt und ausgenommen

Mit Sex und Zärtlichkeit soll sie sich die Gunst ihres Patienten erschlichen und den 77-Jährigen dann um Zehntausende Euro gebracht haben. Eine Ergotherapeutin aus Springe steht im Verdacht, den Bewohner einer Tagespflegeeinrichtung um mindestens 60.000 Euro betrogen zu haben.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. „Die Ermittlungen laufen“, sagte am Freitag Irene Silinger, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover.

Vor rund zwei Jahren lernte die damals 29 Jahre alte selbstständige Ergotherapeutin den Rentner in dem Pflegeheim kennen. „Darf ich Sie öfter besuchen?“, soll sie gefragt und dabei ihren nackten Fuß auf das Bett des Rentners gestellt haben. Das zumindest berichtete der Rentner stolzerfüllt seinen Freunden. Geschmeichelt ließ er sich auf eine Affäre mit der jungen Frau ein, die ihm schon bald von ihren Geldnöten berichtete. Der Rentner half gerne aus: Er überwies seiner 48 Jahre jüngeren Freundin im Laufe der Monate mehrere Geldbeträge in jeweils fünfstelliger Höhe. Im festen Glauben, seine Freundin werde das Geld zurückzahlen, nahm er schließlich selbst Schulden auf, um die Frau zu unterstützen. Doch die blieb das Geld schuldig, und schließlich verlor der Rentner die Geduld. „Er hat im November 2010 Anzeige erstattet“, sagte Oberstaatsanwältin Silinger. Kurze Zeit später starb der Mann, und seine Nichte, die Alleinerbin, stieß im Nachlass auf zahlreiche Schuldscheine. Nun will die Erbin das Geld zurück, das die Ergotherapeutin ihrem Onkel aus der Tasche zog – und das er doch gar nicht besaß.

Der Nichte droht nun, dass sie auf den Schulden ihres Onkels sitzen bleibt. Sie lässt sich von dem hannoverschen Anwalt Matthias Doehring vertreten. Ihm zufolge soll der 77-Jährige nicht der einzige Senior gewesen sein, mit dem die Frau eine Beziehung führte. Der Jurist recherchierte eigenen Angaben zufolge mehrere ähnliche Fälle, die alle im Zusammenhang mit der Einrichtung in Springe stehen. „Sie hat es auf alleinstehende ältere Männer abgesehen, die Geld haben“, sagte Doehring der „Deister- und Weserzeitung“. Der Anwalt hofft, dass sich weitere Betroffene bei ihm melden.

Ihre Geldnöte soll die Ergotherapeutin gegenüber ihrem älteren Freund mit Anlaufschwierigkeiten auf dem Weg in die Selbstständigkeit begründet haben. Fest steht, dass die Frau immer wieder in finanzielle Schieflagen geriet und vor drei Jahren sogar Privatinsolvenz anmelden musste. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover ist die mittlerweile 31-Jährige bereits aktenkundig. „Gegen sie sind mehrere Verfahren anhängig, weil sie Ware bestellte, aber nicht dafür zahlte“, sagte Oberstaatsanwältin Silinger. Nach Angaben des Rechtsanwalts arbeitet die Ergotherapeutin trotz der laufenden Ermittlungen weiterhin in dem Pflegeheim. Aus Sicht des Juristen hätten längst die Aufsichtsbehörden einschreiten müssen.

Vivien-Marie Drews und Markus Richter

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