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80-Jährige von Partnervermittlung abgezockt

Klage um 9000 Euro 80-Jährige von Partnervermittlung abgezockt

Eine 80-jährige Hannoveranerin fordert fast 10.000 Euro von einer Partnervermittlung aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zurück. Denn die schickte nicht den versprochenen Internisten i.R., sondern nur eine nutzlose Namensliste.

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Quelle: Symbolbild

Hannover/Düsseldorf. Eine 80-jährige Witwe, die sich nicht mit einem Lebensabend in Einsamkeit abfinden wollte, hat für ihre Partnersuche einen hohen Preis gezahlt: 9520 Euro. Den charmanten und vitalen Internisten im Ruhestand, den ihr die Annonce einer Vermittlungsagentur in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ versprach, lernte sie allerdings nie kennen - gut möglich, dass es diesen Herrn auch gar nicht gibt. Nun hat die Frau, die in der Region Hannover wohnt, die Partnervermittlung verklagt. Sie fordert ihr Geld zurück. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem Inserat um ein reines Lockangebot gehandelt hat, ist sehr hoch“, sagt Marc Chérestal, der Anwalt der Klägerin.

Die Annonce der Agentur, die vorgibt, Partner mit einem gewissen Niveau zu vermitteln, wendete sich „an eine ältere Dame, die sich noch viele schöne Dinge vom Leben erhofft“. Der vorgebliche Internist, 77 Jahre alt und 1,84 Meter groß, wolle mit seiner neuen Partnerin „lachen, genießen und die Welt erleben“, die Wohnungen allerdings sollten getrennt bleiben. Die 80-Jährige, selbst Akademikerin mit ausgeprägtem Sinn für Konzert und Theater sowie Geschichte und Golf, fühlte sich angesprochen; ihr schwebte ein Partner für geistigen Austausch auf Augenhöhe vor, kein amouröses Verhältnis. So wählte sie denn die angegebene Telefonnummer - und landete bei einer Partnervermittlung aus Düsseldorf.

Bevor man ihr die Kontaktdaten weitergebe, so die Geschäftsführerin, müsse ein persönliches Profil der Interessentin erstellt worden. Es dauerte nicht lange, bis die Chefin des Instituts zum Hausbesuch erschien. Ganz zufällig, so erzählte sie der Seniorin, wohne der gut aussehende, stattliche Mediziner in Hannover, und ebenso zufällig habe er ein Faible für das Golfspiel. Wenn die Witwe den Vermittlungsvertrag sofort unterschreibe, werde man ihr - sollte der Kontakt mit dem Internisten fruchtlos bleiben - auch noch weitere attraktive Herren offerieren. Nachdem die 80-Jährige unterschrieben hatte, wurde sie von der Geschäftsführerin gleich zur Sparkasse begleitet; dort brachte sie eine Überweisung von 9520 Euro auf den Weg.

Die Kontaktdaten des angeblichen Mediziners aus Hannover bekam die 80-Jährige nie zu Gesicht. Stattdessen erhielt sie per Post die Namen von 27 anderen Bewerbern - allesamt aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und einigen östlichen Bundesländern. Die zutiefst verärgerte Akademikerin verschickte mehrere Kündigungen, musste sich aber stets sagen lassen, dass die „vereinbarte Leistung“ erbracht worden sei.

Später, als die Klage auf Rückzahlung des Honorars schon in der Welt war und die Rechtsanwälte beider Seiten eifrig korrespondierten, recherchierte die 80-Jährige, was es mit den 27 Adressen auf sich hat. Wie sie sagt, war das Ergebnis ernüchternd: Einige der Angerufenen offenbarten ihr, dass sie schon vor Jahren eine neue Partnerin gefunden hätten. Andere erklärten, mit der Agentur selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht zu haben - und schließlich gab es etliche Telefonnummern, unter denen sich niemand meldete.

Das Vermittlungsinstitut sagt, man habe nie behauptet, einen Kontakt zu dem vorgeblichen Internisten herstellen zu können. Es sei stets nur um das Zusenden eines „Partnerdepots“ gegangen, zudem sei der Widerruf des Vertrags zu spät erfolgt. Im Übrigen bewege sich die Agentur „mit ihrer Honorargestaltung in einem für dieses Marktsegment üblichen Preisgefüge“.

Für Anwalt Chérestal hat sich der Eindruck verdichtet, dass das Düsseldorfer Institut unseriös arbeitet und seine Mandantin gezielt übervorteilt hat. Der Vertrag sei sittenwidrig und damit nichtig. Bei dem Hausbesuch im Hannöverschen habe die Geschäftsführerin ein regelrechtes Persönlichkeitsprofil des vorgeblichen Internisten erstellt, und nur diesen „Traummann“ habe die Seniorin kennenlernen wollen. Die Listen mit den übrigen Namen seien wertlos, die Recherchen seiner Mandantin „entlarvend“. Unter den teils überaus betagten Herren hätten einige berichtet, ebenfalls Beträge zwischen 7000 und 9000 Euro für nutzlose Namenslisten bezahlt zu haben - meist hätten die angeblich interessierten Damen viel zu weit entfernt gewohnt.

Verhandelt wird der Fall am Landgericht Düsseldorf, dem Gerichtsstandort für die Vermittlungsagentur.

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