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Einfach umsiedeln – das geht nicht

Wohnungsbau statt Kleingarten Einfach umsiedeln – das geht nicht

813 Kleingärten müssen weichen, um Platz für Wohnungsbau zu schaffen – 200 Parzellen sind es am Vinnhorster Weg. Darauf haben sich die Stadt Hannover und der Bezirksverband der Kleingärtner nach langen Verhandlungen geeinigt. Der Bezirksverband betont, dass die Hobbygärtner ihre Parzellen nicht von heute auf morgen verlassen müssen.

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„Der Garten ist mein Leben“: Kleingärtner Peter Danne hat sich am Vinnhorster Weg sein kleines Reich geschaffen. Nun soll es Wohnraum weichen.

Quelle: Hagemann

Hannover. Im Fliederweg in der Kleingartenkolonie Am Vinnhorster Weg im Stadtteil Burg hat sich Peter Danne sein eigenes kleines Paradies geschaffen: Der Rasen ist sorgfältig gestutzt, sonnengelbe Narzissen blühen, eine Plastikente gleitet durch den Springbrunnen, und die Blumenkästen warten nur darauf, mit feuchter Erde und neuen Zwiebeln befüllt zu werden. „Ich möchte nicht daran denken, wenn der Bagger anrollt“, sagt der 62-Jährige und fegt Erdkrümel von einer Steinplatte. „Wenn es so weit ist, fahre ich in den Urlaub.“ Seine Frau habe ihn aufgeregt angerufen. Ob er schon von den Plänen der Stadt gehört habe.

813 Kleingärten müssen weichen, um Platz für Wohnungsbau zu schaffen – 200 Parzellen sind es am Vinnhorster Weg. Darauf haben sich die Stadt Hannover und der Bezirksverband der Kleingärtner nach langen Verhandlungen geeinigt. Der Bezirksverband betont, dass die Hobbygärtner ihre Parzellen nicht von heute auf morgen verlassen müssen. „Erst wenn es ein konkretes Bauprojekt gibt, darf gekündigt werden“, sagt Andreas Hildebrand, Rechtsexperte beim Verband. Damit soll verhindert werden, dass Kleingärtner eine Kolonie räumen, die Fläche aber jahrelang brachliegt, weil sich kein Investor für das Bauland findet. „Es darf nicht auf Verdacht gekündigt werden“, sagt Hildebrand.

Anders liegt der Fall bei der Kolonie Rosengrund in Kirchrode. Dort müssen die 15 Kleingärten möglicherweise schon Ende des Jahres geräumt werden. Nach Informationen der HAZ plant die Stadt, auf der Fläche eine Unterkunft für Flüchtlinge zu errichten. Die Zeit drängt, denn Hannover muss gemäß Zuteilungsquote des Landes noch Tausende Asylsuchende unterbringen.

„Wohnraum ist wichtig – klar“, sagt Kleingärtner Danne. „Aber wir brauchen auch Grünflächen in der Stadt. Zur Erholung.“

Vier Kolonien, die für die Stadt als Bauland infrage kommen, hat der Kleingärtner-Verband wieder von der Liste gestrichen. „Wenn es keine Leerstände gibt und die Gemeinschaft gut funktioniert, dann dürfen wir eine Kolonie nicht zerschlagen“, sagt Hildebrand.

Das Schmerzensgeld, das die Stadt Hannover an die betroffenen Kleingärtnern zahlen will, hält Hobbygärtnerin Doris Ravn für „eine Beruhigungspille“. Der ganze Garten habe einen Wert, den man nicht beziffern kann, sagt Nachbar Peter Danne. Die Laube, der in mühevoller Kleinarbeit angelegte Gartenteich – das könne ihm doch niemand ersetzen. Obwohl der Plan der Stadt vorsieht, dass erst ab Ende 2018 mit möglichen Bauarbeiten begonnen werde, frage sich schon jetzt jeder Pächter: „Soll ich noch in den Garten investieren, soll ich überhaupt noch irgendetwas anpflanzen?“

Zehn Jahre hat es gedauert, bis sich der Kirschbaum in Erika Zehrens Parzelle am Lilienweg endlich in voller Blüte und Pracht zeigte. Seit 1982 pflegt sie ihr 650 Quadratmeter großes Reich. Hinter der Buchsbaumhecke blühen die Tulpen, zur Straße hin hat sie einen sauber geharkten Nutzgarten für ihr Gemüse angelegt. „Eigentlich wollte ich den Garten bis zum Ende behalten“, sagt die rüstige 72-Jährige, die in Sichtweite der Kleingartenkolonie in einer kleinen Wohnung ohne Balkon lebt. Verständnis für die Pläne der Stadt hat sie nicht: „Man hat da so viel reingesteckt und angebaut. Das kann man doch nicht einfach an eine andere Stelle umpflanzen und gut ist es.“

Von Linda Tonn und Andreas Schinkel

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