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Neun Monate Haft nach Gewalt gegen Ausländer

Prozess in Hannover Neun Monate Haft nach Gewalt gegen Ausländer

Weil er einen Ausländer beschimpft, geschlagen und getreten hat, wurde ein ehemaliger Anhänger der verbotenen Neonazi-Gruppe "Besseres Hannover" am Dienstag zu neun Monaten Haft verurteilt. Da die Tat laut Gericht einen Angriff auf den Kernbereich des Zusammenlebens darstelle, wurde die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt.

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Der Angeklagte Patrick I. wird wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Ein Schwarzafrikaner, auf der Karmarschstraße unterwegs, wurde an einem Montagabend im Februar von zwei Männern angepöbelt, geschlagen und getreten. Haupttäter war der 33-jährige Patrick I., der in Hannover zur rechtsradikalen Szene zählt. Er beschimpfte das Opfer als „Affe“ und „schwarzer Neger“, versetzte ihm mindestens einen Faustschlag ins Gesicht und trat zu. Wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung wurde I. gestern vom Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt – ohne Bewährung.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Burkhard Littger stützte sich auf die Beobachtungen von vier Zeugen. Das Opfer konnte nicht befragt werden, da es sich nicht bei der Polizei gemeldet hatte und bis heute unbekannt ist. Die Aussagen der Passanten – zwei Paare – ähnelten sich aber sehr. Demnach waren Patrick I. und sein Kumpel Jan H. vom Kröpcke Richtung Markthalle unterwegs, hatten schon vorher herumgepöbelt und gegen einen Bauzaun getreten. Dann kam ihnen der Schwarzafrikaner in den Blick. Nach Aussage eines 18-jährigen Schülers habe der Mann mit den Rastalocken „gar nicht gewusst, wie ihm geschah“, sei völlig unvermittelt angegangen worden. Jan H. hielt sich zunächst zurück, bevor auch er zutrat. Er ist inzwischen wegen Beihilfe zu gemeinschaftlicher Körperverletzung zur Teilnahme an fünf erzieherischen Gesprächen verurteilt worden.

Prozess gegen Neonazi: Die Bilder aus dem Amtsgericht Hannover

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Das Opfer hatte Glück im Unglück, weil ein Ärzte-Ehepaar den aggressiven Rechtsradikalen Einhalt gebot. Insbesondere die Zivilcourage einer 34-jährigen Medizinerin, so Littger, habe Schlimmeres verhindert: Sie stellte sich schützend vor den dunkelhäutigen Mann, der sich vor Schmerzen krümmte und kurzzeitig zu Boden ging. Allerdings hatte sie ihrerseits Glück, dass die Täter sie nur beschimpften, aber nicht körperlich attackierten. Kurze Zeit später nahm die Polizei I. und H. in einer Altstadtkneipe fest. Bei dem 33-jährigen Haupttäter wurde dort ein Blutalkoholwert von 1,89 Promille festgestellt, laut Aussagen von Passanten und Polizisten wirkte I. aber nicht sonderlich angetrunken.

Das Schöffengericht setzte die neunmonatige Haftstrafe nicht zur Bewährung aus: Dies gebiete die Verteidigung der Rechtsordnung gegenüber derart rassistisch motivierten Taten. Auch könne man I. keine günstige Sozialprognose ausstellen, so Littger. I. habe seine Alkoholsucht nicht im Griff, sei schon oft straffällig geworden. Wie ein Polizeibeamter aussagte, war der Täter um die Jahrtausendwende in der Skinhead-Szene verwurzelt, stand mehrfach wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen vor Gericht. 2005 verurteilte man ihn wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu siebeneinhalb Jahren Haft. 2010 wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Wie der Richter anmerkte, hielt I. nur bis zum Ablauf der Bewährungszeit 2014 die Füße still – dann wurde er wieder straffällig. I. hatte Kontakte zu NPD-Leuten, trat auch gern auf Hagida-Demonstrationen auf. Im Sommer erst wanderte er unter „Sieg Heil“- und „Heil Hitler“-Rufen durch die Passerelle und prügelte auf einen Punker ein – dieser Fall war noch nicht vor Gericht.

 

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