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Ausschreitungen

96-Fans randalieren in Hannovers Altstadt

Von Vivien-Marie Drews

Vor der Bundesligapartie Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg ist es am Sonnabend in der Altstadt zu massiven Ausschreitungen gekommen. Etwa 50 gewaltbereite 96-Fans, sogenannte Ultras, griffen rund 140 radikale Wolfsburg-Anhänger an, die sich in der Kneipe „Schateke“ in der Kramerstraße aufhielten.
Randale vor der „Schateke“: Radikale Wolfsburg-Fans reservierten unter einem Vorwand in der Kneipe einen Tisch. 96-Fans warfen daraufhin Pflastersteine gegen die Fenster.

Randale vor der „Schateke“: Radikale Wolfsburg-Fans reservierten unter einem Vorwand in der Kneipe einen Tisch. 96-Fans warfen daraufhin Pflastersteine gegen die Fenster.

© Tim Schaarschmidt

Die Hannoveraner schmissen Pflastersteine gegen die Fensterscheiben; die Wolfsburger reagierten und warfen Stühle auf die Straße. Die Polizei konnte gerade noch rechtzeitig eingreifen: Als die Beamten eintrafen, hatten die Wolfsburg-Anhänger die „Schateke“ noch nicht verlassen – die rivalisierenden Fans standen sich noch nicht unmittelbar gegenüber. Die 96-Fans flüchteten vor der Polizei in Richtung Markthalle. Dort holten die Beamten sie ein und nahmen 17 Personen vorläufig fest, darunter neun Minderjährige.

Wie genau es zu der gewaltsamen Begegnung kommen konnte, ist noch nicht geklärt. Fest steht aber, dass sich die 143 Wolfsburger Fans – der Großteil von ihnen ist der Polizei als gewalttätig bekannt – nicht in der Altstadt hätten aufhalten sollen. So hatte es die Polizei im Vorfeld mit den Vereinen vereinbart. „Das Verhältnis der Fans ist feindschaftlich“, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Guido von Cyrson. Eigentlich hatte die Polizei geplant, die VfL-Anhänger am Bahnhof abzufangen und zum Stadion zu eskortieren. Das wollten die Wolfsburger Ultras offenbar nicht hinnehmen: Sie trafen bereits am frühen Morgen in Hannover ein, lange bevor die Polizei in der Innenstadt für den Fußballeinsatz aufgestellt war.

Unter dem Vorwand, sie wollten einen Junggesellenabschied feiern, hatten die Wolfsburger am Donnerstag einen Tisch in der „Schateke“ reserviert. Am Sonnabend trafen dann zunächst etwa 20 der schwarzgekleideten radikalen Fußballfans in der Kneipe ein, innerhalb einer Stunde wuchs die Gruppe auf 143 Personen an. Als hannoversche Ultras gegen 10.30 Uhr die Kramerstraße entlangliefen und die VfL-Fans in dem Lokal entdeckten, ließen sie ihrer Wut freien Lauf. An einer Baustelle unmittelbar neben der „Schateke“ deckten sich die 96-Fans mit Pflastersteinen ein und schmissen sie gegen die Fenster. Mehrere Zentimeter breite Löcher in den Scheiben zeugten am Sonntag vom Ausmaß der Gewalt. Nach dem Vorfall wurden auch alle 143 Wolfsburg-Fans von der Polizei überprüft. „Darunter waren alle, die in der Wolfsburger Ultraszene Rang und Namen haben. Ganz offensichtlich wollten sie provozieren“, sagte Einsatzleiter von Cyrson. Vier von ihnen kamen in Gewahrsam, weil sie verbotene Utensilien zur Vermummung bei sich hatten. Der Rest der Gruppe wurde von der Polizei zum Stadion geleitet. Von Cyrson sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. „Die Gewaltbereitschaft in der Ultra-Szene nimmt immer weiter zu.“

Bereits am Freitagabend hatte es nach einem Regionalliga-Spiel von Hannover 96 gegen den Bremer Verein Oberneuland Randale gegeben. Etwa 40 Bremer Fans stürmten gegen 22.30 Uhr am Bahnhof Achim einen Regionalexpress und griffen 80 hannoversche Ultras an. Verletzt wurde niemand, den Schaden im Zug schätzt die Polizei auf rund 50.000 Euro. Die hannoverschen Fans wurden in der Nacht zu Sonnabend von zahlreichen Polizisten am Hauptbahnhof zur Überprüfung ihrer Personalien in Empfang genommen. „Den Ultras geht es nicht um Fußball, es geht ihnen um die sogenannte dritte Halbzeit – es geht ihnen um die Gewalt“, sagte Bundespolizeisprecher Detlef Lenger.

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