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Gute Gespräche statt Gerichtstermine
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ADAC-Chef Ulrich Krämer im Interview Gute Gespräche statt Gerichtstermine

Jahrelang machte der ADAC mit Prozessen von sich reden. Der neue Vorstandschef Ulrich Krämer sagt jetzt erstmals öffentlich, was künftig anders laufen soll.

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"Die Mitglieder waren nicht immer glücklich" - ADAC-Chef Ulrich Krämer

Quelle: Surrey

Hannover. Herr Krämer, in den vergangenen Jahren stand der ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (NSA) häufig im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, weil die Geschäftsführung mit Betriebsrat oder Mitarbeitern vor dem Arbeitsgericht prozessierte. Wer hat welche Fehler gemacht?

Fehler wurden auf beiden Seiten gemacht. Oft ging es nicht mehr um die sachliche Auseinandersetzung, sondern um Persönliches. Für die frühere Geschäftsführung stand im Mittelpunkt, den ADAC wirtschaftlich voranzubringen, aber die Art und Weise war sicher nicht immer angemessen.

Und was soll sich jetzt ändern?

Wir haben einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten aufgenommen, denn im Gespräch lässt sich vieles besser klären, als nur Paragraphen von Gesetzestexten zu bemühen. Wir streben an, zusammen mit dem Betriebsrat ein Leitbild über die gemeinsame Zusammenarbeit zu entwickeln. In diesem Kontext möchten wir sämtliche Verfahren vor den Arbeitsgerichten – soweit wir darauf Einfluss nehmen können – einvernehmlich beenden. Es ist wichtiger, dass wir uns alle auf den Service für unsere Mitglieder und das Tagesgeschäft konzentrieren als auf den nächsten Gerichtstermin.

Welche Verfahren wurden bereits bereinigt?

Die meisten. So ist die Kündigungsschutzklage der ehemaligen IT-Chefin vom Tisch; wir haben uns außergerichtlich geeinigt, damit ist ihr Arbeitsverhältnis mit dem ADAC NSA beendet. Der Streit um die angebliche Bespitzelung des Betriebsrats wird vermutlich auch bald aus der Welt geschafft sein. Als Zeichen für einen Kurswechsel haben wir zudem den Antrag auf Amtsenthebung des Betriebsrats zurückgenommen.

Die Geschäftsführung kann das problemlos tun, doch was ist mit den 49 Mitarbeitern, die die Amtsenthebung des Betriebsrats ebenfalls gefordert haben?

Es gab etliche Mitarbeiter, die sich über den kommissarischen Geschäftsführer Burkhard Vogt an unseren Rechtsanwalt gewandt und gesagt haben, dass jetzt eine andere Stimmung im Betrieb herrsche und sie ihre Unterschrift zurückziehen möchten. Schließlich war das für den Antrag erforderliche Quorum unterschritten.

Ist das Kapitel Hans-Henry Wieczorek, des früheren Geschäftsführers, endgültig abgeschlossen oder stehen hier noch arbeitsgerichtliche Nachwehen an?

Der ADAC NSA und Dr. Wieczorek haben sich im September 2013 einvernehmlich getrennt, das Arbeitsverhältnis wurde ordnungsgemäß aufgelöst. Wie in solchen Situationen üblich, haben wir Stillschweigen vereinbart. Daran halten wir uns.

Der Betriebsrat hatte gegen Herrn Wieczorek und zwei weitere Personen Strafanzeige wegen Behinderung der Betriebsratsarbeit gestellt. Nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover das Verfahren eingestellt hatte, legte die Arbeitnehmervertretung eine Beschwerde gegen die Einstellung beim Oberlandesgericht (OLG) Celle ein. Bekümmert Sie das?

Die Strafanzeigen richten sich nicht gegen den hiesigen ADAC, sondern gegen den früheren Geschäftsführer. Wir sind in das laufende Ermittlungsverfahren nicht involviert. Es ist Sache der Anzeigeerstatter, ob sie weiterhin auf einer Strafverfolgung von Dr. Wieczorek bestehen. Ich habe aber gehört, dass das OLG die Beschwerde zurückgewiesen hat.

Bei aller öffentlichen Kritik – war Hans-Henry Wieczorek wenigstens als Sanierer beim ADAC NSA erfolgreich?

Er hat Kontinuität in unsere Finanz- und Personalplanung gebracht und eine ordentliche Ausgabenkontrolle eingeführt. Die Ergebnisse waren auch zu Beginn seiner Tätigkeit 2005 nicht übermäßig schlecht, aber Herr Dr. Wieczorek hat sie auf jeden Fall verbessert. Die überschüssigen Erträge kommen den Mitgliedern zugute.

Nachdem Ihr Vorgänger Reinhard Manlik im Juli sein Amt niedergelegt hatte, folgte jüngst der Sport-Vorstand Wolfgang Czychon. Stimmt es, dass gegen ihn auf Druck der ADAC-Spitze in München ein Ehrenhof-Verfahren angestrengt wurde?

An dem Ehrenhof-Verfahren ist unser Regionalklub nicht unmittelbar beteiligt. Das Verfahren ist nach unserer Kenntnis noch nicht rechtskräftig abgeschlossen, weil Herr Czychon Einspruch eingelegt hat.

Nach dem Rücktritt von Reinhard Manlik im Juli 2013 firmieren Sie im Vorstand als kommissarischer Vorsitzender – wollen Sie sich auf der nächsten ADAC-Mitgliederversammlung 2014 auch zum Vorsitzenden wählen lassen?

Mir macht die Tätigkeit als kommissarischer Vorsitzender viel Freude. Nach Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern, Ortsclubs und Mitarbeitern habe ich mich entschlossen, im März für das Amt des Vorstandsvorsitzenden zu kandidieren.

Im Juni 2013 verlor der Regionalklub einen Prozess vor dem Arbeitsgericht, in dem es um die Entlohnung von sechs Mitarbeitern auf Grundlage eines Tarifvertrags der privaten Versicherungswirtschaft ging. Wie viele Beschäftigte beim ADAC NSA sind insgesamt betroffen und stimmt es, dass der Regionalklub 300 000 Euro für Nachzahlungen aufbringen müsste?

Betroffen sind knapp 80 Mitarbeiter, und es geht natürlich nicht nur um Nachzahlungen, sondern auch um die künftige Entlohnung. Die kolportierte Summe möchten wir nicht kommentieren. In diesem Verfahren geht es um schwierige arbeitsrechtliche Fragen. Wir sehen es gegenüber unseren Mitgliedern als unsere Pflicht an, diese mit erheblichen finanziellen Auswirkungen verbundenen Fragen grundsätzlich zu klären und haben deshalb gegen das Urteil Berufung eingelegt. Allerdings haben wir allen betroffenen Mitarbeitern zugesagt, dass wir die Ergebnisse der Verfahren, die wir als Musterprozesse betrachten, auf diese Mitarbeiter anwenden werden. Zeitgleich arbeiten wir an einer einvernehmlichen Lösung, die allen Mitarbeitern zugute kommen könnte.

Haben sich aufgrund der jahrelangen Querelen im hiesigen Regionalklub viele Mitglieder verärgert gezeigt, gab es deswegen Austritte?

Die Mitglieder unseres Vereins haben die Entwicklung der letzten Jahre natürlich verfolgt und waren darüber ganz sicher nicht immer glücklich. Letztlich weiß aber jeder, welche hervorragenden Leistungen und Vorteile die Mitgliedschaft im ADAC mit sich bringt. Eine nennenswerte Zahl von Austritten ist nicht festzustellen, im Gegenteil: Allein in den ersten neun Monaten 2013 ist die Mitgliederzahl in Niedersachsen / Sachsen-Anhalt um 13 000 auf 1,36 Millionen gestiegen.

Gibt es von Mitglieder- bzw. von Mitarbeiterseite positive Rückmeldungen aufgrund der Wechsel in Vorstand und Geschäftsführung?

Sowohl von Mitgliedern als auch Mitarbeitern haben wir durchweg positive Signale erhalten. Ich nehme eine deutliche Veränderung wahr, mit einem Wort: Aufbruchstimmung. Unser zukünftiger Geschäftsführer, Uwe Ilgenfritz-Donné, ist ein erfahrener Manager, der in Verbänden wie in großen Wirtschaftsunternehmen Veränderungsprozesse – auch in Zusammenarbeit mit Betriebsräten – erfolgreich gestaltet hat. Wir erwarten von ihm, dass er ab Januar 2014 neue Impulse einbringen wird.

Welche Projekte und Aktionen plant der ADAC für 2014?

Höhepunkte des kommenden Jahres werden sicherlich wieder unsere zahlreichen Veranstaltungen im Motorsport sein, etwa das ADAC GT Masters im April, die Superbike-Meisterschaften im Juni oder die ADAC Rallye Niedersachsen im Juli. Außerdem können sich unsere Mitglieder wieder auf tolle Oldtimerveranstaltungen freuen. Zudem testen wir Radverkehrsanlagen und den Zustand von Brücken. Außerdem feiert unser Fahrsicherheitszentrum in Laatzen zehnjähriges Bestehen.

Interview: Michael Zgoll

Zur Person:

Ulrich Krämer ist seit Juli kommissarischer Vorstandsvorsitzender des ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt. Er folgte Reinhard Manlik nach, der im Sommer überraschend zurückgetreten war. Der 66-jährige Krämer steht dem Bereich Technik vor und war auch schon kommissarisch für Finanzen und Verkehr zuständig. Er wurde in Starnberg geboren, lebt aber bereits seit vielen Jahren in Braunschweig. Dort war der Maschinenbauingenieur bis zu seiner Rente in der physikalisch-technischen Bundesanstalt im Bereich Mineralölforschung tätig. Krämer ist verheiratet, hat drei Kinder und gilt als Oldtimerfan.

miz

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