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Grünflächen in Hannover Ab in den Garten

Hannover ist die grünste Großstadt Deutschlands. Die Eilenriede, andere Stadtwälder und zahlreiche Gärten und Parks durchziehen das Stadtgebiet. Doch in einer wachsenden Stadt wie Hannover gibt es auch Konkurrenz um die freien Flächen – Wohnungsbau und Verkehr gehören zu den Rivalen.

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Der Maschpark, ab 1900 als erster öffentlicher Garten hinterm heutigen Rathaus (Baujahr 1914) angelegt, ist noch heute ein Kleinod. Antje Laufer von der Grünflächenverwaltung bietet regelmäßig Führungen an, so auch am Montag mit einer Gruppe um Gartenfreund Sepp Heckmann und Kommunalpolitikern.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Und weiter: „Insbesondere in den ersten Abendstunden sind sämtliche Anlagen sehr der Zerstörungslust der halbwüchsigen Jugend ausgesetzt.“ Aber es geht mitnichten um die hannoverschen Bunthaarigen, die in diesem Sommer gelegentlich auf dem Opernplatz gefeiert haben, oder das junge Partyvolk, das sich zeitweilig nachts mit lauter Musik im Maschpark vergnügt. Die Beschwerde über die Zerstörungen datiert von 1892 und ist verknüpft mit dem Appell an den Magistrat, einen vierten Parkranger (damals: „Wallaufseher“) einzustellen.

Die Methoden ändern sich

Klagen über die Missnutzung öffentlicher Grünanlagen sind eben mitnichten nur ein heutiges Phänomen, sondern so alt wie die Gartenanlagen selbst. Allerdings haben sich die Methoden, mit dem Ärger umzugehen, im Laufe der Jahrhunderte geändert. Zwar beschloss der Magistrat 1892 tatsächlich, einen vierten Aufseher einzustellen. Das Problem wurde aber damit nicht behoben - 1908 folgte der Beschluss, die Aufseher mit Säbeln auszurüsten, um ihnen mehr Autorität zu verleihen. Ob die martialischen Waffen eingesetzt wurden, ist nicht überliefert.

Hannovers Grünflächenverwaltung ist gestern stolze 125 Jahre alt geworden. Das mag man für ein langweiliges Amtsjubiläum halten. In einer Stadt aber, die 2014 unter zwölf Großstädten von ihren Bewohnern zur „schönsten Großstadt im Grünen“ gewählt wurde, muss dem zuständigen Amt eine besondere Bedeutung zukommen, wie Prof. Joachim Wolschke-Bulmahn vom Uni-Zentrum für Gartenkunst gestern in einer kleinen Feierstunde im Maschpark ausführte.

Grünflächenamt entstand in Hannover erst 1890

Tatsächlich war Hannover längst nicht die erste deutsche Stadt mit Grünflächenamt. Köln (1850), Lübeck (1855), Mainz (1860) und Berlin (1870) waren Vorreiter, bevor gemächlich Hannover (1890) folgte. Doch den Verwaltungen kamen bald wichtige, emanzipatorische Aufgaben zu. Es ging darum, Spielplätze auf öffentlichen Grünanlagen einzurichten, damit auch Arbeiterkinder Natur erfahren konnten. Es ging um Kleingärten und nicht zuletzt Sportflächen für Arbeitervereine, wie Jennifer Schneider in einer Masterarbeit an der Uni herausgearbeitet hat, die jetzt zur Grundlage für eine 110-seitige Broschüre über Hannovers Grünflächenverwaltung geworden ist.

Statistisch gesehen ist Hannover heute tatsächlich die grünste Großstadt Deutschlands, weil die Eilenriede und andere Stadtwälder und zahlreiche Gärten und Parks das Stadtgebiet durchziehen. Nicht nur die Herrenhäuser Gärten (die heute genau genommen nicht mehr zum Gartenamt gehören, sondern ein eigener Fachbereich in der Verwaltung sind), sondern auch Tiergarten und Stadtpark, der aus einem Steinbruch neu entwickelte Willy-Spahn-Park (Ahlem) oder relativ neu der Wissenschaftspark Marienwerder gehören dazu - Letzterer ein Beleg, dass Natur in der Stadt nicht nur schön ist, sondern ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen, wie Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette in einem Vortrag hervorhob.

Konkurrenz um die freien Flächen

Karin van Schwartzenberg, die amtierende Amtsleiterin, hob am aber auch hervor, dass ihrer Verwaltung „in einer wachsenden Stadt wie Hannover die starke Konkurrenz um Flächen“ zu schaffen mache. Wohnungsbau und jetzt aktuell Flüchtlingsunterkünfte, Verkehr und Freizeitbedürfnisse konkurrieren mit dem Erhalt der Grünanlagen. „Um die hohe Qualität in Hannover zu erhalten, müssen Flächen verteidigt werden“, sagt van Schwartzenberg kämpferisch. Immerhin habe der Oberbürgermeister sich eindeutig positioniert, dass bei der Umwandlung von Kleingärten zu Bauland zumindest die Zahl der Kleingärten wieder hergestellt werden soll - wenn schon die Fläche schrumpft. Denn wichtig sei dies, sagt van Schwartzenberg: „Je digitaler die Welt wird, desto mehr brauchen wir Menschen dazu analogen Ausgleich durch die Natur.“ Das gab Applaus.

Broschüre zum Download

Die 110-seitige Broschüre liegt kostenlos im Rathaus aus, ist aber nur in der Auflage von 250 Exemplaren gedruckt worden. Sie kann aber auch hier heruntergeladen werden.

Von-Alten-Garten

Der letzte Bürgermeister des einst selbstständigen Linden, Hermann Lodemann, hatte die Vision, einen zusammenhängenden Park aus den Grünflächen am Lindener Berg, dem Lindener Friedhof und dem Von-Alten-Garten für das „grün-bedürftige“ Linden zu schaffen – doch er setzte sich nicht durch. Immerhin gelang es der Stadt Hannover 1961, einen 72 000 Quadratmeter großen Kernbereich des einstigen Adeligen-Parks zu kaufen, aus dem bis heute ein Stadtpark geworden ist – auch wenn Teile für Deisterkreisel und Westschnellweg geopfert werden mussten. Der Torhauskomplex an der Von-Alten-Allee sowie einige Bauwerksfragmente und die Platanenallee erinnern an die Geschichte des Parks, der ursprünglich der Familie von Alten, später der Familie Platen gehörte und schwer unter Kriegszerstörungen gelitten hat.

Opernplatz

„Mir gefallen die Offenheit und das Geordnete“, sagt Monika Biecker (li.), die ihre Freundin Helga Klawitter aus Leer durch Hannover führt: „Es ist ein bisschen Versailles in Hannover.“ Damit hat sie ins Schwarze getroffen – denn das war die Idee von Landschaftsarchitekt Kamel Louafi, der neben dem Opernhaus einen Park aus Rasenflächen und vieleckigen Eibenhecken schuf und so die barocke Idee von Herrenhausen gewissermaßen in die Innenstadt verlängert hat. Früher stand ein kunstvoller Blumenpavillon auf der Südostspitze des dreieckigen Platzes, Pendant zum alten Café Kröpcke auf der Nordwestspitze. Heute werden die Bänke auf dem Platz gerne für Mittagspausen von Angestellten und Shoppingpausen von Citybummlern genutzt – und wochenends treffen sich auf dem Grün oft Jugendliche, was meist sehr friedlich zugeht.

Hinüberscher Garten

Er gilt als einer der frühesten Landschaftsparks Deutschlands: Ende des 18. Jahrhunderts verloren streng geometrische Barockgärten ihren Reiz, der Trend ging zu geschwungenen, naturnahen Formen. Am Klostergut Marienwerder ließ Pächter Jobst Anton von Hinüber um 1767 den Garten mit romantischen Teichen und Wegen anlegen. In dem 400 000 Quadratmeter großen Park zwischen Marienwerder und Garbsen finden sich außer bunten Beeten und Streuobstwiesen auch die begehbare, künstliche Ruine des Hexenturms sowie natürlich die Kloster- und Gutshausanlagen.

Stadtpark

Im vergangenen Jahr hat er seinen 100. Geburtstag gefeiert, der Stadtpark hinter dem Hannover Congress-Centrum (HCC). Angelegt mit dem Bau des Kuppelsaals 1914, wurde er 1933 zur Ausrichtung der Jahresschau Deutscher Gartenkultur genutzt und um etliche Gartenbereiche erweitert. Und auch für die erste deutsche Bundesgartenschau 1951 diente das Terrain erneut als Ausstellungspark, viele besondere Bäume und Sträucher zeugen davon. 120 Rosensorten, Fontänenanlagen, ausleihbare Liegestühle, die im Park platziert werden dürfen, der 1996 wegen der Städtepartnerschaft zu Hiroshima eröffnete Japanische Teegarten und natürlich das unvermeidliche Freiluftschach gehören zu den Attraktionen des Stadtparks.

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