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Remondis fliegt der Müll davon

Kommentar Remondis fliegt der Müll davon

Angeblich soll ja der Winter schuld sein am Abfuhrchaos bei den gelben Säcken im Umland. Die Pannen aber haben andere Ursachen – und die Regionspolitik tut gut daran, sich das Drama nicht länger anzuschauen. Ein Kommentar von Mathias Klein.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Hannover . Gerade einmal zwei Wochen ist der Entsorger Remondis für die Abholung der gelben Säcke im Umland zuständig, aber ein ähnliches Desaster mit dem Müll hat es hier noch nicht gegeben. Mancherorts stapeln sich in den Vorgärten Müllberge, der Wind weht Säcke auf die Fahrbahnen, wo sich der Müll dann nach und nach verteilt.

Inzwischen kann wohl jeder Umlandbewohner eine Geschichte erzählen, wo die Abfuhr nicht funktioniert. Zum Beispiel die, wie der Müllwagen morgens in ein Dorf kommt, in dem die Wertstoffsäcke abholbereit an der Straße liegen. Der Remondis-Wagen fährt in dem kleinen Ort jede der wenigen Straße ab, ohne einmal anzuhalten. Dann ist er plötzlich verschwunden. Am Nachmittag taucht der Wagen dann wieder auf, die Müllwerker sammeln in zwei Straßen die Säcke ein, den Rest lassen sie liegen. Und seitdem sind sie nicht wieder gesehen worden.

Was ist da los? Eigentlich nichts Besonderes. Eigentlich hat nur das eine Abfallunternehmen (Remondis) vom anderen Abfallunternehmen (Aha) das Abholen der gelben Säcke im Auftrag der Wertstoffsammler vom Dualen System Deutschland übernommen. Remondis ist ein deutschlandweit erfolgreiches Privatunternehmen, das künftig gern auch die Abfuhr der gelben Säcke in der Landeshauptstadt übernehmen will. Das fehlte noch.

Offenbar hat sich Remondis miserabel vorbereitet auf den Auftrag, Woche für Woche den Verpackungsmüll von rund einer halben Million Menschen abzuholen. Sonst hätte es nicht bereits am ersten Tag Probleme gegeben. Als dann noch vier Zentimeter Schnee fielen, begründete das Unternehmen die Abfuhrprobleme mit dem Winterwetter.

Nun ist der erste Wintereinbruch seit einer Woche vorbei – und nichts ist besser geworden. Noch immer liegen Säcke tagelang am Straßenrand, bis sie abgeholt werden. Nach und nach kommt ans Licht, dass die Probleme bei Remondis selbst liegen könnten. Das Unternehmen gibt für die ersten Tage eine Fluktuation der Mitarbeiter von 10 Prozent zu. Dass die Müllwerker jetzt vom frühen Morgen bis zum späten Abend und zusätzlich noch an den Sonnabenden arbeiten sollen, trägt auch nicht eben zur Motivationssteigerung bei.

Offenbar sind die Fahrer der Müllfahrzeuge nicht richtig auf ihren Einsatz vorbereitet worden. Mehrfach sind Wagen ausgefallen, erst gestern fuhr sich ein Remondis-Müllwagen in Barsinghausen im Seitenstreifen fest und war dann nicht mehr einsatzbereit.

Das eigentlich erfahrene Unternehmen hat offenbar auch die Größe des Abfuhrgebiets rund um Hannover unterschätzt. Wer Woche für Woche Müllsäcke in einem so riesigen Gebiet mit vielen kleinen Dörfern einsammelt, muss halt gut vorbereitet sein. Es hätte wohl nicht geschadet, am Anfang mit ein paar zusätzlichen Mitarbeitern zu starten. Die Frage ist auch, unter welchen Voraussetzungen das Unternehmen die Ausschreibung gewonnen hat.

Und Remondis ist noch ein weiterer schwerer Fehler unterlaufen: Das Unternehmen hat die besondere Sensibilität zahlreicher Bewohner des ehemaligen Landkreises beim Thema Müll nicht beachtet. Hier sehen viele ganz genau hin – wie auch in der elenden Debatte um Sack und/oder Tonne zu erleben ist.

Remondis hat jetzt nicht mehr viel Zeit. Der Druck der Bürger auf die Politik wächst. Zwar heißt es immer, das ganze sei eine privatrechtliche Angelegenheit, weil weder Kommunen noch Region für die gelben Säcken verantwortlich sind, sondern das Duale System. Aber die örtlichen Ordnungsämter können und müssen gegen Remondis vorgehen, wenn der Müll aus aufgerissenen Säcken auf den Straßen, in Gärten und auf Feldern liegt. Und die Regionsversammlung ist stark genug, um stimmgewaltig eine sofortige Besserung der chaotischen Zustände einzufordern. Also?

Von Mathias Klein

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