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Sind die Straßen zu schmal oder Autos zu breit?

Abgefahrene Außenspiegel Sind die Straßen zu schmal oder Autos zu breit?

An der Marienstraße und anderswo werden reihenweise Außenspiegel abgefahren. Daran sind nicht unbedingt Verkehrsrüpel Schuld, denn Autos sind in den vergangenen 40 Jahren deutlich breiter geworden – Straßen und Parkplätze sind nicht gleichermaßen gewachsen. Die Polizei infomiert Autofahrer nun mit Zetteln.

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Achtung, Spiegel einklappen: Polizeikommissar Trappen verteilt Flugblätter an der Marienstraße.

Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Immer breiter werdende Autos entwickeln sich zunehmend zum Problem für Hannovers Straßen und Parkplätze. Viele Straßen im Stadtgebiet sind zu schmal, und wer beim Parken am Rand nicht ganz genau aufpasst, riskiert einen demolierten Außenspiegel. Das beste Beispiel ist nach Auffassung von Stadt und Polizei die Situation auf der Marienstraße. Dort treffen Autos, Lastwagen und Reisebusse auf schmale Straßen, enge Parkbuchten und Lieferverkehr, der oft in zweiter Reihe hält. Von 205 Unfällen durch Beschädigen der Außenspiegel bis Ende September dieses Jahres im Bereich des Polizeikommissariats Südstadt passierten 56 an der Marienstraße. 2015 lag die Zahl sogar noch deutlich höher. Rund 130 Unfälle registrierte die Polizei in dem Jahr, etwa 70-mal meldeten die Verursacher den Schaden erst viel später oder gar nicht.

Da die Situation derzeit baulich nicht zu verbessern ist, versucht die Polizei nun, die Autofahrer mithilfe einer Plakatkampagne für die Gefahr zu sensibilisieren. 15 Kunststoffzylinder wurden zwischen der Kreuzung zur Berliner Allee und dem Braunschweiger Platz an Verkehrszeichen befestigt und mit blau-weißen Plakaten beklebt, die die Autofahrer darauf hinweisen, dass sie die Außenspiegel einklappen sollen, nachdem sie geparkt haben. Das Manko allerdings: Die meisten Schilder hängen aus Sicht der Fahrer viel zu hoch. „Wir müssen schauen, ob sich das ändern lässt, es darf sich ja niemand daran den Kopf stoßen“, sagt der Leiter der Verkehrsbehörde, Carsten Siegert. 3000 Euro hat die Kampagne gekostet, nach einem Jahr soll sie ausgewertet werden. „Zeigt die Kampagne Erfolg, könnte sie auch in anderen Straßen fortgeführt werden“, sagt Siegert. Etwa in der Hildesheimer Straße oder in der List und Vahrenwald.

Die Idee, das Problem auf die psychologische Art anzugehen, stammt unter anderem von Polizeikommissar Frank Trappen. Er gehört zu den Beamten, die viel Arbeitszeit darauf verwenden müssen, Unfälle mit beschädigten Autospiegeln aufzunehmen und Verursacher ausfindig zu machen. „Das ist für das Kommissariat eine hohe Belastung, denn da kommen im Jahr weit über 600 Stunden zusammen“, sagt er. Diese Kräfte fehlen an anderen Stellen. Auch Flyer zum Thema klemmen die Beamten in unregelmäßigen Abständen unter die Scheibenwischer parkender Autos, doch die Nachhaltigkeit ist begrenzt. „Es zeigt sich, dass die Autofahrer nach acht bis zehn Wochen wieder genauso nachlässig sind wie vorher“, sagt Kriminalhauptkommissar Thomas Block. Daher musste nun eine dauerhafte Lösung her.

Von dem Problem sind laut Polizei alle Fahrzeugklassen betroffen. Denn Studien zufolge sind Autos seit 2000 im Schnitt um 15 Zentimeter breiter geworden. Ein VW Passat etwa maß in den Siebzigerjahren noch 1,62 Meter, heute ist er 1,83 Meter breit. Die Außenspiegel sind darin nicht eingerechnet. Dazu kommt der Trend zu großen Autos wie SUV oder Vans. Im Regelfall sind Parkplätze zwischen 2,30 Meter und 2,50 Meter breit. Daher kann der Abstand zur Fahrbahn bei breiten Autos sehr gering werden. Dass sich Unfälle durch den vorbeifahrenden Verkehr nie ganz verhindern lassen werden, wissen die Beamten des Südstädter Kommissariats. „Aber wenn eine Hauptursache ein leichtes Fehlverhalten der Autofahrer ist, so lässt sich das Risiko minimieren“, sagt Block.

Platz-Problem auch in Parkhäusern

Von den 5800 Stellplätzen in Hannovers Innenstadtparkhäusern ist mindestens die Hälfte deutlich zu eng für heutige Autobreiten. Das hat kürzlich eine Analyse des ADAC ergeben.

2,30 Meter war lange Zeit das Standardmaß für Parkbuchten, wenn nebenan weitere Autos stehen. Das Maß gilt als hoffnungslos veraltet – auch wenn die sogenannte Garagenverordnung weiterhin diese Breite vorsieht.

2,50 Meter gilt heute als Mindestmaß, wenn Autofahrer ihre Wagentüren öffnen wollen, ohne das eigene oder das Nachbarauto zu zerkratzen. Wer etwa eine Babysitzschale aus dem Auto hieven muss, braucht noch mehr Platz.

Parkhausbetreiber wie Union-Boden, die zehn der 16 Innenstadtparkhäuser betreiben, rüsten allmählich um. Im neuen Parkhaus Osterstraße sind 85 Prozent der Stellplätze 2,50 Meter breit. In der Tiefgarage Opernplatz gibt es sogar 14 XXL-Stellplätze mit 3,10 Metern Breite – allerdings ist es die teuerste Parkgarage der Stadt. Auch beim bevorstehenden Umbau der Tiefgarage Raschplatz sollen breitere Plätze entstehen. Probleme machen aber die Säulen, deren Abstände auf 2,30-Meter-Parkbuchten ausgerichtet sind.

med

Von Isabel Christian

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