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Abiturienten bekommen Zeugnisse

Doppeljahrgang Abiturienten bekommen Zeugnisse

Die ersten Schulen haben am Donnerstag ihre Abiturienten entlassen und die Zeugnisse verteilt. Wegen des Doppeljahrgangs musste die St.-Ursula-Schule den Kuppelsaal in der Stadthalle mieten - hier zählte der Abschlussjahrgang 232 Schüler.

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Geschafft: Die Zeugnisübergabe der Goetheschule in der Herrenhäuser Kirche.

Quelle: ainer Surrey

Hannover. Es hat lange gedauert, bis Abiturient Felix Hanstedt alle Mitstreiter an seiner Schule zum ersten Mal gesehen hat. Genau genommen war es erst am Donnerstag bei der Entlassungsfeier soweit, als den 232 Abiturienten nach und nach die Zeugnisse in die Hand gedrückt wurden. „Einige Mitschüler sind mir wirklich erst heute begegnet“, staunt der 19-Jährige. Der doppelte Abiturjahrgang fiel an der St.-Ursula-Schule einfach besonders groß aus. Und so hatte Schulleiter Ewald Wirth den Kuppelsaal in der Stadthalle gemietet, damit die rund 1200 Schüler, Eltern, Geschwister, Großeltern und Lehrer auch tatsächlich Platz finden. Auch zeitlich wollte man jeden Rahmen sprengen: Inklusive Gottesdienst vorweg und Sektempfang am Schluss feierte die Schule fünf Stunden lang, und abends ging es an gleicher Stelle mit dem Abi-Ball weiter.

Die Erleichterung war auch einfach zu groß, dass am Ende alles gut ausgegangen ist. Schließlich machten dieses Mal an den Gymnasien die ersten Schüler Abitur, die nur noch zwölf Jahre Zeit zum Lernen hatten – zeitgleich mit den letzten, die 13 Jahre zur Schule gingen. „Schüler und Eltern fühlten sich als Versuchsobjekte. Die Reform war völlig übereilt“, erinnerte Ewald Wirth. Die Zwölftklässler hatten noch ein Jahr Orientierungsstufe erlebt und sollten dann plötzlich besonders schnell am Gymnasium durchstarten. „Es gab keine passenden Schulbücher. Aus der Not heraus betrieben die Lehrer Zettelwirtschaft und uns Eltern beschlichen Zweifel“, berichtete Elternsprecherin Hannelore Bastwöste-Klingelbiel.

Auch Simone Beyer, deren Tochter Johanna am Donnerstag stolz das Zeugnis in Händen hielt, empfand die ersten Jahre am Gymnasium als sehr stressig. „Es gab keine Bücher, kein Konzept. Aber eigentlich hatten die Schüler immer Stress.“ Die Nervosität nahm zu, als die gemeinsame Oberstufe mit dem älteren Jahrgang bevorstand. „Wir fragten uns, ob sie die Anforderungen erfüllen können.“ Doch Zusatzstunden, Mehrarbeit der Lehrer und gegenseitige Hilfe der Schüler verfehlten ihre Wirkung nicht. Johanna selbst glaubt, dass besonders ihre Eltern beim Abitur viel geleistet haben. „Meine Mutter hat sehr viel Geduld mit mir und starke Nerven bewiesen.“ Simone Beyer nickt und schweigt. Geholfen haben in der Oberstufe auch Lerngruppen, die die Jugendlichen selbst organisierten. „Da kamen zwei schlechtere Schüler auf einen besseren zu und fragten um Hilfe“, sagt Florian Zapf aus dem 13. Jahrgang. Und nicht immer waren es die Jüngeren, die Unterstützung brauchten. Das kam auch Jan-Niklas Griese zugute, der von der Realschule ans Gymnasium wechselte. „Meine Freunde haben mich hochgehalten“, sagt der 18-Jährige aus dem 13. Jahrgang mit strahlendem Lächeln.

Der zwölfte Jahrgang stand dem 13. in nichts nach

Auch die 149 Abiturienten der Goetheschule wurden am Donnerstag in der Herrenhäuser Kirche entlassen. Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Insgesamt 31 „Einser-Abiturienten“ — darunter drei Schüler mit 1,0 — gab es zu feiern. Den Schulleiter freute es besonders, dass der zwölfte Jahrgang dem 13. in nichts nachstand. „Aber am wichtigsten ist doch, dass ihr hoffentlich alle euren Spaß hattet“, sagte Schulleiter Wilhelm Bredthauer. Da konnten ihm die Abiturienten nicht widersprechen.

An der St.-Ursula-Schule bestanden am Ende zwei Schüler das Abitur nicht. Die Abiturienten glänzen mit der Durchschnittsnote von 2,25. Die Zwölftklässler erreichten sogar 2,21 als Abi-Schnitt, der 13. Jahrgang 2,30. Fünf der jüngeren und zwei der älteren Abiturienten können einen Abiturdurchschnitt von 1,0 vorweisen. Auch an anderen Gymnasien bewies der zwölfte Jahrgang Stärke. An der Wilhelm-Raabe-Schule, die heute 101 Abiturienten in der Aula entlässt, zeigten beide Jahrgänge ähnliche Leistungen, ähnlich wie an der Ricarda-Huch-Schule. Letztere feiert am Freitag ihren Abschluss in der Markuskirche, weil die Schulaula für 600 Menschen, darunter die 143 Abiturienten, nicht ausreichen würde.

„Erst wurde uns eingetrichtert, dass wir es schwerer haben. Dann haben wir uns schnell angepasst“, sagt Chiara Battaglia von der St.-Ursula-Schule. Und eines scheint beim Abi-Jahrgang 2011 ganz ähnlich zu sein wie immer: Die Zielstrebigen haben ihre Zukunft schon durchgeplant, so wie Alexander Schulz, der sich einen dualen Studienplatz bei Siemens gesichert hat und dafür dreimal vor und während der Abi-Prüfungen zu Tests nach Berlin fahren musste. Und dann gibt es die vielen anderen, die sich nicht nervös davon machen lassen, wie alt sie sind oder wie viele Mitkonkurrenten um Studienplätze auf den Markt drängen. „Ich weiß einfach noch nicht, was ich studieren will“, sagt Felix Hanstedt. Deshalb wird er nun als Freiwilliger im Handballverein arbeiten. Johanna fliegt in zwei Wochen nach Australien zum Jobben. „Solange, wie das Geld reicht.“ Und die 17-jährige Chiara haben ihre Lehrer so beeindruckt, dass sie den Beruf nun selbst anvisiert. „Die meisten haben nicht nur auf Leistung geguckt, sondern wirklich in allem geholfen.“ Aber vorher will sie als Au Pair in Paris nach der ganzen Lernerei ein Jahr verbringen. „Nur für mich.“

Bärbel Hilbig und Lena Ende

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