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Abschied mit Bauchschmerzen

Oststadtkrankenhaus Abschied mit Bauchschmerzen

Leid und Tod, Rettung und Glück - an kaum einem Ort liegen extreme menschliche Erfahrungen so dicht nebeneinander wie in einem Krankenhaus. Rund 450 Ärzte, Pfleger und Patienten trafen sich am Sonnabend zu einer Abschiedsfeier auf dem Gelände des Oststadtkrankenhauses.

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Die ehemaligen Krankenschwestern Ruth Förster (93, links) und Evelis Nichterlein (81) schwelgen in Erinnerungen an alte Zeiten.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. „Ich kenne hier jede Ecke und verbinde sie mit Erinnerungen“, sagt Prof. Reinhard Brunkhorst, Chefarzt im Oststadtkrankenhaus. 32 Jahre hat er in der Klinik an der Podbielskistraße in Groß-Buchholz gearbeitet. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Ehec-Fälle - junge, gesunde Menschen, die an einem schweren Darminfekt erkrankten und zum Teil sogar starben. „Wir hatten 28 Patienten zu behandeln“, sagt Brunkhorst. Eine Krankenschwester musste psychologisch betreut werden, weil sie das Schicksal der Patienten so mitnahm.

In zwei Wochen muss sich Brunkhorst auf einen anderen Arbeitsplatz einstellen, denn am Sonnabend, 6. September, beginnt der Umzug des Oststadtkrankenhauses in das neu errichtete Klinikum Mitte auf dem Gelände des Krankenhauses Siloah. Danach werden die Klinikbauten an der Podbi abgerissen, ein neues Wohnviertel soll entstehen. „Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn die gesamte Vergangenheit plattgemacht wird“, sagt Brunkhorst.

Rund 450 Ärzte, Pfleger und Patienten trafen sich am Sonnabend zu einer Abschiedsfeier auf dem Gelände des Oststadtkrankenhauses. Veranstaltet wurde die Begegnung vom Förderverein des Klinikums. Unter den Teilnehmern waren etliche ehemalige Mitarbeiter, die einen letzten Blick auf ihre Arbeitsstätte werfen wollten. „Mit tut es in der Seele weh, dass das alles aufgegeben wird“, sagt Benita Borjahn, die 30 Jahre in der Klinik als Krankenschwester gearbeitet hatte.

Das Oststadt-Krankenhaus Heidehaus zieht ins Siloah um - am Sonnabend haben sich ehemalige Mitarbeiter und Freunde des Hauses zum Abschied getroffen.

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Auch Krankenhaus-Pastor Gunter Buffo, inzwischen im Ruhestand, sieht den Auszug mit einem weinenden Auge. „Ich habe hier so viel erlebt. Besonders tragisch war, wenn Mitarbeiter selbst erkrankten und sogar starben“, erzählt er. Froh ist er, dass es auch im neuen Klinikum Mitte einen Seelsorger geben wird. Thea Rohde, die auf 40 Jahre Arbeit als Krankenschwester zurückblicken kann, lobt die familiäre Atmosphäre und den Teamgeist unter den Kollegen. Aber sie versteht nicht, warum der Träger des Klinikums, die Region Hannover, kaum in den Erhalt der Gebäude investiert hat. „Wenn man alles besser gepflegt hätte, müsste man das Krankenhaus jetzt nicht aufgeben“, meint sie.

Bei einigen Ärzten mischen sich Wut und Ärger in die Abschiedsstimmung. „Der gesamte Umzug ist unnötig und an den Patienten vorbeigeplant“, sagt Prof. Gorig Brunner. Denn mehrere Stadtteile im Osten Hannovers seien medizinisch nicht mehr angemessen versorgt. „Dafür haben wir im Stadtzentrum jetzt drei Krankenhäuser“, ärgert sich Brunner. Tatsächlich wird das Klinikum Mitte in Linden die beiden Krankenhäuser ­Siloah und Oststadt unter einem Dach vereinen. Auf der anderen Seite des Ihme-ufers befindet sich zudem das Friederikenstift.

Chefarzt Brunkhorst kann den Ärger verstehen. „Auch ich habe für den Verbleib des Oststadtkrankenhauses gekämpft“, sagt er. Aber die politische Entscheidung sei nun einmal anders ausgefallen. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, sagt er. Der Umzug habe durchaus große Vorteile, denn etliche Spezialisten arbeiteten künftig unter einem Dach. So könne man Patienten jetzt schnell und bequem aus verschiedenen fachlichen Perspektiven in den Blick nehmen.

Zudem genüge die Unterbringung der Patienten im Oststadtkrankenhaus nicht mehr modernen Standards. „Bis zu sechs Patienten auf einem Zimmer sind zu viel“, sagt Brunkhorst. Wichtig sei, dass sich in der neuen Klinik unter den Kollegen wieder ein Teamgeist bilde.

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