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Aus der Stadt Abschied von der „Bischöfin der Herzen“ in Hannover
Hannover Aus der Stadt Abschied von der „Bischöfin der Herzen“ in Hannover
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21:51 28.02.2010
Von Juliane Kaune
Bewegende Worte: Arend de Vries, Vizepräsident des Landeskirchenamtes, verlas in der Marktkirche Zitate von Margot Käßmann – und 500 Gläubige waren ergriffen. Quelle: Christian Burkert
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Doch erwartet hat das keiner. Dass die Landesbischöfin nach dem Rücktritt von allen Ämtern persönlich vor ihre Kerngemeinde tritt, wollte ihr niemand zumuten – und sie selbst sich auch nicht. Stattdessen bleiben Passagen aus einem Brief, vorgetragen von Arend de Vries, dem Geistlichen Vizepräsidenten des Landeskirchenamtes. „Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät“, zitiert er Käßmann, die sich auf diese Weise erstmals nach ihrem Ausscheiden an die Gemeindemitglieder wendet.

Nicht nur in der Marktkirche werden die Textstellen am Sonntag verlesen: In den Gottesdiensten von rund 1500 Gemeinden der evangelisch-lutherischen Landeskirche zwischen Göttingen und Cuxhaven sind dieselben Worte zu hören. Die landesweite Trauer über den Rückzug der „Bischöfin der Herzen“ macht die Abschiedsfeier in der Marktkirche noch bewegender. Als der sichtlich betroffene de Vries die Zitate Käßmanns vorträgt, greifen mehrere Zuhörer in den Sitzreihen zum Taschentuch, um sich Tränen aus den Augen zu wischen.

Es ist der erste Gottesdienst nach dem 24. Februar. Dem Tag, an dem Käßmann die Konsequenzen aus ihrer Autofahrt unter Alkoholeinfluss gezogen hatte. Spürbar berührt ist auch Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann. „Am Sonntag vergangener Woche haben wir noch fröhlich Gottesdienst miteinander gefeiert und ahnten nicht, was kurze Zeit später folgen würde“, sagt sie vor der Gemeinde – und fügt hinzu: „Nicht Margot Käßmann hat sich verirrt, es waren andere, die sich über sie erhoben haben.“ Auf die Kanzel zu steigen hatte Kreisel-Liebermann für diesen Tag abgelehnt. Es erschien ihr angemessener, dort, wo auch Käßmann regelmäßig gepredigt hat, eine leere Stelle zu lassen. Am 7. März wäre die Bischöfin wieder an der Reihe gewesen, statt ihrer wird nun de Vries predigen.

Der Gottesdienst am Sonntag endet auf besondere Weise. „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“ – dieser von Käßmann häufig zitierte Satz stammt aus einem Kirchenlied, und die Gläubigen in der Marktkirche stimmen die Passage immer wieder an.

Elke Möller und Helga Henze haben mitgesungen. Die Gemeindemitglieder sind Käßmann seit vielen Jahren verbunden. Deren „Geradlinigkeit und Spritzigkeit“ müsse weiterhin Vorbild für die Frauen in der Kirche sein, meinen beide. Auf dem Weg zum Ausgang bleiben sie und viele andere noch einmal vor dem Gästebuch stehen, in das persönliche Wünsche für Käßmann eingetragen werden können. „Liebe Frau Käßmann, wir warten auf Sie!“ ist dort unter anderem zu lesen. Oder einfach: „Danke für alles.“

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