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Aus der Stadt Der Wächter der Zahlen verlässt die Stadt
Hannover Aus der Stadt Der Wächter der Zahlen verlässt die Stadt
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20:40 31.03.2017
Von Andreas Schinkel
Händeschütteln zum Abschied: Oberbürgermeister Stefan Schostok und Marc Hansmann. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Keine Papierstapel, keine Aktenberge, nur ein einsamer Bildschirm – das Büro von Stadtkämmerer Marc Hansmann (SPD) wirkt leer. Als hätte der 46-Jährige das übliche Büromaterial schon zu seinem neuen Arbeitsplatz im 20. Stock des Stadtwerke-Turms im Ihme-Zentrum geschafft. Doch der Eindruck täuscht. Im Büro des scheidenden Kämmerers hat es immer so ausgesehen, papierlos seit zehn Jahren. Ein bisschen Dekoration gönnt sich Hansmann aber doch in den letzten Tagen seiner Amtszeit. Auf einer Anrichte stehen ein Bild vom Rathaus, eingefräst in einen Glasquader, und drei Miniaturtürme des Lindener Heizkraftwerks in einer gläsernen Schneekugel. „Im Kopf bin ich im Moment beides, Kämmerer und Vorstandsmitglied der Stadtwerke“, sagt Hansmann grinsend.

Ab Sonnabend, 1. April, endet die Amtszeit des hannoverschen Kämmerers. Dann wechselt Hansmann in den Vorstand der Stadtwerke. Er wird sich dort um Finanzen und Technik kümmern. Letzteres überrascht, weil Hansmann kein ausgebildeter Ingenieur ist. Er hat Geschichte und Ökonomie studiert, über Kommunalfinanzen promoviert und lehrt als Honorarprofessor am Studieninstitut für kommunale Verwaltung. „Ich werde einen betriebswirtschaftlichen und strategischen Blick auf den Technikbereich werfen“, sagt Hansmann. Genau diese neue Aufgabe reize ihn. Wäre es allein um Finanzen gegangen, hätte er das Rathaus womöglich nicht verlassen.

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Mit einem Empfang für rund 170 Gäste am Freitag im Alten Rathaus hat die Stadtverwaltung Hannover den scheidenen Finanz- und Ordnungsdezernenten Marc Hansmann (SPD) geehrt. 

Hansmann sitzt bei den Stadtwerken jetzt auf der anderen Seite des Tisches. Viele Jahre kontrollierte er als Aufsichtsratschef die Geschäfte des Vorstands. „Ein- bis zweimal pro Woche hatte ich mit den Stadtwerken zu tun“, sagt er. Das Beteiligungsmanagement, also das Kümmern um die Tochterunternehmen der Stadtverwaltung, fällt offiziell in den Aufgabenbereich des Kämmerers. Für manche Kritiker, auch aus der Ratspolitik, hat der Seitenwechsel Hansmanns dennoch ein Geschmäckle. Hansmann habe als Aufsichtsratschef zunächst eine neue Vorstandschefin installiert, Susanna Zapreva, und schere dann selbst in den Vorstand ein.

Hansmann galt als junger Wilder

Seitenwechsel sind nicht untypisch für den Lebenslauf des 46-Jährigen. Vor seiner Karriere als Kämmerer hat er der Stadtverwaltung fünf Jahre auf die Finger geschaut, als Ratsherr der SPD mit Schwerpunkt Sportpolitik. Damals galt Hansmann als junger Wilder, der keinem Konflikt mit dem politischen Gegner, aber auch mit Verwaltungsleuten auswich. Nach einem Ausflug nach Berlin, wo er zwei Jahre Beamter im Bundesfinanzministerium war, trat er 2007 die Stelle des Kämmerers an.

Viele im Rathaus und in der Kommunalpolitik meinten: Der junge, energische Finanzdezernent, der sich nicht nur als Wächter der Zahlen verstand, sondern aktiv in die Stadtpolitik eingriff, werde die Karriereleiter im Rathaus weiter hochklettern. Hansmann selbst machte lange Zeit keinen Hehl daraus, dass er gern Oberbürgermeister werden würde. Doch mit seiner Heirat und der Geburt seiner Tochter änderte sich alles. „Das waren entscheidende Einschnitte in meinem Leben“, sagt Hansmann. Den Weg in die Berufspolitik wollte er fortan nicht mehr gehen, denn das hätte bedeutet, auch am Wochenende mit Terminen zugeschüttet zu werden. „Mir geht es gut, wenn beides im Gleichgewicht ist: Familie und Beruf“, sagt er.

Tochter wird Rathaus vermissen

Hansmann, ohnehin kein Freund großer Empfänge, konzentrierte sich noch mehr auf seine verwaltungsinterne Arbeit und überließ die OB-Kandidatur anderen. Mit seinem 2013 gewählten Chef Stefan Schostok lief es anfangs recht holprig, am Ende zogen beide am gleichen Strang und schnürten unter anderem ein 500-Millionen-Euro-Investitionspaket. Die neue Harmonie mit seinem Chef dürfte Hansmann helfen, schließlich ist Schostok neuer Aufsichtsratschef der Stadtwerke und damit sein oberster Kontrolleur.

In einer Ecke des Kämmerer-Büros stehen winzige Stühle, ein niedriger Tisch, ein buntes Spielzelt. „Meine Tochter habe ich häufig von der Kita abgeholt und mit zur Arbeit gebracht“, erzählt Hansmann. Ehefrau Meike Schümer, einst Verkehrspolitikerin der Grünen in der Regionsversammlung, arbeitet im Schichtdienst. In der Rathauskantine und im Restaurant Gartensaal habe er häufig mit der Fünfjährigen gespeist. „Sie wird das Rathaus vermissen, das wie ein Schloss für sie wirkte“, sagt er. Und ähnlich gehe es ihm auch, insbesondere der Abschied von seinen Mitarbeitern falle ihm schwer.

Vom 20. Stock seines neuen Büros im Ihme-Zentrum hat Hannovers ehemaliger Finanzdezernent seinen alte Wirkstätte aber gut im Blick.

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