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Aus der Stadt Hannover will keine Online-Ärzteliste für Abtreibungen
Hannover Aus der Stadt Hannover will keine Online-Ärzteliste für Abtreibungen
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08:52 30.07.2018
Frauen haben ein Recht auf Information in Sachen Schwangerschaftsabbruch: Das finden viele Sozial- und Frauenverbände in Deutschland –genau wie diese Demonstrantin. Quelle: dpa
Hannover

Die Hamburger Gesundheitsbehörde veröffentlicht Adressen von Ärzten, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, seit Jahren. Auch Berlin und Bremen wollen solche Onlinelisten baldmöglichst auf behördlichen Webseiten öffentlich machen. Die Stadt Hannover dagegen will keinen Beitrag dazu leisten, dass Frauen sich auch unabhängig vom Besuch einer Beratungsstelle darüber informieren können, wer einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt. Die Bereitstellung entsprechender Informationen sei „weder zeitnah noch mit einem geringen Aufwand leistbar“ und überdies keine kommunale Aufgabe, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion „Die Fraktion“ zum Thema “Informationsfreiheit für Schwangere“. Ethische Gründe dagegen widersprächen einer solchen Auflistung nicht.

Das ist umso bemerkenswerter, weil Experten bundesweit solche behördlichen Onlinelisten gutheißen. Ins Gespräch gekommen sind sie in der Debatte um den Paragraf 219a. Dieser verbietet es, Werbung für Abtreibungen zu machen. Gegen „Werbung“ für einen Abbruch ist auch die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle der AWO in Hannover, Bettina Kubis. Dass der Paragraf aber schon die reine Information von Ärzten, dass sie Abtreibungen machen, unter Strafe stellt, widerspreche der Informationsfreiheit für Frauen, sagt Kubis und sieht sich damit eins mit einem bundesweiten Bündnis von Sozial- und Frauenverbänden. Frauen, die ungewollt schwanger seien, befänden sich in einer absoluten Krisensituation, sagt Kubis. Alles, was Sicherheit verschaffe, sei sinnvoll – und eine öffentliche Liste mit Namen und Adressen von Ärzten gebe Sicherheit. Die Frauen könnten sich auf deren Homepages informieren, ob ihnen die Praxis gefalle, möglicherweise stießen sie sogar auf Ärzte, von denen sie schon gehört hätten, denen sie vertrauten. „Bei jeder kleinen Operation können Frauen sich im Internet informieren“, sagt Kubis. „Warum gilt das ausgerechnet bei einem so belastenden Eingriff wie einem Schwangerschaftsabruch nicht?“

Der hannoversche Frauenarzt Christian Albring, zugleich Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), hält es es zudem für einen „wichtigen Zwischenschritt“, dass aufgrund des Verbots für Ärzte zunächst unabhängige Behörden informieren: solange, bis im Bundesrat über die Abschaffung des 219a entschieden ist. So eine Online-Liste sei vor allem notwendig für Frauen aus Dörfern und kleinen Städten im Umland von Hannover, die eine Abtreibung nicht beim möglicherweise einzigen Gynäkologen am Ort, sondern anonym in Hannover vornehmen lassen wollten. Beratungsstellen würden aber zumeist nur die Ärzte vor Ort kennen.

Albring hat in Abstimmung mit dem Sozialministerium sogar schon eine niedersachsenweite Abfrage unter den niedergelassenen Frauenärzten gestartet, wie sie zu einer Veröffentlichung im Internet stehen. Er präferiert eine landesweite Liste, weil er überall im Land Frauen auch einen anonymen Abbruch in einer anderen Stadt ermöglichen will und erwartet ein Ergebnis nach der Sommerpause. Datenschutzrechtlich sei das Einverständnis der Gynäkologen Voraussetzung für die Veröffentlichung, heißt es aus dem Sozialministerium. Betreuen könne eine solche Liste eine von den Arztpraxen unabhängige Landesbehörde oder Institution.

Julian Klippert von der Fraktion „Die Fraktion“ sieht die Landeshauptstadt in der Pflicht, proaktiv voranzugehen und mit einer Onlineliste ein Zeichen für Selbstbestimmungsrechte und Informationsfreiheit von Frauen in Hannover zu setzen. Schwer zu erstellen wäre sie nicht. Man bekomme sie in jeder Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle und beim BVF, sagt Frauenarzt Albring.

Von Jutta Rinas

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