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Acht Seniorinnen wohnen gemeinsam in Demenz-WG

Zooviertel Acht Seniorinnen wohnen gemeinsam in Demenz-WG

Obwohl sie an Demenz leiden, leben acht Seniorinnen im Zooviertel zusammen in einer Wohngemeinschaft. Wie das funktioniert und wie der Alltag in so einer besonderen WG aussieht, haben sie der HAZ gezeigt. Ein Besuch.

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Obwohl sie an Demenz leiden, leben acht Seniorinnen im Zooviertel in einer Wohngemeinschaft.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Die Stimmung ist gut in der Senioren-WG: Zusammen mit ihren sieben Mitbewohnerinnen sitzt Waltraud Jung vor dem Fernseher und schaut eine Quiz-Show. An den Wänden des gemütlichen Wohn- und Essbereichs hängen Bilder von vergangenen Geburtstagsfeiern. Ab und an gibt es für die 78-Jährige und die anderen abends auch mal ein Glas Wein. Nichts Ungewöhnliches für eine Wohngemeinschaft. Doch in einem – abgesehen vom Alter – unterscheidet sich das Wohnprojekt an der Gellerstraße von anderen WGs: Die Bewohner sind alle an Demenz erkrankt.

In einer ganz besonderen Wohngemeinschaft in Hannover sind alle Bewohner an Demenz erkrankt.

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Die jüngste der Bewohnerinnen ist 71 Jahre alt, die älteste hat gerade ihren 96. Geburtstags gefeiert. „Hier ist alles schön“, sagt Jung. Eilenriede und der Zoo sind ganz in der Nähe – perfekt also für Ausflüge. Und auch in der Wohnung ist immer etwas los: Es kann es schon einmal passieren, dass Kaninchen zwischen den Beinen der Senioren herumhoppeln. Denn nicht nur Besuche von Ergo- und Physiotherapeuten stehen für die Seniorinnen auf dem Programm, sondern auch Tiertherapie. „Das wird dann auch gemeinsam im Wohnzimmer gemacht“, sagt Gudrun Holz, Geschäftsführerin des Pflegedienstunternehmens CarePool, das die Demenz-WG im Zooviertel betreut. Zwei weitere solcher Wohngemeinschaften gibt es in Hannover, zwei Wohngruppen hat CarePool zudem in Garbsen. Vor elf Jahren hat das Unternehmen seine erste Demenz-WG in Hannover ins Leben gerufen. Das Konzept erfreue sich großer Beliebtheit, sagt Geschäftsführerin Holz. „Besonders in der Südstadt ist die Nachfrage groß.“

Der Alltag wird individuell auf die Bewohner angepasst. Wer gerne kocht, darf den Kochlöffel schwingen. Bügelbegeisterte glätten auch schon mal die Kleidung ihrer Wohnungsgenossen. „Aber niemand muss sich beteiligen, wenn er nicht will“, betont die Care­Pool-Geschäftsführerin.

Zwei Pflegerinnen kümmern sich an der Gellerstraße um die acht Bewohnerinnen – im Pflegeheim wären sie für zwei Dutzend Personen zuständig. In der Nacht ist eine Pflegekraft vor Ort. Mit Demenzkranken wird vor allem psychobiografisch gearbeitet, erklärt Betreuerin Conny Boskovic. Sie versucht, mit den Bewohnern über wichtige Episoden ihres Lebens zu sprechen, etwa beim Durchblättern von Fotoalben. „Dadurch erinnern sie sich wieder“, erklärt Boskovic. Auch die Zimmer, in denen eigene Möbeln stehen, helfen dem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge. Voraussetzung für die psychobiografische Behandlung ist, dass die Betreuer auch das Leben der Demenzkranken kennen. Das benötigt Zeit. Zeit, die ein ambulanter Pflegedienst zum Beispiel nicht in dem Maße aufwenden kann. Allerdings hat das auch seinen Preis.

Boskovic ist selbstständige Alltagsbetreuerin und kommt regelmäßig in die Wohngemeinschaft im Zooviertel. Ihr gefällt die Idee der Demenz-WG. „Die Betreuten fühlen sich aufgehoben – obwohl die Zeit auch hier knapp ist“, sagt sie.
Bewohnerin Hildegard Urbanski fühlt sich pudelwohl in ihrer WG. „Hier ist eine freundschaftliche Gemeinschaft. Und langweilig ist mir auch nie“, sagt die rüstige 96-Jährige. Vor eineinhalb Jahren kam sie aus der Roscherstraße in die Wohngemeinschaft. Fröhlich erzählt sie von ihrem Bruder und den gemeinsamen Ausflügen ans Steinhuder Meer. In der Gellertstraße hat es sich eine reine Mädels-WG gemütlich gemacht. Wer einziehen darf, bestimmen die Angehörigen. „Männer brauchen wir hier nicht“, witzelt Urbanski.     

Von Madeleine Buck

Nicht günstiger 
als ein Pflegeheim

Ziel der Demenz-WG ist, dass die Bewohner bis an ihr Lebensende in der vertrauten Umgebung bleiben können. Dafür schließen die Bewohner einen Vertrag mit dem Pflegedienst-Unternehmen CarePool aus Hannover. Die Einrichtung der Zimmer bringen die Mieter in der Regel selbst mit.

Trotzdem sind die Kosten für die Demenz-WG nicht geringer als in einem Pflegeheim: Für die Pflege und Betreuung wird ein nach Pflegestufen gestaffelter monatlicher Betrag erhoben. Neben den Miet- und Nebenkosten wird zudem ein von den Angehörigen und Betreuern festgelegtes Haushaltsgeld fällig: für Einkäufe, Putz- und Waschmittel oder Anschaffungen, wenn etwas kaputt geht. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (05 11) 2 60 90 60.

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