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Gartenbesitzer laufen Sturm gegen Pläne der Stadt

Änderung der Baumschutzsatzung Gartenbesitzer laufen Sturm gegen Pläne der Stadt

„Das ist kompletter Schwachsinn“: Kleingärtner protestieren gegen den Plan der Stadt, die Baumschutzsatzung zu überarbeiten. Künftig sollen Bürger Äste mit mehr als zehn Zentimetern Durchmesser nur noch mit Sondergenehmigung absägen dürfen.

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„In meinem Kleingarten mache ich, was ich will“: Ingrid Mittag will auch künftig die Säge ansetzen, ohne sich um die Baumsatzung zu kümmern.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Aus Sicht der Kleingärtner stellen die neuen Regeln eine Verschärfung der Satzung dar. Das Urteil fällt, gelinde gesagt, drastisch aus: „Die Baumschutzsatzung ist kompletter Schwachsinn“, sagt Kleingärtnerin Ingrid Mittag. Die überarbeitete Satzung, die die Verwaltung der Politik vorgelegt hat, sieht vor, dass für das Abschneiden von Ästen mit mehr als zehn Zentimetern Durchmesser eine Sondergenehmigung der Stadt einzuholen ist.

Mit solchen Ästen aber hat Ingrid Mittag es ständig zu tun. „Ich will meine Zweige ohne Genehmigung zurückschneiden dürfen“, sagt sie. Und hält fest: „Wenn ich in meinem Kleingarten bin, dann mache ich, was ich will. Daran wird mich auch in Zukunft keiner hindern.“

"Tödlich für jeden, der einen Baum pflanzen will“ 

Auch Karl-Heinz Rädecker, Verbandspräsident der hannoverschen Kleingärtner, bemüht sich nicht um diplomatische Formen der Kritik. „Wenn ich diesen Schwachsinn höre, habe ich den Eindruck, SPD und Grüne bestimmen künftig absolut alles in Hannover“, sagt Rädecker. „Das ist tödlich für jeden Hannoveraner, der einen Baum pflanzen will.“ Nach seiner Ansicht traut sich das womöglich bald schon niemand mehr. Nach der Lesart des Verbandschefs muss jeder Angst haben, den eigenen Baum nicht mehr stutzen zu dürfen. Gleichzeitig lasse die Verwaltung selbst ständig alte Bäume fällen.

Hannoversche Naturschützer sowie die Ratsmehrheit von SPD und Grünen hingegen begrüßen den Vorstoß der Verwaltung, wonach genauer definiert wird, wo an gesunden Bäumen die Säge angesetzt werden darf - und wie hoch das Bußgeld ausfallen soll, wenn die Regeln missachtet werden. Vonseiten der Verwaltung will man die aktualisierte Fassung der Satzung deshalb eher als Präzisierung und nicht als Verschärfung verstanden wissen.

Was meinen Sie?

Dicke Äste absägen, Baumkronen kräftig stutzen – solche Gartenarbeiten sind künftig nur in Ausnahmefällen möglich. Was halten Sie davon?

„In der letzten Zeit verlieren wir immer mehr alte Bäume in der Stadt“, sagt Naturschutzreferent René Hertwig beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Hannover. Zwar heiße es immer, es würden neue Bäume als Ersatz gepflanzt, doch seien junge Bäume eigentlich kein wirklicher Ersatz für 50 bis 60 Jahre alte Pflanzen. „Viele Privatleute, aber auch unqualifizierte Mitarbeiter von Gärtnereien beschneiden Bäume zu stark und schwächen sie damit so sehr, dass sie eingehen“, sagt Hertwig. Das bestätigt auch Sebastian Krüger, studierter Baumexperte bei der hannoverschen Landschafts- und Gartenbaufirma Janisch. „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass viele Personen, die oft große Eingriffe an Bäumen durchführen, meist nicht einschätzen können, ob es nötig ist oder nicht“, sagt Krüger. Außerdem habe er in den bisher vier Jahren seiner Tätigkeit rund 800 Bäume bearbeitet, und lediglich zwei davon in so großem Umfang, dass eine Genehmigung dafür notwendig gewesen sei. Im Grunde ändere sich an der bisherigen Baumsatzung gar nichts. „Es ist einfach eine Präzisierung, die Personen ohne die entsprechende Ausbildung helfen soll, wenn sie Bäume beschneiden wollen“, sagt Krüger. „So wissen sie genau, wann sie eine Genehmigung dafür brauchen.“

Genau darin sieht Rädecker ein Problem. „Uns haben die Stadtwerke kontaktiert, dass wir an 30 Kleingartenanlagen doch bitte die überirdischen Stromleitungen freischneiden sollen“, sagt er. „Müssen wir uns für den Auftrag von der Stadt jetzt eine Ausnahmegenehmigung holen?“, sagt Rädecker. Sein Verband hat bereits einen Brief an die Verwaltung geschickt, in dem die Kleingärtner ihrem Ärger Luft verschaffen.

Das ändert sich durch die neue Satzung

Die Stadt Hannover hat die seit 1995 gültige Baumsatzung überarbeitet und den Ratsgremien vorgelegt. In der neuen Version, über die die Mitglieder abstimmen sollen, ist es nicht mehr erlaubt, gesunde Äste abzusägen, die einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern haben. Dabei orientiert sich die anvisierte Regelung an dem bestehenden Schriftstück. Unter Schutz stehen demnach alle Bäume, deren Stamm in einem Meter Höhe, gemessen vom Boden, einen Umfang von mehr als 60 Zentimetern hat.

Auch „wesentliche Eingriffe“ in die Baumkrone sollen zukünftig verboten sein. Das gilt auch für Sträucher, deren Höhe die Marke von drei Metern überschreitet. Die Verwaltung will mit dieser „Präzisierung“ verhindern, dass Bäume und Sträucher in Hannover willkürlich beschnitten werden. Wer dennoch Bäume in seinem Garten stutzen will, braucht dafür eine Ausnahmegenehmigung vom Grünflächenamt der Stadt. Kappt man dickere Äste ohne diese, droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro.

Von Jörn Kießler und Linda Tonn

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