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Streit bahnt sich an

Ärger um Pläne für NS-Museum in Hannover

Von Andreas Schinkel

Zwischen Stadt und Region bahnt sich ein Streit um die Hoheit über die Gedenkkultur in Hannover an. Auslöser sind die Pläne der Stadt, ein eigenes NS-Museum einzurichten – obwohl die Region 2,5 Millionen Euro in den Ausbau der Gedenkstätte Ahlem investiert.
Foto: Regionspräsident Hauke Jagau.

Regionspräsident Hauke Jagau.

© Martin Steiner

Hannover. Erheblichen Unmut hat das Vorhaben der Stadt bei Mitgliedern des Fördervereins der Gedenkstätte Ahlem ausgelöst. „Man bekommt den Eindruck, dass die Stadtverwaltung nicht mit uns kooperiert, sondern konkurriert“, sagt Hans-Jürgen Hermel vom Förderverein. Auch die Mitglieder der Fachkommission, die den Ausbau der Ahlemer Gedenkstätte seit drei Jahren vorantreibt, sind verärgert. Denn erst aus der Zeitung haben sie von den Plänen für ein NS-Museum erfahren, obwohl auch ein Vertreter der Stadtverwaltung ihrem Kreis vertreten ist. Die Fachleute – überwiegend Historiker der Leibniz Universität – fordern jetzt Regionspräsident Hauke Jagau zum Eingreifen auf. In einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, bitten sie Jagau, das Gespräch mit der Stadt zu suchen, „um weiteren Irritationen der Öffentlichkeit vorzubeugen“.

Der Regionspräsident ist dieser Bitte offenbar gefolgt. „Stadt und Region sind im Gespräch, das Thema hat einen hohen Stellenwert“, teilte Regionssprecherin Christina Kreutz am Montag mit. Derzeit werde diskutiert, ob es zwei Erinnerungszentren in Hannover geben soll oder ob das NS-Museum der Stadt und die Gedenkstätte Ahlem verschmelzen. „Da stellt sich die Frage, ob die Gedenkstätte nach dem Ausbau genug Platz bietet“, sagt Kreutz. Die Region hatte einen Architektenwettbewerb für die Neugestaltung ausgelobt. Der Siegerentwurf sieht den Neubau eines gläsernen Eingangsgebäudes vor, eine neue Ausstellung sowie die Anlage eines Schulgartens auf dem Außengelände, das die Tradition der Israelitischen Gartenbauschule aufgreift. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.

Die Stadtverwaltung mag aber auf ein eigenes Ausstellungszentrum nicht verzichten und weist den Vorwurf der Konkurrenz von sich. „Wir wollen die Geschichte der sieben Zwangsarbeiterlager in Hannover zeigen“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Dieter Wuttig. Diese sogenannten Außenlager würden in der Gedenkstätte Ahlem nicht thematisiert. „Deshalb herrscht Arbeitsteilung: Die Region kümmert sich um Ahlem, die Stadt um die Außenlager“, sagt Wuttig.

Wo das städtische NS-Museum einziehen soll, ist bisher unklar. Der Bezirksrat Mitte hatte kürzlich beschlossen, die Dokumentationsstätte in einem neuen Gebäude am Hohen Ufer unterzubringen. „Das muss noch aus städtebaulicher Sicht geprüft werden“, sagt Wuttig.

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