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Aus der Stadt Wer demonstriert, der schwänzt
Hannover Aus der Stadt Wer demonstriert, der schwänzt
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00:15 27.11.2013
Von Bärbel Hilbig
Wenn am Dienstag die Klassenzimmer leer bleiben, könnte den an der Demonstration teilnehmenden Schülern ein unentschuldigter Fehltag drohen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Eine für Dienstag in Hannover geplante Schülerdemonstration sorgt vor allem bei Eltern zunehmend für Irritationen. Die Kundgebung, die von zwei 17-jährigen Schülerinnen angemeldet wurde, richtet sich gegen die von der Landesregierung geplante Verlängerung der Unterrichtszeit für Gymnasiallehrer um eine Stunde pro Woche. Erwartet werden rund 1000 Demonstranten. Eltern äußern die Sorge, die Schüler könnten von ihren Lehrern instrumentalisiert werden. Darüber hinaus sind etliche verärgert darüber, dass die Demonstration um 9.30 Uhr, also mitten in der Unterrichtszeit, stattfinden soll. Das schafft zusätzliche Probleme, weil Schüler für das Fehlen vom Unterricht gegebenenfalls eine Entschuldigung ihrer Eltern beibringen müssen.

Dutzende Lehrer haben in der Innenstadt von Hannover mit einer Regenschirmformation gegen die Sparpläne der Landesregierung für die Gymnasien demonstriert.

Das Kultusministerium hat zu diesem Thema eine Richtlinie formuliert, die Raum für Spekulationen lässt. Darin heißt es, die Teilnahme an einer Demonstration rechtfertige keine Beurlaubung vom Unterricht. Allerdings sieht das Ministerium einen Spielraum: Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit wiegt schwerer, wenn die Ziele der Demo zu einer anderen Uhrzeit weniger gut zur Geltung gebracht werden können. Im Zweifel soll der Schulleiter entscheiden, ob er eine vorher eingereichte Entschuldigung akzeptiert oder der Schüler unentschuldigt fehlt.
„Uns ist das zu schwammig“, sagt Beate Günther, Sprecherin der hannoverschen Gymnasialleiter. Mit ihrem Ko-Sprecher, Karl-Heinz Heinemann von der Lutherschule, hat Günther sich auf eine eindeutige Position verständigt: Wenn Schüler zur Demonstration gehen, fehlen sie unentschuldigt. „Der unentschuldigte Fehltag muss auf dem Zeugnis vermerkt werden. Das geht leider nicht anders“, sagt Günther, selbst Leiterin der Schillerschule.

Fehlzeit hätte keinen Einfluss auf die Noten

Der Vermerk auf dem Zeugnis hat in vielen Fällen keine weiteren Folgen. Er solle vor allem die Eltern offiziell über die unentschuldigten Fehltage ihres Kindes informieren, sagt Günther. „Das beeinflusst die Noten nicht. Und in diesem Fall wissen die Eltern ja, wieso ihr Kind gefehlt hat.“ Lehrer, die häufig Abschlussklassen betreuen, warnen allerdings: Auf einem Zeugnis, mit dem Schüler sich bewerben wollen, ist jede negative Bemerkung schädlich. Nicht ratsam ist die Teilnahme an der Demo auch für Schüler, die bereits häufiger geschwänzt haben, die Dienstag eine Klassenarbeit schreiben oder Unterricht mit Vorbereitung für eine Klausur haben.

Die Sprecher der Gymnasiumsleiter wollen mit ihrer Aussage Klarheit über die Konsequenzen eines Fehltags schaffen – und wohl auch dem Vorwurf von Eltern entgegenwirken, Lehrer schickten ihre Schüler für eigene Interessen zum Demonstrieren. „Wir hätten es vorgezogen, wenn die Demonstration außerhalb der Unterrichtszeit stattfindet“, sagt Günther. Offen bleibt dennoch, wie an den einzelnen Gymnasien mit Entschuldigungen zur Demo-Teilnahme umgegangen wird. An manchen Schulen hat die Schülervertretung Eltern über die Möglichkeit informiert, ihr Kind per formlosem Schreiben vorher beurlauben zu lassen. Im Zweifelsfall bekommen Eltern nur Klarheit, wenn sie sich direkt an der Schule ihres Kindes erkundigen.

Fehlen in der Schule als Zeichen für die Wichtigkeit des Themas

Die Demo-Organisatoren von der Kooperativen Gesamtschule Neustadt verteidigen ihre Wahl der Uhrzeit. „Wir glauben, dass wir vormittags wesentlich eher die Aufmerksamkeit der Politik erlangen. Auch weil wir mit dem Fehlen in der Schule zeigen, wie wichtig uns das Thema ist“, sagt Schülerin Rivka Schimmelpfeng. 

Für Kultusministerin Frauke Heiligenstadt geht das Thema Mittwoch gleich weiter: Beim Philologentag in Goslar ist sie wieder mit Protesten zur Lehrerarbeitszeit konfrontiert.

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