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Aus der Stadt Ärzte klagen über zu viele Kaiserschnitte
Hannover Aus der Stadt Ärzte klagen über zu viele Kaiserschnitte
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00:17 12.08.2015
Von Mathias Klein
Ein Kaiserschnitt sollte nur in medizinischen Notfällen ausgeführt werden – die unnatürliche Geburt birgt auch Risiken für die Mütter. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Die Kaiserschnittrate liegt beispielsweise in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) derzeit bei rund 35 Prozent. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO ist jedoch nur bei 10 bis 15 Prozent der Schwangeren ein Kaiserschnitt aus medizinischen Gründen notwendig.

Viele schwangere Frauen kämen in die MHH mit der festen Absicht zur Geburt, ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, berichtet der Ärztliche Direktor der MHH-Frauenklinik, Professor Peter Hillemanns. Die Frauen hätten eine vaginale Geburt bislang gar nicht als Alternative in Betracht gezogen, berichtet er. „Wir versuchen, dagegen zusteuern“, sagt Hillemanns. Aber das sei nicht so einfach.

„Hoher Risikofaktor für die Mutter“

Die MHH will deshalb im Herbst die niedergelassenen Frauenärzte einladen in der Hoffnung, dass diese ihre schwangeren Patienten während der Vorsorgeuntersuchungen stärker über die Risiken eines Kaiserschnitts aufklären.

„Der Kaiserschnitt ist ein hoher Risikofaktor für die Mutter“, sagt der Chef der Frauenklinik der Diakonischen Dienste, Professor Ralf Schild. Denn jede Operation sei mit einem Risiko verbunden, berichtet er. Außerdem hat ein Kaiserschnitt auch Auswirkungen auf weitere Geburten: Durch eine Narbe an der Gebärmutter schwinden die Chancen auf eine vaginale Geburt.

Viele Frauen wollen keine Schmerzen

Auch Schild beobachtet, dass viele schwangere Frauen sich eine Geburt ausschließlich per Kaiserschnitt vorstellen. Zwar seien die meisten niedergelassenen Ärzte in dieser Beziehung sehr zurückhaltend, betont der Chefarzt. Dennoch bekämen die Schwangeren sowohl von Bekannten als auch von einigen Ärzten den Rat, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. „Das beeinflusst die Frauen“, sagt er. Die Frauen hätten oft Angst vor möglichen Risiken einer vaginalen Geburt wie Beckenbodenschäden oder Inkontinenz, berichtet Schild. Aber auch die möglichen starken Schmerzen einer natürlichen Geburt spielten bei der Wahl des Kaiserschnitts eine wichtige Rolle, erläutert der Mediziner.

Wenn sich die Schwangeren dann im Friederikenstift oder in der Henriettenstiftung vor dem Geburtstermin vorstellen, nutzen die Ärzte die Möglichkeit mit ihnen zu reden. „Wir bieten auch ein Gespräch mit einer Hebamme an“, berichtet Schild. Die Schwangeren, die bei ihrer Auffassung blieben, bekämen auch einen Kaiserschnitt. Zwar präferierten die beiden Kliniken der Diakonischen Dienste die vaginale Geburt, betont der Mediziner, „aber wir machen das, was die Leute wollen.“

Kaiserschnittrate in Niedersachsen leicht angestiegen

Im Perinatalzentrum der Henriettenstiftung, wohin – wie auch in der MHH – zahlreiche Frauen mit Risikoschwangerschaften kommen, liegt die Rate der Kaiserschnitte bei 28 Prozent, im Friederikenstift nur bei 16 Prozent. Niedersachsenweit lag die Kaiserschnittrate bei 28,4 Prozent, sie ist in den vergangenen Jahren leicht angestiegen.

Die von den Krankenkassen mit den Krankenhäusern verrechneten Pauschalen liegen nach Auskunft des Sprechers der AOK Niedersachsen, Oliver Giebel, für eine normale Geburt bei 2502 Euro, die Kosten für einen geplanten Kaiserschnitt 3405 Euro und für einen Notfall-Kaisers 3918 Euro.

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