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Aus der Stadt 30 Flüchtlinge erleiden Pilzvergiftung
Hannover Aus der Stadt 30 Flüchtlinge erleiden Pilzvergiftung
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00:18 19.09.2015
Von Tobias Morchner
Warnung vor dem Knollenblätterpilz: Ärztin Dr. Massoumeh Attaran hängt in der Flüchtlingsunterkunft im Oststadtkrankenhaus ein Plakat auf. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) müssen in diesen Tagen vermehrt Flüchtlinge behandeln, die sich eine schwerwiegende Pilzvergiftung zugezogen haben. Allein in der Nacht zu Mittwoch wurden 17 Patienten mit zum Teil schwersten Symptomen in die Klinik für Gastroenterologie gebracht. Da die Kapazitäten für die Versorgung einer derart großen Anzahl in der MHH nicht ausreichten, mussten einige Patienten in andere Krankenhäuser, unter anderem bis nach Kassel, verlegt werden. Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen bereits 30 vergiftete Flüchtlinge behandelt, die unbewusst alle Knollenblätterpilze zu sich genommen hatten.

Vor allem Flüchtlinge aus Syrien betroffen

Nach Angaben der Hochschule handelt es sich bei den Betroffenen in erster Linie um Flüchtlinge aus Syrien. „Dort scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnelt“, sagt Oberärztin Andrea Schneider. Nicht auszuschließen ist, dass die Pilze suchenden Flüchtlinge in Unkenntnis gehandelt haben und den Knollenblätterpilz schlicht mit dem Champignon verwechselt haben. Der Knollenblätterpilz zählt zu den giftigsten in Deutschland. Nach Angaben der MHH ist er für 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen hierzulande verantwortlich. „Sein Gift wirkt erst mehrere Stunden nach dem Verzehr und ist dann bereits im ganzen Körper aufgenommen worden“, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn.

Erste Anzeichen einer Knollenblätterpilzvergiftung sind Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Nach ein bis zwei Tagen kommt es zur Schädigung der Leber in Kombination mit Nierenfunktions- und Blutgerinnungsstörungen. „Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein - dann kann nur noch eine Organtransplantation das Leben des Patienten retten“, sagt Zorn. Michael Manns, der Chef der Klinik für Gastroenterologie, rät, bereits bei den ersten Anzeichen einer Pilzvergiftung umgehend den Notarzt zu rufen: „Zur Erleichterung der Diagnose sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben werden“, sagt der Mediziner.

Um die Anzahl der Vergiftungen bei Flüchtlingen in der gerade gestarteten Pilzsaison so gering wie möglich zu halten, hat die MHH in aller Eile ein Plakat in arabischer Sprache erstellt, auf dem eindringlich vor dem Verzehr von Knollenblätterpilzen gewarnt wird. Die Warnhinweise werden in diesen Tagen über das Netzwerk Flüchtlingshilfe der Hochschule in allen Flüchtlingsunterkünften der Stadt ausgehängt werden. „Wir haben darüber hinaus mit der Deutschen Gesellschaft für Mykologie Kontakt aufgenommen. Sie werden die Plakate nach und nach über ihre Pilzberater in allen Flüchtlingsunterkünften der Republik verteilen“, sagt MHH-Sprecher Zorn.


So können Sie den Knollenblätterpilz erkennen

Der Knollenblätterpilz ist in den Farben grün, grün-gelb oder weiß zu finden. Er wächst zwischen August und Oktober vorzugsweise in Laubwäldern. Er hat einen drei bis 15 Zentimeter breiten Hut, der schirmartig ausgebreitet ist. An der Unterseite finden sich weiße Lamellen. Pilzesammler, die dennoch unsicher über die Qualität ihrer Funde sind, können sich regelmäßig von den Experten der Pilzberatung des Schulbiologie-Zentrums beraten lassen.

Die Begutachtung der gesammelten Pilze findet auf dem Gelände am Vinnhorster Weg 2 in Burg statt. Der nächste Beratungstermin ist bereits am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Die übrigen sind dann vom 28. September bis einschließlich dem 2. November immer montags in der Zeit von 16.00 bis 17.30 Uhr.  

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