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Aus der Stadt Ärztekammer reißt ihr Hochhaus am Cityring ab
Hannover Aus der Stadt Ärztekammer reißt ihr Hochhaus am Cityring ab
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00:15 21.08.2017
Von Conrad von Meding
Kaputter Beton, feuchte Keller, Asbest: Laut einem Gutachten ist das Hochhaus der Ärztekammer marode. Das markante Plenargebäude (vorne) ähnelt einem Sakralbau. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Die Schweizer Tochter des hannoverschen Architekten Ernst Friedrich Brockmann, der das architektonisch ungewöhnliche Bauwerk geschaffen hat, hat durch Zufall von dem Abriss erfahren - „mit großer Bestürzung“, wie sie an die HAZ schreibt.

Architektonisch hat Hannover mehr zu bieten als das Neue Rathaus und die drei warmen Brüder. Das sind Hannovers spektakulärste Bauwerke.

Das von 1965 bis 1967 erbaute Hochhaus hat schon seit Jahren schwere Mängel. Das steigende Grundwasser in der Innenstadt drückt gegen die Bodenfundamente, in denen die gesamte Stromversorgung des Gebäudes verlegt ist - inzwischen halten zehn Pumpen provisorisch die Keller trocken. Der Beton müsste komplett saniert werden, dazu kommen energetische Probleme und eine Belastung mit Schadstoffen, unter anderem Formaldehyd. Im Plenaranbau ist zudem Asbest verbaut. Kammerpräsidentin Martina Wenkler sagte in der Kammerversammlung, die den Abriss einstimmig beschlossen hat, die Organisation habe „auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren 180 Mitarbeitern“.

Allerdings gilt das Bauwerk architekturgeschichtlich als eine Besonderheit. Die „in versetzter Kreuzform angeordneten sieben- bis neungeschossigen Flügel, die sich um einen Betriebskern gruppieren und auf mächtigen V-Stützen aus Sichtbeton lagern, sind ein Zeugnis hoher Ingenieurbaukunst“, schreibt Architekturkritiker Hartmut Möller.

Im Juni hatte es eine Ausstellung zum Werk Brockmanns gegeben, der Hannover in den Fünfziger- bis Siebzigerjahren geprägt hat. Das Gebäude ist allerdings nicht in die Landesdenkmalliste eingetragen. Grund ist offenbar, dass es starke Veränderungen gegeben hat, die Glasfassade ist nicht original.

Das Ärzteparlament habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Kammersprecher Thomas Spieker gestern. Eine Machbarkeitsstudie des Büros Drees und Sommer habe aber ergeben, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlicher sei als ein Neubau, zudem berge sie große Risiken. Etlichen Büro-Untermietern im Haus wurde bereits gekündigt.

Die Ärztekammer verlässt das Gebäude voraussichtlich im Dezember und zieht für mehrere Jahre in ein Mietsgebäude in der Karl-Wiechert-Allee nahe der MHH, wo früher die Tui residierte. Derzeit läuft ein Architektenwettbewerb in Abstimmung mit der Stadt. Im April 2018 soll die Entscheidung fallen, wie neu gebaut wird. Wegen der Grundstücksgröße von nur knapp 5000 Quadratmetern sei es aber wahrscheinlich, dass wieder in die Höhe gebaut wird, sagt Spieker.

Zu den Kosten machte er keine Angaben, in der Branche geht man von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag aus.

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