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Aus der Stadt So liefen die Demos gegen den AfD-Parteitag
Hannover Aus der Stadt So liefen die Demos gegen den AfD-Parteitag
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18:23 02.12.2017
Umstrittenes Vorgehen: Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen eine Sitzblockade der Demonstranten an Schackstraße ein. Quelle: Uwe Dillenberg

Mehrere verletzte Polizisten, ein schwer verletzer Demonstrant und zehn Gewahrsam- oder Festnahmen – das ist die vorläufige Bilanz der zahlreichen Proteste gegen den Bundesparteitag der AfD am Sonnabend in Hannover. Bevor am Nachmittag mehrere tausend Menschen freidlich vom Veranstaltungsort des Parteitreffens, dem HCC, durch die Innenstadt zum Georgsplatz gezogen waren, hatte es am Morgen und in den Vormittagsstunden an verschiedenen Stellen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Die Beamten setzten zum Teil Schlagstöcke, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein.

Mit fünf Kundgebungen wollen Demonstranten am Sonnabend gegen den Bundesparteitag der AfD im Congress Centrum protestieren.

Am heftigsten gingen die Einsatzkräfte an der Kreuzung Schackstraße/Gneisenauer Straße gegen Demonstranten vor. Rund 100 AfD-Gegner hatten sich kurz vor Beginn des Einlasses zum Parteitag auf die Kreuzung gesetzt und sie blockiert. Weil einige von ihnen Regenschirme und gepolsterte Transparente mit sich führten – Gegenstände, die aus Sicht der Polizei zur sogenannten Schutzbewaffnung zählen – gingen die Beamten immer wieder in die Gruppe hinein und nahmen den Protestierenden die Schirme und die Spruchbänder ab. Dies führte zu Unmut bei den Blockierern.

Nachdem die Polizei die Demonstranten mehrfach aufgefordert hatte, die Kreuzung freiwillig zu räumen, die Blockierer aber nicht von der Kreuzung wichen, setzte die Polizei bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt schließlich einen Wasserwerfer ein, um den Verkehrsknotenpunkt wieder befahrbar zu machen. Dies führte in linken Kreisen schnell zu heftiger Kritik: So protestierte auch der Landesverband von Die Linke dagegen.

An der Ecke Kleefelder Straße/Plathnerstraße hatten sich zwei Demonstranten in eine Art Pyramine aus Metall festgekettet, um die Straße zu blockieren. Einer der beiden wurde verletzt und kam mit zwei gebrochenen Beinen ins Krankenhaus, nachdem die Polizei eingeschritten war. Die genauen Umstände sind noch unklar. Der zweite Festgekettete gab freiwillig auf und ließ sich festnehmen.

In einem Demonstrationszug ging es gegen Mittag friedlich vom Theodor-Heuss- bis zum Georgsplatz zur Abschlusskundgebung, zu der Gewerkschaften, Kirchen und Vertreter verschiedener Parteien aufgerufen hatten, waren mehrere tausend Menschen gekommen. Die Polizei spricht von 6500, die Veranstalter von rund 10.000. In seiner Rede verurteilte Probst Martin Tenge das Menschenbild der AfD: „Die Partei propagiert ein ausgrenzendes Menschenbild“, sagte er.

Bereits am Freitag hatte es eine erste Demonstration in der Nordstadt gegen den AfD-Parteitag gegeben.

tm/man/sbü

Der Ticker von den Demos und dem Parteitag zum Nachlesen

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  • 02.12.17 19:55
    Georg Pazderski wird zum Ausgleich zum Stellvertreter gewählt. Einige Kandidaten wecken die Delegierten nach fast neun Stunden wieder auf: Petr Bystron aus Bayern solidarisiert sich offensiv mit der Identitären Bewegung - für die Nähe war er vom alten Bundesvorstand abgemahnt worden. Die Rechtsextremen seien "Männer, die ihre Heimat lieben - und ich möchte meine Heimat nie wieder verlieren". Bystron floh als Jugendlicher aus der sozialistischen Tschechoslowakei.
  • 02.12.17 18:30
    Gauland glättet die Wogen, bindet alle ein. Die "Bürgerbewegungen" wie Pegida seien genau so wichtig wie die parlamentarische Arbeit im Bundestag. Die Partei ist müde, der Applaus nur matt. 67 Prozent sind nicht der Anlass zu mehr.
  • 02.12.17 18:19
    Nun ist es offiziell: Alexander Gauland tritt an. Der völkische Senior rettet die gespaltene Partei. Pazderski zieht zurück. Sayn-Wittgenstein ebenso. Damit hat Gauland keinen Gegenkandidaten mehr.
  • 02.12.17 18:09
    Vermutlich wird nun doch Gauland antreten, um das Patt zu brechen. "Wollen Sie antreten?", wird der Senior gefragt. "Um Wollen geht es nicht mehr", sagt Gauland.
  • 02.12.17 17:26
    Stichwahl: Pazderski setzt sich mit 49,39 Prozent gegen Sayn-Wittgenstein mit 47,83 Prozent durch. Doch gewählt ist immer noch keiner.
  • 02.12.17 17:19
    Der extrem rechte "Flügel" in der AfD hat einen Überraschungserfolg hingelegt: Doris von Sayn-Wittgenstein hat sich mit 49,39 Prozent gegen Pazderski durchgesetzt. Damit hat sie jedoch die geforderten 50 Prozent verfehlt. Es muss eine weiteren Wahlgang geben.
  • 02.12.17 17:15
    Mit Sätzen wie "Ich möchte nicht in dieser Gesellschaft ankommen, denn in dieser Gesellschaft werden wir ausgegrenzt", erntet die Adlige stehende Ovationen. Sie spricht von "Identität" und wendet sich dagegen, dass "Vereine vom Verfassungsschutz beobachtet werden, weil sie eine besondere Heimatliebe an den Tag legen".
  • 02.12.17 17:12
    Doch die Partei-Rechte hat eine eigene Kandidatin gegen Pazderski ins Spiel gebracht: Die 63-jährige Doris von Sayn-Wittgenstein, Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein. "Ich möchte nicht koalieren, bevor die anderen Parteien um Koalitionsverhandlungen betteln", sagt sie. Tosender Applaus.
  • 02.12.17 16:54
    Nun ist es offiziell: Der Showdown fällt aus. Gauland tritt nicht gegen Pazderski als Bundessprecher an.
  • 02.12.17 16:44
    Jörg Meuthen ist mit 72,05 Prozent zum AfD-Bundessprecher wiedergewählt worden.
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