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Affenhaus im Zoo vor Abriss

Nach Schimpansenausbruch Affenhaus im Zoo vor Abriss

Im Aufsichtsrat des Zoos Hannover gibt es offenbar ernste Überlegungen, das Urwaldhaus abzureißen und eine neue Unterkunft für die Menschenaffen zu bauen. Beflügelt werden die Gedankenspiele durch die spektakuläre Flucht der Schimpansen in der vergangenen Woche.

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Seit dem Wochenende geschlossen: Seit dem Ausbruch der Schimpansen wird über die Zukunft des Urwaldhauses im Zoo diskutiert.

Quelle: Steiner

Hannover. Allerdings ist nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen, zumal auch die Finanzierung eines Neubaus geklärt werden muss. Nach Informationen der HAZ bringt der Ausbruch den bisherigen Entwicklungsplan der Zoo-Geschäftsführung durcheinander. Denn dort standen bisher die Sozialräume für die Mitarbeiter und das marode Tropenhaus ganz oben auf der Prioritätenliste für Sanierungen im Zoo.

Das könnte sich jetzt ändern, denn im Urwaldhaus, in dem die Menschenaffen untergebracht sind, liegt sowohl unter baulichen als auch unter zoologischen Gesichtspunkten Experten zufolge einiges im Argen. Im Aufsichtsrat gibt es daher offenbar Stimmen, die einzelne Nachbesserungen ablehnen, weil der Aufwand zu groß sei, und sich stattdessen für einen kompletten Neubau aussprechen. Es laufe alles auf diesen Neubau hinaus, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Regionspräsident Hauke Jagau, der Aufsichtsratsvorsitzender des Zoos ist, sagte, man könne derzeit noch nicht sagen, ob es einen Neubau des Urwaldhauses geben werde. Wenn das Konzept fertig sei, werde man sehen, was man sich leisten könne. „Klar ist, dass sich ständig Dinge verändern“, sagte Jagau.

Die Substanz des Gebäudes gilt als gut. Allerdings gibt es Kritik an der Unterbringung der Menschenaffen. Tierschützer bemängeln immer wieder, dass es den Schimpansen und den Orang-Utans an Spielmöglichkeiten fehle. Der Gorillaberg, das Außengelände der Gorillas, gilt dagegen als eines der besten in Europa. Ein entscheidendes Negativkriterium ist aber offenbar die schlechte energetische Situation des Urwaldhauses.

Die Frage eines Neubaus müsse man sich jetzt stellen, sagte der Vorsitzende der Zoofreunde, Christian Wagner. Dort bestehe Sanierungsbedarf, die Lage habe sich durch den Ausbruch der Schimpansen noch verschärft. Allerdings müssten in der Diskussion auch die finanziellen Möglichkeiten beachtet werden.

Die Politik hielt sich gestern mit Äußerungen zurück. Aufsichtsratsmitglied Brigitte Nieße sagte lediglich, das Urwaldhaus sei durch die Ereignisse in der vergangenen Woche in der Prioritätenliste des Zoos nun nach oben gerückt.

Unterdessen wollen Experten bis zum Freitag entscheiden, ob und mit welchen Veränderungen das seit dem Wochenende für Zoobesucher gesperrte Urwaldhaus wieder freigegeben werden kann. „Die Frage ist, wie wir die Anlage sicher machen können“, sagte Zoosprecherin Magitta Feike. Möglich sei der Einbau von zusätzlichen Plexiglasscheiben oder die Sicherung durch Stahlnetze.

„Das Wichtigste ist, dass die Affen zusammen- und die Besucher sicher sein können“, sagte Feike. Der Ausbruch hätte auch weniger glimpflich enden können, meinte sie.

Am vergangenen Mittwoch waren fünf Schimpansen offenbar über einen herüberhängenden Ast von ihrem Freigelände am Urwaldhaus ausgebrochen. Während die Tiere durch das Areal liefen, brachten die Mitarbeiter des Zoos alle Besucher in Sicherheit. Anschließend konnten alle Schimpansen wieder ins Urwaldhaus gebracht werden. Einer der Schimpansen stieß bei seiner Flucht ein fünfjähriges Mädchen um, zu weiteren schwerwiegenden Vorkommnissen kam es nicht. Das Kind musste mit einer Platzwunde am Kopf in eine Klinik gebracht werden.

Oliver Brandt, der für die CDU im Aufsichtsrat des Zoos sitzt, äußerte sich überrascht, dass er von der Schließung des Urwaldhauses erst aus der Zeitung erfahren hat. „Die Aufsichtratsmitglieder hätten davon vorher informiert werden müssen.

Investitionsstau

Durch die Umgestaltung des Zoo zu einem sogenannten Erlebniszoo sind in den vergangenen Jahren viele dringend notwendige Arbeiten liegengeblieben. An erster Stelle werden immer wieder die Sozialräume für die Mitarbeiter genannt. Offenbar gibt es im Zoo Bestrebungen, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, um die Mitarbeiter nicht weiter zu verärgern.

Bei den Gebäuden stand bislang das Tropenhaus auf der Prioritätenliste ganz oben, es gilt als marode. Das Gebäude liegt jetzt etwas abseits, dort sind Kattas, Papageien und Reptilien untergebracht. Genannt werden auch immer wieder die Greifvogelvoliere, das Giraffenhaus und die Show-Arena. Zoochef Frank Werner äußerte jüngst auch den Wunsch nach mehr Möglichkeiten für regengeschützte Plätze im Zoo. Unklar ist noch, was mit der alten Anlage für Robben und Pinguine passieren soll. Sie ist derzeit für Besucher gesperrt. Nach Angaben von Aufsichtsratschef Hauke Jagau wird für das Areal an einem Konzept gearbeitet.

Werner hatte vor zwei Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung angeregt, für den Bau neuer Attraktionen auch über die Aufnahme von Krediten nachzudenken.

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