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„Wir brauchen den Blick des Kunden“

Aha-Chef nach 100 Tagen im Amt „Wir brauchen den Blick des Kunden“

Der neue Aha-Chef Thomas Schwarz ist jetzt 100 Tage im Amt. Der Quereinsteiger arbeitet kontinuierlich am Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter. Er weiß, dass er es mit einem sehr anspruchsvollem und selbstbewussten Publikum zu tun hat und das in der Vergangenheit nicht immer alles reibungslos lief.

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Thomas Schwarz sagt, er sei ein Quereinsteiger. Die Tonne hat er im Griff.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Seit 100 Tagen ist Thomas Schwarz, 55, CDU, Geschäftsführer des regionalen Abfallbetriebs Aha, und er tat, was man üblicherweise in einem neuen Job zu Beginn tut: sich einen Überblick verschaffen. Also besuchte Schwarz jeden Freitagnachmittag Wertstoffhöfe, sprach mit Mitarbeitern und nahm auf dem Schützenfest einen dieser grässlich lauten Laubbläser in die Hand. Seine wichtigste Erkenntnis betrifft aber die Bürger in der Region. „Wir müssen auf die Leute zugehen“, sagte Schwarz bei seiner ersten Bilanz am Donnerstag. „Wir brauchen den Blick des Kunden.“

Natürlich wird kein Chef eines kommunalen Unternehmens sagen, dass ihm seine Gebührenzahler egal sind. Schwarz ist klar, dass er es mit einem anspruchsvollen und selbstbewusstem Publikum zu tun hat. Einen Abfallbetrieb zu führen heißt, dass als selbstverständlich gilt, wenn alles funktioniert, Verständnis jedoch zügig verschwindet, wenn es nicht reibungslos läuft. Aha hat bittere Erfahrungen machen müssen. Die ewige Diskussion über Sack oder Tonnen-Abfuhr mit dem Zwischenergebnis, dass Säcke in der Region abgeschafft werden – außer für diejenigen Haushalte, die das nicht wollen. Dazu kamen Gebührenreformen, kuriose Mindestverbrauchsmengen und Gerichtsurteile, die Reformen kassierten. Es gab Bürgergutachten und zuletzt eine Absonderlichkeit wie unterlassenes Rückwärtsfahren in Stichstraßen. Ruhige Zeiten liegen bei Aha lange zurück.

Der neue Geschäftsführer hat am Donnerstag ein paar deutliche Worte gesagt, im Tonfall nicht auftrumpfend, dafür entschieden in der Sache. Zum Bürgergutachten etwa, dass die Region Hannover in einer zentralen Veranstaltung in Hannover vorstellte. So geht es nicht, meint Schwarz: „Sie müssen an die Front.“ Er hätte favorisiert, die Befragung in allen 21 Kommunen zu präsentieren. Gehe man nicht auf die Leute zu, verstünden sie manche Dinge nicht und so gebe es mehr Vorbehalte.

Als Müllwagen plötzlich nicht mehr in 70 Stichstraßen fuhren, um nicht gegen Richtlinien zu verstoßen, sollten Anwohner ihre Tonnen zum Teil 300 Meter weit zum Abholen rollen. Schwarz besorgte ein kleineres Fahrzeug. Er denkt dabei auch an seine Mitarbeiter. „Wir fahren nicht mehr rückwärts, das kann ich nicht vertreten, es ist zu gefährlich.“ Mittlerweile hat aha 1730 Stichstraßen in der Region ausgemacht. Gut möglich, dass der Betrieb weitere der kleineren Fahrzeuge anschafft, um Bürgern wie Mitarbeitern gerecht zu werden. Vielleicht auch ein Beispiel für den Spagat, an dem sich Thomas Schwarz in Zukunft versuchen könnte. „Man muss dem Volk aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden.“ Hannoversche Diskussionen über Abfall in jeder Form sind Schwarz nicht unbekannt.

Er war hier kaufmännischer Leiter der Stadtentwässerung, ehe er zu den Kollegen nach München wechselte. Nach zehn Jahren Wochenendehe wurde der Vater von vier Kindern dann Dezernent für Bauen und Umwelt beim Landkreis Nienburg, ehe im Zuge unruhiger Zeiten der Chefposten bei Aha frei wurde. Er weiß, dass er Quereinsteiger ist und im Betrieb womöglich erst einmal mit Skepsis aufgenommen wird. Er will Vertrauen gewinnen im Unternehmen und, noch eine Baustelle, „die Mannschaft bei Aha wieder als Team formatieren“. Schwarz hat mitbekommen, dass Aha-Mitarbeiter privat gerne angefrotzelt werden. Der Anlass: bei Aha beschäftigt zu sein.

Aha in Zahlen

Mitarbeiter: 1800 (37 Auszubildende).
Fuhrpark: 927 Fahrzeuge, darunter 275 Sammelfahrzeuge für Abfall, 63 Kehrmaschinen und 117 Räum- und Streufahrzeuge.
Kunden: 539 000 Haushalte, 40 000 Gewerbebetriebe.
Sammelbehälter: 266 000.
Sperrmüll: 105 600 Bestellungen.
Grundgebühr: 4,98 Euro je Wohnung und Monat.
Mengen: 174 Kilogramm Hausabfall je Einwohner und Jahr. Gewerbeabfall: 50 Kilogramm. Sperrabfall: 
38 Kilogramm.
Stadtreinigung/Winterdienst: 2000 Kilometer Straßen, Rad- und Fußwege in der Stadt Hannover.
Papierkörbe: 5100.
Internetbesuche: 1 024 179.
(Daten für das Geschäftsjahr 2014.
Quelle: Aha)

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