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Wo sind die Haeselers geblieben?

Ahnenforschung von Amerikanern Wo sind die Haeselers geblieben?

Auf den Spuren der Vorfahren: Die beiden Schwestern Susan Haeseler und Karen Haeseler Bebart aus den Washington D.C. suchen in Hannover Hinweise zur ihrer Familiengeschichte – doch die letzte Spur verliert sich im Jahr 1970.

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Hier hat der Urgroßvater geheiratet: Ein Besuch in der Dreifaltigkeitskirche an der Lister Bödekerstraße.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Natürlich ist sie eine Attraktion für Touristen. Die 1325 errichtete Nikolaikapelle an der Goseriede gilt als das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Auch Susan Haeseler und ihre Schwester Karen Haeseler Bebart wollen das historische Gemäuer unbedingt besichtigen - aber für sie ist es nicht Teil einer üblichen Sightseeing-Tour. Die beiden Amerikanerinnen haben eine ganz besondere Beziehung zu der Kapelle, von der heute nur noch eine Ruine zu sehen ist: Ihr Ur-Urgroßvater Heinrich Christian Haeseler und seine Frau Luise haben dort anno 1859 geheiratet. Und ihr Urgroßvater Wilhelm wurde dort ein Jahr später getauft.

Zu Gast in den USA: Bernhard Haeseler (rechts) mit Bruder Wilhelm.

Die Schwestern haben den weiten Weg aus Washington D. C. und Chicago angetreten, um in Hannover auf den Spuren ihrer Vorfahren zu wandeln. Einer Stadt, die sie bisher nur aus dem Internet kannten. Bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts haben sie die Wurzeln ihrer Ahnen zurückverfolgt. Historische Dokumente und Online-Recherchen reichten ihnen aber nicht. „Wir wollten genau dorthin, wo unsere Verwandten früher gelebt haben“, sagt Susan Haeseler, deren Familie seit vier Generationen in den USA zu Hause ist. „Es ist wichtig zu wissen, woher man kommt.“

Die 55-Jährige und ihre fünf Jahre jüngere Schwester blicken sich um. Wind weht durch die Mauerreste der Nikolaikapelle, Passanten hasten vorbei. Die beiden versuchen sich vorzustellen, wo einst der Zigarrenmacher Heinrich Christian Haeseler gestanden haben könnte, als er seiner Frau das Jawort gab. „Das ist ein bewegendes Gefühl“, sagt Susan Haeseler. Zunächst hatten sie vermutet, dass die Hochzeit in der Nikolaikirche in Limmer gefeiert wurde. „Es war sehr schwer für uns, die Heiratsurkunde in der alten deutschen Schreibschrift zu entziffern.“ Doch inzwischen ist gesichert, dass die beiden den richtigen Ort gefunden haben.

Eine Notiz als Ausgangspunkt

Ein Besuch bei Stefanie Sonnenberg brachte Gewissheit. „Sie hat uns erklärt, dass die Trauungen in der Kapelle stattfanden, weil die Christuskirche bis 1864 noch im Bau war“, erzählt Karen Haeseler Bebart, die begeistert ist von der Hilfsbereitschaft der Pastorin. Auf die Idee, die Geschichte ihrer Familie zu ergründen, kam Susan Haeseler, nachdem ihr Vater 2013 gestorben war. Sie fand ein Stück Papier, auf dem ihr 1901 in Tonawanda/New York geborener Großvater Wilhelm Haeseler die Namen von Angehörigen notiert hatte. Mit einer befreundeten Ahnenforscherin startete sie die Suche. Und stieß zuerst auf ihren 1860 geborenen Urgroßvater, der auch Wilhelm Haeseler hieß.

Nun steht sie mit Karen in der Kirche, in der dieser Wilhelm geheiratet hat - der Dreifaltigkeitskirche an der Bödekerstraße. Wie zur Begrüßung für die amerikanischen Gäste ertönt plötzlich die Orgel. „Das muss ein Zeichen sein“, sagt Susan lächelnd. Ihr Großvater habe leidenschaftlich gern Orgel gespielt. „Er komponierte Kirchenlieder, Musik für Karussells und den Juke-Box-Hersteller Wurlitzer - und mein Vater konnte nach Gehör Klavier spielen.“ Als die Organistin Yo Hirano auf die Besucher aufmerksam wird und erfährt, warum sie gekommen sind, lädt sie sie ein, selbst einmal ein paar Takte zu spielen. Für die Schwestern ist das nicht nur ein Spaß, das kurze Orgelspiel bringt sie dem Gotteshaus ihrer Vorfahren noch näher.

Der Urgroßvater zog in die USA

Warum ihr Urgroßvater schließlich in die USA auswanderte, wissen beide nicht. Vermutlich verließ er die alte Heimat 1883 oder später. Für die Haeselers liegt hier ein Familiengeheimnis verborgen: Denn Wilhelm Haeseler ließ sich scheiden und ging nach Übersee, während seine Frau Charlotte und die Tochter Luise in Hannover blieben. „Wir würden gerne herausfinden, was aus ihnen geworden ist“, sagt Susan Haeseler.

Mehr Informationen über die Zeit in Hannover haben die Haeselers durch Wilhelms zwölf Jahre jüngeren Bruder Bernhard, der Urgroßonkel der Familienforscherinnen. „Wir wissen, dass Bernhard in Hannover Mitglied eines großen Orchesters war und auch als Musiklehrer arbeitete“, berichtet Karen Haeseler Bebart.

Ein Traum der Schwestern ist es, lebende Verwandte in Hannover zu finden. Bei ihren Recherchen erhielten sie wertvolle Hilfe vom Kirchenbuchamt in der Hildesheimer Straße und vom städtischen Standesamt. So erfuhren sie, wo ihre Vorfahren einst gewohnt haben. Viele der Häuser wurden allerdings im Krieg zerstört. „In den Ausstellungen im Rathaus und im Historischen Museum haben wir gesehen, wie sehr die Stadt in Trümmern lag“, sagt Susan Haeseler betroffen. Die Häuser in der Scheidestraße Nummer 29 und 31 in Kleefeld sind stehengeblieben - sofern die Nummerierung noch stimmt. In dem Arbeiterhaus aus Backstein und dem bürgerlichen Wohnhaus waren einst der Ur-Urgroßvater und der Urgroßonkel zu Hause. Susan Haeseler lässt ihren Blick über die Klingelschilder schweifen: „Schade, kein Haeseler mehr“, stellt sie lachend fest. Befürchtet hatte sie, dass die Haeselers, die in Deutschland Häseler geschrieben werden, im Krieg ums Leben gekommen sein könnten. Doch durch das Standesamt haben sie jetzt erfahren, dass Bernhard, der Musiker, und ein weiterer Bruder überlebt haben, beide starben 1947. Die Aufzeichnungen des Standesamtes enden 1957 und 1970, als ein Haeseler in Schwarmstedt gestorben, ein anderer nach Steinbergen bei Rinteln umgezogen ist. Damit verliert sich die Spur.

Zum Schluss etwas Sightseeing

Auch wenn sie keine Verwandten ausfindig machen konnten - die Amerikanerinnen sind begeistert von ihrer fünftägigen Reise in die Vergangenheit. „Die Menschen hier waren unheimlich hilfsbereit, so viel hätten wir nie herausgefunden, wenn wir nicht hierher gekommen wären“, schwärmt Karen Haeseler Bebart. Auch die Stadt hat ihnen sehr gefallen. Und natürlich haben sie doch noch etwas Sightseeing gemacht, die Herrenhäuser Gärten und ein Konzert in der Marktkirche besucht. Die beiden sind sicher, dass ihr erster Besuch in Hannover nicht der letzte gewesen sein wird: „Wir lieben das Reisen, schließlich hatte unser Vater ein Reisebüro.“

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