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Aids-Infizierte zeigen ihr Gesicht auf Stadtbahn in Hannover

Kampagne gegen Diskriminierung Aids-Infizierte zeigen ihr Gesicht auf Stadtbahn in Hannover

Auf einer Stadtbahn in Hannover prangen seit Dienstag die Gesichter von zehn Aids-Infizierten. Angerissen wird auch die Lebensgeschichte der Betroffenen. Ein halbes Jahr lang fährt die Üstra-Stadtbahn ab sofort durch die Landeshauptstadt.

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Gibt der Kampagne ein Gesicht: Jean-Luc Tissot geht offensiv mit seiner Erkrankung um.

Quelle: Nico Herzog

Hannover. Jean-Luc Tissot findet eindringliche Worte, wenn er über die öffentliche Wahrnehmung seiner HIV-Erkrankung spricht. Juristisch gelte er als potenzieller Täter, moralisch als Versager, sexuell als gefährlich, gesellschaftlich als Außenseiter und medizinisch als problematisch. Tissot war 41 Jahre alt, als er erfuhr, dass er HIV-positiv ist. Das war im Jahr 1987 – eine Zeit, als die Immunkrankheit noch als unmittelbares Todesurteil galt. „Aids ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Tissot im Hinblick auf die rund 70 000 Infizierten bundesweit. „Doch die Gesellschaft hat es noch nicht bemerkt.“ Diskriminierung gebe es eben noch immer.

Umso wichtiger ist es dem heute 66-Jährigen, offensiv mit der Krankheit umzugehen. Daher haben Tissot sowie sechs weitere Männer und drei Frauen von Aids-Selbsthilfegruppen aus Braunschweig, Göttingen, Celle und Hannover der Immunkrankheit auf der Außenseite einer Stadtbahn der Üstra nun ein Gesicht gegeben. Zusammen mit dem hannoverschen Künstler und Fotografen Hannes Malte Mahler gestalteten sie die Kunstaktion „Leben. Mit Aids“, deren Schirmherr Regionspräsident Hauke Jagau ist. Zehn großformatige Porträts nebst Kurzbiografien sind auf einem Silberpfeil der hannoverschen Verkehrsbetriebe abgebildet, der bis Mitte Dezember auf der Stadtbahnlinie 6 und 11 in Betrieb ist. In den kurzen Texten beschreiben die Protagonisten der Aktion auf eine sehr individuelle Weise ihre Krankheit, die damit verbundenen Ängste, ihre Träume und ihren Alltag.

„Meine größte Angst: Ich werde keine 30 Jahre mehr“, heißt es in dem Text von Doreen, deren erster fester Freund sie infizierte. „Ich bin überzeugt, nicht nur der Pillencocktail ist es, der mich am Leben hält, sondern mein offener Umgang mit dem Virus“, schreibt Michael, der seit 20 Jahren „positiv lebt“, wie er sagt. „Vor 40 Jahren Diagnose: homosexuell (schwul = pervers). Vor 20 Jahren Diagnose HIV-positiv (Aids = Schwulenseuche)“, bringt Günter seine Erfahrungen mit Ausgrenzungen auf den Punkt.

Die unterschiedlichen Porträtaufnahmen und Texte hat Mahler mit farbigen Linien verbunden, die den Fahrplänen der Üstra nachempfunden sind und die die individuellen Lebensbahnen der Erkrankten symbolisieren sollen. „Ich hoffe, dass die Aktion mehr Betroffene animiert, aus der Anonymität herauszutreten“, sagt Mahler. Dass der offene Umgang mit der Krankheit nach wie vor nicht selbstverständlich ist, habe auch die Suche nach den Protagonisten für die Kunstaktion gezeigt. Unter den 4000 in Niedersachsen registrierten HIV-Infizierten hätte es kaum Freiwillige gegeben, sagt Mahler.

Stefanie Nickel

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